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	<title>DG HochN-Wiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Wie_lassen_sich_ethische_Fragen_strukturiert_diskutieren%3F&amp;diff=7840</id>
		<title>HOCH-N:Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?</title>
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		<updated>2021-04-02T07:21:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Alle Menschen haben mehr oder weniger reflektierte Vorstellungen von moralisch „richtigem“ und „falschem“ Handeln und bewegen sich im Alltag in einem ganzen Geflecht von Normen. Insofern können ethische Fragen lebendige Diskussionen in Gang setzen, in denen sich jede*r gut mit eigenen Erfahrungen und Einschätzungen einbringen kann. Allerdings kann die Fülle verschiedenartiger Beiträge auch Verwirrung stiften, sodass am Ende des Austauschs bloß Ratlosigkeit und Verwirrung oder das Gefühl zurückbleiben, dass „man mal über wichtige Fragen philosophiert“ hat. Daher sollen im Folgenden einige Punkte skizziert werden, um eine ethische Diskussion zu strukturieren, die vorgebrachten Argumente zu ordnen und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Visualisierung der Argumentationsstruktur.png|mini|alternativtext=|Indem die einzelnen Argumente logisch um die zu debattierende Frage angeordnet und zueinander zugeordnet werden, können Strukturen von Gedankengängen sichtbar und somit die Argumentationsstuktur visuell nachvollziehbar gemacht werden.]]&lt;br /&gt;
Als Instrumente eines in diesem Sinne qualifizierten Denkens kann „Visual Reasoning Architecture“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Parmenides Foundation (2020) zur Visual Reasoning Architecture, https://www.parmenides-eidos.com/eidos9/us/ (zuletzt abgerufen am 23.12.2020).&amp;lt;/ref&amp;gt;, also die Sichtbarmachung der Struktur von Gedankengängen und der Art und Weise, wie einzelne Denkschritte darin zusammenspielen bzw. die einzelnen Argumente miteinander verbunden sind, verwendet werden. Darüber hinaus können weitere methodische Ansätze, wie zum Beispiel „Argumentation Space Mapping“, also die systematische Darstellung des gedanklichen Feldes, in dem die einzelnen unterschiedlichen Positionen formuliert werden, verwendet werden. Auch die „Visual Reasoning Language“, in der komplexe Denkprozesse in ihre einzelnen, qualitativ unterschiedlichen Denkschritte zerlegt und dann wieder zu transparenten Gedankengängen zusammengesetzt werden können, kann sich als hilfreich erweisen. Der Vorteil der visuellen Darstellung komplexer Argumentationsgänge besteht zum einen darin, dass so für alle TeilnehmerInnen der Stand der Diskussion sichtbar gemacht wird. Zum anderen ermöglicht eine visuelle Methode intuitives, noch nicht „spruchreifes“ Denken, dessen Bedeutung für ethische Abwägungsprozesse nicht zu unterschätzen ist. Die Aufgabe einer dezidierten Analyse der Argumente ist für die ethische Behandlung von zentraler Bedeutung. Die „Visual Reasoning Architecture“ kann diesen Prozess unterstützen, indem sie die vorgetragene Argumentation transparenter, einprägsamer, überhaupt angemessen diskutierbar und weiter ausbaufähig macht. Mit der „Visual Reasoning Architecture“ lassen sich auch potenzielle Inkonsistenzen der Argumente sowie argumentative Auslassungen und andere Defizite viel besser erkennen als bei klassich-sequentiellem Text. Alle vorgestellten Methodikschritte können auch in der Forschungspraxis an konkreten Fragestellungen eingesetzt und „trainiert“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand von vier Schritten kann diese Visualisierung unterstützt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;1. Konkretisierung der ethischen Fragestellung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Einstieg in eine ethische Diskussion empfiehlt sich eine konkrete Fragestellung aus der Praxis, die sich insbesondere aus Dilemmata, Zielkonflikten, als problematisch empfundenen Sachverhalten, Risiken und Krisen ergibt oder darauf zuspitzen lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;2. Beschreibung der vorfindbaren Normsysteme&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend können die gegenwärtig geltenden Normsysteme beschrieben werden, die für die Fragestellung relevant sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wie wird mit dem ethischen Problem gegenwärtig in der Praxis umgegangen?&lt;br /&gt;
* An welchen Stellen zeigt sich, dass das Problem unzulänglich gelöst ist?&lt;br /&gt;
* Existieren verschiedene Lösungsansätze? Inwiefern stehen diese zueinander in Spannung?&lt;br /&gt;
* Wie haben die Normsysteme zu ihrer gegenwärtigen Form gefunden? An welchen Stellen findet aktuell Entwicklung statt? Wie wird nach anderen und neuen Lösungen gesucht?&lt;br /&gt;
* Welche Begriffe sind klärungsbedürftig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Freilegung grundlegender Handlungsprinzipien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun lässt sich das Fundament begutachten, auf dem die Handlungsregeln beruhen (normative Ethik). Hierbei bietet sich die Philosophiegeschichte als Fundgrube an, um Argumente zu finden und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beachten ist hierbei allerdings, dass nicht bloß (theoretisch) überzeugende moralische Appelle an das Gewissen des Einzelnen formuliert werden, die von der Selbstkontrolle des Einzelnen ausgehen. In der Lebenswirklichkeit des (modernen) Menschen kann nicht (allein) auf Selbstkontrolle und freiwillige Bereitschaft zu moralischem Handeln gesetzt werden, sondern es müssen an das eigene Interesse anknüpfende Anreize und institutionelle Sanktionsmechanismen etabliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Lütge, U. / Uhl, M. (2017): Wirtschaftsethik. München: Vahlen, 32-33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die überzeugenden Argumente einer Handlungsethik müssen also in eine Bedingungsethik überführt werden, damit sie in der Realität auch zum Tragen kommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Homann, K. (2003): Anreize und Moral. Gesellschaftstheorie – Ethik – Anwendungen. Münster: LIT.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Welche Interessen und Werte werden von der Fragestellung berührt? Wessen Interessen werden ggf. übersehen, weil sie nicht stark genug vertreten werden?&lt;br /&gt;
* Welche Werte und Interessen stehen sich gegenüber? Können sie austariert werden? Wie?&lt;br /&gt;
* Welche Vorstellung von „Gerechtigkeit“ und „gutem Leben“ liegt den Handlungsregeln zugrunde?&lt;br /&gt;
* Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf die gesellschaftliche Stabilität?&lt;br /&gt;
* Handelt es sich um Einzelfälle? Inwiefern kommt dem Problem paradigmatische Bedeutung zu, d. h. inwiefern lässt es sich verallgemeinern?&lt;br /&gt;
* Welche Emotionen werden von der ethischen Frage berührt?&lt;br /&gt;
* Welche Menschenrechte sind betroffen? Ist die Menschenwürde bedroht?&lt;br /&gt;
* Inwiefern werden Menschen instrumentalisiert?&lt;br /&gt;
* Hat die ethische Frage Bedeutung für die Zerstörung/Bewahrung der Umwelt? Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf das Wohl zukünftiger Generationen?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt Altruismus in der Debatte?&lt;br /&gt;
* Welche Machtstrukturen lassen sich ausmachen?&lt;br /&gt;
* Wie werden Freiheits- und Verantwortungsbereiche abgesteckt?&lt;br /&gt;
* Welche Handlungsmotive liegen zugrunde? Wie verhalten sie sich zu den Handlungsfolgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;4. Zurück in die Praxis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine einleuchtende ethische Argumentation setzt sich in der Praxis trotz ihrer Überzeugungskraft keineswegs von allein durch. Beachtung verdient daher abschließend auch die Frage, wie die ethische Reflexion in die Praxis überführt werden kann. Zu beachten sind dabei z. B.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Institutionelle, staatliche, wirtschaftliche usw. Machtstrukturen&lt;br /&gt;
* Gesetzeslage&lt;br /&gt;
* Wirtschaftliche Anreize und Zwänge&lt;br /&gt;
* Kulturelle Bewertungs- und Handlungsmuster&lt;br /&gt;
* Differenzierte Mobilisierungs- und Überzeugungsstrategien für verschiedene Akteure&lt;br /&gt;
* Welche Akteursnetzwerke lassen sich neu bilden, bzw. müssen neu gebildet werden?&lt;br /&gt;
Im Rahmen eines Workshops bieten sich auch Rollenspiele an, um das Gespür für die praktischen Umsetzungsschwierigkeiten zu schärfen und kreativ nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Wie_lassen_sich_ethische_Fragen_strukturiert_diskutieren%3F&amp;diff=7839</id>
		<title>HOCH-N:Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?</title>
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		<updated>2021-04-02T07:17:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Alle Menschen haben mehr oder weniger reflektierte Vorstellungen von moralisch „richtigem“ und „falschem“ Handeln und bewegen sich im Alltag in einem ganzen Geflecht von Normen. Insofern können ethische Fragen lebendige Diskussionen in Gang setzen, in denen sich jede*r gut mit eigenen Erfahrungen und Einschätzungen einbringen kann. Allerdings kann die Fülle verschiedenartiger Beiträge auch Verwirrung stiften, sodass am Ende des Austauschs bloß Ratlosigkeit und Verwirrung oder das Gefühl zurückbleiben, dass „man mal über wichtige Fragen philosophiert“ hat. Daher sollen im Folgenden einige Punkte skizziert werden, um eine ethische Diskussion zu strukturieren, die vorgebrachten Argumente zu ordnen und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Visualisierung der Argumentationsstruktur.png|mini|alternativtext=|Indem die einzelnen Argumente logisch um die zu debattierende Frage angeordnet und zueinander zugeordnet werden, können Strukturen von Gedankengängen sichtbar und somit die Argumentationsstuktur visuell nachvollziehbar gemacht werden.]]&lt;br /&gt;
Als Instrumente eines in diesem Sinne qualifizierten Denkens kann „Visual Reasoning Architecture“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Parmenides Foundation (2020) zur Visual Reasoning Architecture, https://www.parmenides-eidos.com/eidos9/us/ (zuletzt abgerufen am 23.12.2020).&amp;lt;/ref&amp;gt;, also die Sichtbarmachung der Struktur von Gedankengängen und der Art und Weise, wie einzelne Denkschritte darin zusammenspielen bzw. die einzelnen Argumente miteinander verbunden sind, verwendet werden. Darüber hinaus können weitere methodische Ansätze, wie zum Beispiel „Argumentation Space Mapping“, also die systematische Darstellung des gedanklichen Feldes, in dem die einzelnen unterschiedlichen Positionen formuliert werden, verwendet werden. Auch die „Visual Reasoning Language“, in der komplexe Denkprozesse in ihre einzelnen, qualitativ unterschiedlichen Denkschritte zerlegt und dann wieder zu transparenten Gedankengängen zusammengesetzt werden können, kann sich als hilfreich erweisen. Der Vorteil der visuellen Darstellung komplexer Argumentationsgänge besteht zum einen darin, dass so für alle TeilnehmerInnen der Stand der Diskussion sichtbar gemacht wird. Zum anderen ermöglicht eine visuelle Methode intuitives, noch nicht „spruchreifes“ Denken, dessen Bedeutung für ethische Abwägungsprozesse nicht zu unterschätzen ist. Die Aufgabe einer dezidierten Analyse der Argumente ist für die ethische Behandlung von zentraler Bedeutung. Die „Visual Reasoning Architectures“ kann diesen Prozess unterstützen, indem sie die vorgetragene Argumentation transparenter, einprägsamer, überhaupt angemessen diskutierbar und weiter ausbaufähig macht. Alle vorgestellten Methodikschritte können auch in der Forschungspraxis an konkreten Fragestellungen eingesetzt und „trainiert“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand von vier Schritten kann diese Visualisierung unterstützt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;1. Konkretisierung der ethischen Fragestellung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Einstieg in eine ethische Diskussion empfiehlt sich eine konkrete Fragestellung aus der Praxis, die sich insbesondere aus Dilemmata, Zielkonflikten, als problematisch empfundenen Sachverhalten, Risiken und Krisen ergibt oder darauf zuspitzen lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;2. Beschreibung der vorfindbaren Normsysteme&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend können die gegenwärtig geltenden Normsysteme beschrieben werden, die für die Fragestellung relevant sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wie wird mit dem ethischen Problem gegenwärtig in der Praxis umgegangen?&lt;br /&gt;
* An welchen Stellen zeigt sich, dass das Problem unzulänglich gelöst ist?&lt;br /&gt;
* Existieren verschiedene Lösungsansätze? Inwiefern stehen diese zueinander in Spannung?&lt;br /&gt;
* Wie haben die Normsysteme zu ihrer gegenwärtigen Form gefunden? An welchen Stellen findet aktuell Entwicklung statt? Wie wird nach anderen und neuen Lösungen gesucht?&lt;br /&gt;
* Welche Begriffe sind klärungsbedürftig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Freilegung grundlegender Handlungsprinzipien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun lässt sich das Fundament begutachten, auf dem die Handlungsregeln beruhen (normative Ethik). Hierbei bietet sich die Philosophiegeschichte als Fundgrube an, um Argumente zu finden und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beachten ist hierbei allerdings, dass nicht bloß (theoretisch) überzeugende moralische Appelle an das Gewissen des Einzelnen formuliert werden, die von der Selbstkontrolle des Einzelnen ausgehen. In der Lebenswirklichkeit des (modernen) Menschen kann nicht (allein) auf Selbstkontrolle und freiwillige Bereitschaft zu moralischem Handeln gesetzt werden, sondern es müssen an das eigene Interesse anknüpfende Anreize und institutionelle Sanktionsmechanismen etabliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Lütge, U. / Uhl, M. (2017): Wirtschaftsethik. München: Vahlen, 32-33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die überzeugenden Argumente einer Handlungsethik müssen also in eine Bedingungsethik überführt werden, damit sie in der Realität auch zum Tragen kommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Homann, K. (2003): Anreize und Moral. Gesellschaftstheorie – Ethik – Anwendungen. Münster: LIT.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Welche Interessen und Werte werden von der Fragestellung berührt? Wessen Interessen werden ggf. übersehen, weil sie nicht stark genug vertreten werden?&lt;br /&gt;
* Welche Werte und Interessen stehen sich gegenüber? Können sie austariert werden? Wie?&lt;br /&gt;
* Welche Vorstellung von „Gerechtigkeit“ und „gutem Leben“ liegt den Handlungsregeln zugrunde?&lt;br /&gt;
* Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf die gesellschaftliche Stabilität?&lt;br /&gt;
* Handelt es sich um Einzelfälle? Inwiefern kommt dem Problem paradigmatische Bedeutung zu, d. h. inwiefern lässt es sich verallgemeinern?&lt;br /&gt;
* Welche Emotionen werden von der ethischen Frage berührt?&lt;br /&gt;
* Welche Menschenrechte sind betroffen? Ist die Menschenwürde bedroht?&lt;br /&gt;
* Inwiefern werden Menschen instrumentalisiert?&lt;br /&gt;
* Hat die ethische Frage Bedeutung für die Zerstörung/Bewahrung der Umwelt? Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf das Wohl zukünftiger Generationen?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt Altruismus in der Debatte?&lt;br /&gt;
* Welche Machtstrukturen lassen sich ausmachen?&lt;br /&gt;
* Wie werden Freiheits- und Verantwortungsbereiche abgesteckt?&lt;br /&gt;
* Welche Handlungsmotive liegen zugrunde? Wie verhalten sie sich zu den Handlungsfolgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;4. Zurück in die Praxis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine einleuchtende ethische Argumentation setzt sich in der Praxis trotz ihrer Überzeugungskraft keineswegs von allein durch. Beachtung verdient daher abschließend auch die Frage, wie die ethische Reflexion in die Praxis überführt werden kann. Zu beachten sind dabei z. B.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Institutionelle, staatliche, wirtschaftliche usw. Machtstrukturen&lt;br /&gt;
* Gesetzeslage&lt;br /&gt;
* Wirtschaftliche Anreize und Zwänge&lt;br /&gt;
* Kulturelle Bewertungs- und Handlungsmuster&lt;br /&gt;
* Differenzierte Mobilisierungs- und Überzeugungsstrategien für verschiedene Akteure&lt;br /&gt;
* Welche Akteursnetzwerke lassen sich neu bilden, bzw. müssen neu gebildet werden?&lt;br /&gt;
Im Rahmen eines Workshops bieten sich auch Rollenspiele an, um das Gespür für die praktischen Umsetzungsschwierigkeiten zu schärfen und kreativ nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Wie_lassen_sich_ethische_Fragen_strukturiert_diskutieren%3F&amp;diff=7838</id>
		<title>HOCH-N:Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?</title>
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		<updated>2021-04-02T07:14:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Alle Menschen haben mehr oder weniger reflektierte Vorstellungen von moralisch „richtigem“ und „falschem“ Handeln und bewegen sich im Alltag in einem ganzen Geflecht von Normen. Insofern können ethische Fragen lebendige Diskussionen in Gang setzen, in denen sich jede*r gut mit eigenen Erfahrungen und Einschätzungen einbringen kann. Allerdings kann die Fülle verschiedenartiger Beiträge auch Verwirrung stiften, sodass am Ende des Austauschs bloß Ratlosigkeit und Verwirrung oder das Gefühl zurückbleiben, dass „man mal über wichtige Fragen philosophiert“ hat. Daher sollen im Folgenden einige Punkte skizziert werden, um eine ethische Diskussion zu strukturieren, die vorgebrachten Argumente zu ordnen und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Visualisierung der Argumentationsstruktur.png|mini|alternativtext=|Indem die einzelnen Argumente logisch um die zu debattierende Frage angeordnet und zueinander zugeordnet werden, können Strukturen von Gedankengängen sichtbar und somit die Argumentationsstuktur visuell nachvollziehbar gemacht werden.]]&lt;br /&gt;
Als Instrumente eines in diesem Sinne qualifizierten Denkens kann „Visual Reasoning Architectures“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Parmenides Foundation (2020) zur Visual Reasoning Architecture, https://www.parmenides-eidos.com/eidos9/us/ (zuletzt abgerufen am 23.12.2020).&amp;lt;/ref&amp;gt;, also die Sichtbarmachung der Struktur von Gedankengängen und der Art und Weise, wie einzelne Denkschritte darin zusammenspielen bzw. die einzelnen Argumente miteinander verbunden sind, verwendet werden. Darüber hinaus können weitere methodische Ansätze, wie zum Beispiel „Argumentation Space Mapping“, also die systematische Darstellung des gedanklichen Feldes, in dem die einzelnen unterschiedlichen Positionen formuliert werden, verwendet werden. Auch die „Visual Reasoning Language“, in der komplexe Denkprozesse in ihre einzelnen, qualitativ unterschiedlichen Denkschritte zerlegt und dann wieder zu transparenten Gedankengängen zusammengesetzt werden können, kann sich als hilfreich erweisen. Der Vorteil der visuellen Darstellung komplexer Argumentationsgänge besteht zum einen darin, dass so für alle TeilnehmerInnen der Stand der Diskussion sichtbar gemacht wird. Zum anderen ermöglicht eine visuelle Methode intuitives, noch nicht „spruchreifes“ Denken, dessen Bedeutung für ethische Abwägungsprozesse nicht zu unterschätzen ist. Alle vorgestellten Methoden können auch in der Forschungspraxis an konkreten Fragestellungen eingesetzt und „trainiert“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand von vier Schritten kann diese Visualisierung unterstützt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;1. Konkretisierung der ethischen Fragestellung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Einstieg in eine ethische Diskussion empfiehlt sich eine konkrete Fragestellung aus der Praxis, die sich insbesondere aus Dilemmata, Zielkonflikten, als problematisch empfundenen Sachverhalten, Risiken und Krisen ergibt oder darauf zuspitzen lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;2. Beschreibung der vorfindbaren Normsysteme&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend können die gegenwärtig geltenden Normsysteme beschrieben werden, die für die Fragestellung relevant sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wie wird mit dem ethischen Problem gegenwärtig in der Praxis umgegangen?&lt;br /&gt;
* An welchen Stellen zeigt sich, dass das Problem unzulänglich gelöst ist?&lt;br /&gt;
* Existieren verschiedene Lösungsansätze? Inwiefern stehen diese zueinander in Spannung?&lt;br /&gt;
* Wie haben die Normsysteme zu ihrer gegenwärtigen Form gefunden? An welchen Stellen findet aktuell Entwicklung statt? Wie wird nach anderen und neuen Lösungen gesucht?&lt;br /&gt;
* Welche Begriffe sind klärungsbedürftig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Freilegung grundlegender Handlungsprinzipien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun lässt sich das Fundament begutachten, auf dem die Handlungsregeln beruhen (normative Ethik). Hierbei bietet sich die Philosophiegeschichte als Fundgrube an, um Argumente zu finden und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beachten ist hierbei allerdings, dass nicht bloß (theoretisch) überzeugende moralische Appelle an das Gewissen des Einzelnen formuliert werden, die von der Selbstkontrolle des Einzelnen ausgehen. In der Lebenswirklichkeit des (modernen) Menschen kann nicht (allein) auf Selbstkontrolle und freiwillige Bereitschaft zu moralischem Handeln gesetzt werden, sondern es müssen an das eigene Interesse anknüpfende Anreize und institutionelle Sanktionsmechanismen etabliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Lütge, U. / Uhl, M. (2017): Wirtschaftsethik. München: Vahlen, 32-33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die überzeugenden Argumente einer Handlungsethik müssen also in eine Bedingungsethik überführt werden, damit sie in der Realität auch zum Tragen kommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Homann, K. (2003): Anreize und Moral. Gesellschaftstheorie – Ethik – Anwendungen. Münster: LIT.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Welche Interessen und Werte werden von der Fragestellung berührt? Wessen Interessen werden ggf. übersehen, weil sie nicht stark genug vertreten werden?&lt;br /&gt;
* Welche Werte und Interessen stehen sich gegenüber? Können sie austariert werden? Wie?&lt;br /&gt;
* Welche Vorstellung von „Gerechtigkeit“ und „gutem Leben“ liegt den Handlungsregeln zugrunde?&lt;br /&gt;
* Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf die gesellschaftliche Stabilität?&lt;br /&gt;
* Handelt es sich um Einzelfälle? Inwiefern kommt dem Problem paradigmatische Bedeutung zu, d. h. inwiefern lässt es sich verallgemeinern?&lt;br /&gt;
* Welche Emotionen werden von der ethischen Frage berührt?&lt;br /&gt;
* Welche Menschenrechte sind betroffen? Ist die Menschenwürde bedroht?&lt;br /&gt;
* Inwiefern werden Menschen instrumentalisiert?&lt;br /&gt;
* Hat die ethische Frage Bedeutung für die Zerstörung/Bewahrung der Umwelt? Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf das Wohl zukünftiger Generationen?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt Altruismus in der Debatte?&lt;br /&gt;
* Welche Machtstrukturen lassen sich ausmachen?&lt;br /&gt;
* Wie werden Freiheits- und Verantwortungsbereiche abgesteckt?&lt;br /&gt;
* Welche Handlungsmotive liegen zugrunde? Wie verhalten sie sich zu den Handlungsfolgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;4. Zurück in die Praxis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine einleuchtende ethische Argumentation setzt sich in der Praxis trotz ihrer Überzeugungskraft keineswegs von allein durch. Beachtung verdient daher abschließend auch die Frage, wie die ethische Reflexion in die Praxis überführt werden kann. Zu beachten sind dabei z. B.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Institutionelle, staatliche, wirtschaftliche usw. Machtstrukturen&lt;br /&gt;
* Gesetzeslage&lt;br /&gt;
* Wirtschaftliche Anreize und Zwänge&lt;br /&gt;
* Kulturelle Bewertungs- und Handlungsmuster&lt;br /&gt;
* Differenzierte Mobilisierungs- und Überzeugungsstrategien für verschiedene Akteure&lt;br /&gt;
* Welche Akteursnetzwerke lassen sich neu bilden, bzw. müssen neu gebildet werden?&lt;br /&gt;
Im Rahmen eines Workshops bieten sich auch Rollenspiele an, um das Gespür für die praktischen Umsetzungsschwierigkeiten zu schärfen und kreativ nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Ethik_und_Verantwortung_in_der_Hochschulforschung&amp;diff=6313</id>
		<title>HOCH-N:Ethik und Verantwortung in der Hochschulforschung</title>
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		<updated>2021-01-05T09:38:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;[[Was ist eine ethische Frage?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik reflektiert die Maßstäbe rechten Handelns in komplexen Situationen. Als philosophische Disziplin lässt sie sich weiter in normative, angewandte, deskriptive und Metaethik untergliedern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um unter sich rasch verändernden, komplexen Handlungsbedingungen handlungsfähig zu bleiben, ist ein klarer Blick auf den Kern der Problemstellungen und die langfristigen, strategischen Herausforderungen entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Was bedeutet Ethik für die Forschung?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik begutachtet keineswegs nur den Forschungsprozess und beschränkt sich nicht nur auf Technikfolgenabschätzung. Eine freie Wissenschaft steht darüber hinaus auch in der Verantwortung, aus eigener Initiative eine Nachhaltigkeitsperspektive einzunehmen und einen Beitrag gegen die Umweltzerstörung zu leisten, die das Wohl der Menschheit bedroht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ethische Diskussion will gut strukturiert sein, um tatsächlich zu einem vertieften Problemverständnis und zu überzeugenden Lösungsvorschlägen zu verhelfen. Als hilfreich kann sich eine inhaltliche Gliederung (z. B. wissenschaftliche Fragestellung – gegenwärtige Normsysteme – zugrundeliegende Handlungsprinzipien – Umsetzung in die Praxis) und visuelle Darstellung erweisen.&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ethik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verantwortung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochschulforschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeitsverst%C3%A4ndnis&amp;diff=6312</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeitsverständnis</title>
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		<updated>2021-01-05T09:37:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Version vom 16. Januar 2020&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Präambel==&lt;br /&gt;
Gesamtziel des Vorhabens Nachhaltigkeit an Hochschulen ({{Hn}}) ist die Förderung nachhaltiger Entwicklung an Hochschulen in Deutschland sowie die Konzeption von hierfür geeigneten Maßnahmen und Leitfäden. Eine wichtige Basis dafür ist die Entwicklung eines gemeinsamen Nachhaltigkeitsverständnisses – wir verwenden im Folgenden die Begriffe Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung synonym – unter Berücksichtig seiner transformativen Aspekte für eine zukunftsfähige Hochschullandschaft in Deutschland. {{Hn}} wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Unter [http://www.hoch-n.org www.hoch-n.org] finden sich nähere Informationen zum Projekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zum Entstehungsprozess===&lt;br /&gt;
Das vorliegende Nachhaltigkeitsverständnis des Verbundprojekts {{Hn}} entstand in einem partizipatorischen und konsultativen Prozess der elf Verbundhochschulen über die Projektdauer November 2016 bis Oktober 2020. Der nachfolgende Text basiert auf den Zielformulierungen bzw. den Nachhaltigkeitsverständnissen der einzelnen Partner*innen des Verbundprojekts (Freie Universität Berlin, Universität Bremen, Technische Universität Dresden, Universität Duisburg-Essen, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Universität Hamburg, Leuphana Universität Lüneburg, Ludwig- Maximilians-Universität München, Eberhard Karls Universität Tübingen, Universität Vechta und Hochschule Zittau/Görlitz) sowie auf der Auswertung der im Literaturverzeichnis ersichtlichen Texte. Das Nachhaltigkeitsverständnis ist auf konzeptionelle Kohärenz angelegt und arbeitet insbesondere die normativen Implikationen von Nachhaltigkeit heraus. Die Erarbeitung des Nachhaltigkeitsverständnisses des {{Hn}}-Verbunds fand unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Markus Vogt (LMU München) statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Intention des Nachhaltigkeitsverständnisses im Kontext Hochschule===&lt;br /&gt;
Viele Akteur*innen an deutschen Hochschulen befassen sich in Wissenschaft, Lehre und Betriebspraxis mit dem Themenfeld Nachhaltigkeit. Bislang besteht jedoch kein hinreichender Konsens darüber, wie der aus gesellschaftlicher Verantwortung begründete Anspruch von Nachhaltigkeit im Kontext von Hochschulen verstanden, ausgestaltet und umgesetzt werden soll. Dies zeigt sich beispielsweise in der aktuellen Debatte um die Verhältnisbestimmung von Freiheit und nachhaltigkeitsbezogener Verantwortung der Wissenschaft. Auch aus diesem Grund hat es sich der Verbund {{Hn}} zum Ziel gesetzt, ein gemeinsames, hochschulspezifisches Nachhaltigkeitsverständnis zu entwickeln, das eine gesellschaftliche Transformation unterstützen soll. Das Nachhaltigkeitsverständnis basiert dabei auf vielfältigen bereits in (internationalen) Beschlüssen verankerten Grundverständnissen von Nachhaltigkeit sowie auf wissenschaftlicher Literatur zum Nachhaltigkeitsprinzip.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich nicht um einen fixierten Standard, sondern um einen Orientierungsrahmen zur gesamtinstitutionellen Integration und Umsetzung von Nachhaltigkeit als ethisches Prinzip an Hochschulen in Deutschland (insbesondere in den Handlungsfeldern Forschung, Lehre, Betrieb, Governance und Transfer). Dieser muss kontinuierlich an die sich ändernden Erkenntnisse und Rahmenbedingungen angepasst werden. Das Nachhaltigkeitsverständnis innerhalb des {{Hn}}-Verbunds schließt keineswegs aus, dass einzelne Hochschulen mit ihren unterschiedlichen Zugängen, Schwerpunktsetzungen und Praktiken innerhalb dieses Rahmens je eigene Akzente setzen. Vielmehr betrachten wir die Vielfalt unterschiedlicher Nachhaltigkeitsverständnisse als Gewinn, da Nachhaltigkeit idealerweise auf die jeweiligen Kontexte und Rahmenbedingungen der Hochschulen und auf ihre AkteurInnen Bezug nehmen sollte. Gerade weil es unterschiedliche Akzente gibt, erfüllt eine begrifflich-konzeptionelle Klärung jedoch die wichtige Funktion, Interpretationsspielräume zu klären, offene Fragen für weitere Diskussion und Forschung zu benennen sowie Gemeinsamkeiten trotz kontextuell unterschiedlicher Umsetzungen nicht aus dem Blick zu verlieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung dürfen keine abstrakten Begrifflichkeiten und Konzepte ohne klaren Handlungsbezug bleiben, die sich nach beliebigen Interessenlagen instrumentalisieren lassen. Daher soll das vorliegende Nachhaltigkeitsverständnis Gesprächs- und Kooperationsprozesse stärken. Darüber hinaus liefert es die Basis für eine langfristige und substantielle Umsetzung von Maßnahmen an Hochschulen, die für eine große gesellschaftliche Transformation &amp;lt;ref&amp;gt;WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2011): Welt im&lt;br /&gt;
Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation, Berlin.&amp;lt;/ref&amp;gt; zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele unerlässlich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei können mehrere Ebenen unterschieden werden, die für die Entwicklung eines Nachhaltigkeitsverständnisses für Hochschulen von Bedeutung sind (Systeme, Gruppen und Individuen):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) &amp;lt;u&amp;gt;Makroebene:&amp;lt;/u&amp;gt; Diese umfasst den übergeordneten gesellschaftlichen Rahmen und funktionale gesellschaftliche Teilsysteme (politische, wirtschaftliche, (sozio-)kulturelle, technologische, ökologische, rechtliche Einflussfaktoren) mit den dazugehörigen Diskursen. Kernfrage: Wie wird Nachhaltigkeit in der Gesellschaft verhandelt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) &amp;lt;u&amp;gt;Mesoebene:&amp;lt;/u&amp;gt; Sie nimmt die Hochschule als Organisation sowie deren Einheiten (beispielsweise Fakultäten, Institute, Gremien, Abteilungen, Kooperationskonsortien, Teams etc.) in den Blick. Kernfrage: Welches auf die jeweilige Hochschule ausdifferenzierte Nachhaltigkeitsverständnis findet für die Hochschule im Sinne eines Whole Institution Approach bzw. für deren Organisationsteile Anwendung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c) &amp;lt;u&amp;gt;Mikroebene:&amp;lt;/u&amp;gt; Diese bezieht sich auf Einzelpersonen (die Hochschulangehörigen und Individuen aus den Anspruchsgruppen) mit ihrem je individuellen Nachhaltigkeitsverständnis. Es ist von persönlichen, individuellen Annahmen und Interpretationen, je nach Vorwissen, Statusgruppe, Werten und Einstellungen, sozialer Einbettung etc. geprägt. Um eine nachhaltige Entwicklung langfristig institutionalisieren und zugleich Individuen zu nachhaltigkeitsorientiertem Handeln befähigen zu können, sind auch diese individuellen Verständnisse von Bedeutung. Es gilt, sie in gegenseitiger Durchdringung mit den jeweiligen Meso- und Makroebenen rückzukoppeln. Kernfrage: Was bedeutet nachhaltige Entwicklung für mein Handeln, auch im Austausch mit und in Abhängigkeit von anderen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es um die Reflexion des eigenen Handelns auf allen Ebenen mit Bezug zum ethischen, konzeptionellen und transformativen Anspruch der Nachhaltigkeit. Die Freiheit von Forschung und Lehre realisiert sich nur dann in verantwortlicher Weise, wenn die Hochschulen selber ihre Potenziale für eine Große Transformation der Gesellschaft reflektieren und ihre Erkenntnisse gesamtinstitutionell entsprechend umsetzen. Der Prozess (Kommunikation und strategische Steuerung, um aufeinander abgestimmtes Handeln zu ermöglichen) und das Ergebnis (Schaffung von Strukturen und konkrete Umsetzung auf der Basis eines gemeinsamen Nachhaltigkeitsverständnisses) sind für alle Ebenen gleichermaßen relevant. Dabei muss auf eine möglichst hohe Kohärenz Wert gelegt werden, um Missverständnisse abzuwenden und sich gegenseitig aufhebende Effekte von Nachhaltigkeitsstrategien zu vermeiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nachfolgende Text dient einerseits der Verständigung innerhalb des Verbundes {{Hn}}, andererseits als Instrument der Kommunikation nach außen, um Unterstützung, Kooperation und weitere AkteurInnen für den offenen, kreativen, selbstreflexiven und emergenten Prozess nachhaltiger Entwicklung in und durch Hochschulen zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zielgruppe===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Abb1 Anspruchsgruppen der Hochschulen.png|500px|thumb|Abbildung 1: Übersicht der unterschiedlichen Ebenen von Anspruchsgruppen der Hochschulen in Deutschland]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vorliegende Text richtet sich in erster Linie an Hochschulangehörige, insbesondere an diejenigen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und Veränderungsprozesse gestalten wollen. Zu den internen Anspruchsgruppen gehören demnach die Studierenden, die Hochschulleitungen, Wissenschaftler*innen und Lehrende, Verwaltungsmitarbeitende und Nachhaltigkeitsbeauftragte. Hervorgehoben sind dabei die Change Agents, die sowohl hochschulintern als auch -extern Umstrukturierungsprozesse vorantreiben wollen. Change Agents finden sich dabei hierarchisch auf allen Ebenen. Dies wird in der Praxis dadurch deutlich, dass Veränderungsprozesse hin zu einer nachhaltigen Entwicklung von Hochschulen sowohl top-down als auch bottom-up initiiert erfolgen können, aber zur erfolgreichen Umsetzung die jeweils andere Ebene benötigen. Als hochschulexterne Anspruchsgruppen sind, neben den Change Agents, z.B. Vertreter*innen von zuständigen Landes- und Bundesministerien, Politik, Zivilgesellschaft, Unternehmen, der Hochschulrektorenkonferenz, der Kultusministerkonferenz und der deutschen UNESCO-Kommission zu nennen. Verbindende Elemente zwischen den internen und externen Anspruchsgruppen, die die Wechselwirkungen zwischen den Akteur*innen symbolisieren sollen, sind die Kommunikation, der Austausch und das voneinander Lernen (vgl. Abbildung 1).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grundverständnis von Nachhaltigkeit und Ethik im Kontext von Hochschulen==&lt;br /&gt;
Nachhaltigkeit ist als normatives Prinzip der Maßstab einer globalen und intergenerationellen Gerechtigkeit, die vom gegenwärtigen Wandel des Erdsystems stark herausgefordert wird. Ethisch-politisch ist nachhaltige Entwicklung kein von außen vorgegebenes und festgelegtes Ziel, sondern ein offener Suchprozess mit vielfältigen Zielkomponenten, der sich von daher plural und kulturvariabel gestaltet. Ihr Anliegen ist es, die langfristige Verantwortung, die ökologische Tragfähigkeit, die soziale Gerechtigkeit und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern. Hierzu zielt sie auf die Stärkung kultureller Kompetenzen der Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens ab. Mit ihrer systemisch integrierten Umsetzung wird der Anspruch einer umfassenden gesellschaftlichen Transformation verbunden. Kern ist die Transformation des Verhältnisses des Menschen zur Natur. Die Aufgabe der Hochschulen besteht darin, sich theoretisch-konzeptionell, methodisch und reflexiv mit den Prozessen und Bedingungen der gesellschaftlichen Transformation auseinanderzusetzen. Gleichzeitig geht es auch darum, wie die ethische Dimension in der Wissenschaft (in den Handlungsfeldern Forschung, Lehre und Betrieb) berücksichtigt und umgesetzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgeklärte Wissenschaft bedarf einer methodisch-kritischen Reflexion zum Stellenwert normativer Perspektiven. Deshalb analysiert Ethik die vielfältigen Gründe, Ziele, Motivationen und Widerstände guten und gerechten Handelns. Dabei erschöpft sie sich nicht darin, rezeptartig fertige Lösungen vorzugeben. Vielmehr will sie zunächst zum Nachdenken anregen und dadurch zur Freiheit befähigen. Die Freiheit der Wissenschaft ist von daher stets als Auftrag zur eigenverantwortlichen Reflexion ihrer Ziele im Dienst einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu interpretieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bedarf an ethischer Reflexion und Orientierung ergibt sich vor allem in Umbruchsituationen. Eine solche liegt heute angesichts des tiefgreifenden Wertewandels sowie der globalen, nationalen und regionalen Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung (wie z.B. Klimawandel) vor. Von daher versteht es das Nachhaltigkeitsprinzip sowohl als ökosoziale und ökonomische Herausforderung wie auch als Kulturaufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen für alle Menschen weltweit einschließlich der nachfolgenden Generationen zu erhalten (vgl. Brundtland-Kommission; Art. 20a GG; SDGs) und die Natur in ihrem Eigenwert mit ihrer biologischen Vielfalt zu achten und zu schützen (vgl. Bundesnaturschutzgesetz §1).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochschulen als zentrale Akteurinnen des gesellschaftlichen Diskurses widmen sich dieser Thematik an zentraler Stelle. In diesem Kontext, und in Anlehnung an die gemeinsame Erklärung der HRK/DUK „Hochschulen für nachhaltige Entwicklung“ &amp;lt;ref&amp;gt;HRK / DUK – Hochschulrektorenkonferenz / Deutsche UNESCO-Kommission (2010): Hochschulen für nach- haltige Entwicklung (= Entschließung der 7. Mitgliederversammlung am 24.11.2009 / Entschließung des DUK-Vorstands am 22. Januar 2010), https://www.hrk.de/positionen/beschluss/detail/hochschulen-fuer-nachhaltige-entwicklung/ (Zugriff: 10.07.2018).&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie die Empfehlung der HRK (2018) „Für eine Kultur der Nachhaltigkeit an Hochschulen“ &amp;lt;ref&amp;gt;HRK – Hochschulrektorenkonferenz (2018): Für eine Kultur der Nachhaltigkeit (= Empfehlung der 25. HRK- Mitgliederversammlung vom 6.11.2018), https://www.hrk.de/positionen/beschluss/detail/fuer-eine-kultur-der-nachhaltigkeit/ (Zugriff: 14.11.2019).&amp;lt;/ref&amp;gt; fassen die AkteurInnen des Verbundprojekts {{Hn}} Nachhaltigkeit als profilstiftende und verbindende Leitidee auf. Mit diesem gemeinsamen Ziel können die Hochschulen ihren je eigenen Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gestaltung der Gesellschaft und zum verantwortungsvollen Umgang mit den Gemeingütern des Planeten Erde leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Hochschulen kommt aufgrund ihrer ethischen und gesellschaftspolitischen Verantwortung eine undelegierbare Reflexionsaufgabe und Impulsfunktion für eine solche gesellschaftliche Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit zu. Hochschulen können dabei empirisches und theoretisches Wissen, Methodenkompetenz und Reflexionsfähigkeit als besondere Stärken einbringen. Dem normativen Gehalt von Nachhaltigkeit gerecht zu werden bedeutet zum einen, methodisch über Problemstellungen in den Gesellschaften nachzudenken und sich relevanten Fragen hinsichtlich des Verhältnisses von Mensch und Natur zu stellen. Zum anderen ist in sektorübergreifenden Zusammenhängen zu denken und konkret zu handeln. Es geht darum, wie tragfähige Lösungen zum Umgang mit den großen Herausforderungen unserer Zeit global, national und regional gefunden, umgesetzt und dauerhaft institutionell implementiert werden können. Dabei ist es für die Ethik konstitutiv, auch Hemmnisse auf dem Weg zur Nachhaltigkeit systemisch in den Blick zu nehmen. Auf dieser Weise kann sie nicht nur Zielwissen generieren, sondern auch Transformationswissen vermitteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border: black solid 2px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Die Akteur*innen des Verbundprojekts sind bestrebt, Nachhaltigkeit in den Handlungsfeldern Forschung, Lehre, Betrieb, Governance sowie Transfer in ihren eigenen Hochschulen zu verankern. Damit leisten sie einen Beitrag zur praktischen Umsetzung der oben genannten Ziele, regen einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess an und versuchen eine glaubwürdige Vorbildfunktion einzunehmen. Nachhaltige Hochschulentwicklung wird dabei als offener, reflexiver Prozess verstanden, in dem sich die Freiheit der Wissenschaft und ihre gesellschaftliche Verantwortung wechselseitig bedingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Akteur*innen des Verbundprojekts verpflichten sich, das Verständnis und die Umsetzung von Nachhaltigkeit zu fördern. So leisten die Hochschulen ihren Beitrag zum fünfjährigen Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen (2015-2019, WAP), zu dem sich auch Deutschland mit dem Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung 2017) verpflichtet hat. Dadurch tragen die Hochschulen zur Wahrnehmung der Sustainable Development Goals der UN (SDGs) sowie zu deren strategischen Weiterentwicklung und Ergänzung bei. Dies ist sinnvoll, da die SDGs u.a. auf zentrale globale Herausforderungen (wie z.B. steigender Ressourcenverbrauch und Bevölkerungswachstum, Externalisierung ökosozialer Kosten oder Zielkonflikte zwischen Wirtschaftswachstum und ökologischen Grenzen) unzureichend eingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hochschulen bemühen sich, eine angemessene in- und externe Transparenz sicherzustellen, kontinuierliche, offene und reflexive Verbesserungsprozesse zu fördern, den Dialog mit den verschiedenen Anspruchsgruppen der Hochschulen zu unterstützen und den Austausch mit der Gesellschaft zu erleichtern. Hierfür kann es sich als zielführend erweisen, den Status Quo zu analysieren, transparente und regelmäßige Informationen zu ihren Nachhaltigkeitsaktivitäten bereitzustellen und zu kommunizieren. Eine so gestaltete Nachhaltigkeitsberichterstattung trägt dazu bei, das Nachhaltigkeitsverständnis einer Hochschule mit ihren konkreten Zielen und Maßnahmen zu reflektieren und darüber in Austausch mit den Anspruchsgruppen zu treten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===1. Forschung===&lt;br /&gt;
Bei Nachhaltigkeit handelt es sich um ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip. Daher sind neue Formen der problemdiagnostizierenden und lösungsorientierten Forschung in Form einer Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Fachdisziplinen (interdisziplinär) sowie zwischen Hochschulen und weiteren Teilen der Gesellschaft (transdisziplinär, auch in Bezug auf Transformation) erforderlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben disziplinspezifischen Ergebnissen der Wissenschaften stehen daher fächerübergreifende Forschungserkenntnisse im Vordergrund, da gerade diese aufgrund der Komplexität und Multikausalität gesellschaftlicher Herausforderungen von großer Bedeutung sind. Wissenschaft braucht innovative, inter- und transdisziplinäre Forschung in und zwischen Geistes- und Kulturwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Natur- und Ingenieurswissenschaften und Medizin. Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben. Wissenschaft lebt auch von Spezialisierungen. Forschung für nachhaltige Entwicklung kann daher auch unter zentralen Teilaspekten wie beispielsweise Klimawissenschaften, Bioökonomie oder Transformationsforschung stattfinden. Allerdings dürfen die Querschnittszusammenhänge ebenso wenig aus dem Blick geraten wie eine konkrete Lösungsorientierung für gesellschaftliche Herausforderungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reichweite und die Grenzen der jeweils vorausgesetzten wissenschaftstheoretischen Modelle bedürfen einer kritischen ethischen Reflexion. Auf dieser Grundlage sollen die jeweiligen Anschlussstellen zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen und anderen Kulturen diskutiert und so ein Austausch ermöglicht werden. Zur effektiven Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen sowie zwischen Wissenschaft und weiteren gesellschaftlichen Akteur*innen sind zusätzliche erkenntnistheoretische und methodische Ansätze erforderlich, die über die Disziplingrenzen hinausgehen. Nur auf diese Weise kann den komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt angemessen Rechnung getragen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit können durch die Generierung von Systemwissen (Wissen über Zusammenhänge und Mecha- nismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen), Zielwissen (Wissen über wünschenswerte Systemzustände) und Transformationswissen (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung geleistet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei alledem sollten Forscher*innen auf die Differenzierung zwischen nachhaltigkeitsorientierter Forschung und Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung (Explikation von LeNa) &amp;lt;ref&amp;gt;Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München.&amp;lt;/ref&amp;gt; achten. Erstere fragt, inwieweit Forschung sich in ihrer Konzeption, Durchführung und Wirkungserwartung an globalen Herausforderungen für die Gesellschaft ausrichten und explizit zu ihren Lösungen beitragen kann. Letztere konzentriert sich auf eine ethische und systemische Reflexion der Forschungsprozesse allgemein. Forschungsfragen, Methoden, Ergebnisse und deren Kommunikation sollten hinsichtlich ihrer Wirkungen und Umsetzung kritisch reflektiert werden. Wie im LeNa Reflexionsrahmen für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen &amp;lt;ref&amp;gt;Ferretti, J. / Daedlow, K. / Kopfmüller, J. / Winkelmann, M. / Podhora, A. / Walz, R. / Bertling, J. / Helming, K. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. BMBF-Projekt „LeNa – Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin.&amp;lt;/ref&amp;gt; postuliert, stehen Forscher*innen auch an Hochschulen in der Verantwortung, sich bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten mit ethischen Fragen der eigenen Forschung auseinanderzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border: black solid 2px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die Akteur*innen des Verbundprojekts {{Hn}} verfolgen das Ziel, Forschungsvorhaben zu nachhaltigkeitsrelevanten Fragestellungen in Form von disziplinärer, inter- und transdisziplinärer Forschung zu unterstützen. Sie stellen sich die Aufgabe, die verschiedenen disziplinären Forschungsfelder unter dem Dachbegriff der Nachhaltigkeit inter- und transdisziplinär zu bündeln. Eine ethische und systematische Reflexion der Forschungsprozesse wird von den Akteur*innen als notwendige Voraussetzung für Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung angesehen. Bestehende Anreizsysteme sind zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===2. Lehre===&lt;br /&gt;
Es ist Aufgabe der Hochschulen anhand von disziplinärer, inter- und transdisziplinärer Lehre Wissen und Kompetenzen zu fördern, die es Studierenden ermöglichen, sowohl konzeptionelle als auch praktische Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bedeutet, Nachhaltigkeit mit all ihren Facetten zu erfassen und Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung zu erkennen und zu beurteilen, um im Lebens- und Berufsumfeld verantwortlich und zukunftsorientiert handeln zu können. Die akademische Lehre für BNE sollte vielfältige Erscheinungsformen haben, um die vielschichtigen Anforderungen bedarfsgerecht bearbeiten zu können und ein möglichst breites Band zwischen den einzelnen Anspruchsgruppen in diesem Lehr-Lern-Prozess zu spannen. Dabei müssen sich Fachwissen mit Gestaltungskompetenzen für partizipative Entscheidungs- und Problemlösefähigkeit sowie personalen Kompetenzen verbinden. Ein entscheidender Aspekt ist die Einübung von Reflexionsfähigkeit im Umgang mit Komplexität und Unsicherheit. Zentrale Bedeutung kommt der Verknüpfung von Forschung und Lehre sowie mit disziplinär, inter- und transdisziplinär angelegten Studienangeboten zu, um Gestaltungskompetenz für eine resiliente Entwicklung der Gesellschaft zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BNE – verstanden als Bildungskonzept – eröffnet in vielen Disziplinen neue Perspektiven auf Inhalte und ist zugleich ein Impuls für eine methodische Weiterentwicklung der Lehre. Sie verknüpft auf diese Weise Grundlagen-, Orientierungs- und Anwendungswissen, zielt auf aktive Teilhabe, Mitgestaltung und Handlungskompetenz der Lernenden. Darüber hinaus befähigt sie zu kritisch-reflexivem und systemisch-vernetztem Denken und fördert interkulturelles Lernen. Darüber hinaus umfasst sie sowohl Urteils- als auch Gestaltungs- und Transformationskompetenz und berücksichtigt lebenslanges Lernen. Voraussetzung dafür ist die Entwicklung von Wissen und Kompetenzen zu Nachhaltigkeit und zur BNE bei Lehrenden und MultiplikatorInnen (vgl. „Prioritäre Handlungsfelder“ 2 und 3 des BNE-Weltaktionsprogramms, WAP) sowie die Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border: black solid 2px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die Akteur*innen des Verbundprojekts {{Hn}} setzen sich für ein ganzheitliches Bildungskonzept für nachhaltige Entwicklung ein, das die Transformation der Lern- und Lehrumgebung einschließt, die Verankerung von Nachhaltigkeitsprinzipien und Lehrinhalten in sämtlichen Bildungskontexten von Hochschulen gewährleistet und sich in den Studien- und Prüfungsordnungen der Hochschulen widerspiegelt. Die Weiterbildung von Lehrenden und Multiplikatoren bildet die hierfür nötige Grundlage.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===3. Betrieb===&lt;br /&gt;
Im Betrieb sind langfristig wirksame Rahmenbedingungen zu schaffen, um der Vorbildfunktion für nachhaltigkeitsorientiertes Handeln sowohl gegenüber den Studierenden und Beschäftigten als auch gegenüber der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Hierbei ist die ressourcenschonende und sozialverantwortliche Ausgestaltung beispielsweise des Betriebs von Laboren, Technika und Gebäuden, sowie der Verwaltungsprozesse und des Campusmanagements der Hochschulen wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklung von Hochschulen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch gezielte Maßnahmen in strategischen Organisationsbereichen wie dem Finanz-, Personal-, Gesundheits-, Beschaffungs- und Entsorgungs-, Mobilitäts- und Weiterbildungsmanagement sowie der Ernährung, des Tierschutzes und der baulichen und technischen Infrastruktur sollen modellhaft ökologisch und sozial verträgliche Lösungen entwickelt werden, die schrittweise einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess erzielen. Diese Aufgabe hat nicht nur eine technische, organisatorische und verhaltensbezogene Dimension, sondern ist auch als sozialer und dialogischer Prozess im Zusammenspiel von Forschung, Lehre und Verwaltung zu verstehen, dessen Gelingen ein faires und respektvolles Miteinander zur Grundlage hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ein verantwortungsvoller Umgang der Hochschulleitungen und der jeweils Zuständigen mit allen Beschäftigten und Studierenden (beispielsweise durch familienfreundliche Arbeits- und Studienbedingungen sowie adäquate Mitbestimmung) ist essentieller Bestandteil eines nachhaltigen Campusmanagements. Der Campus kann als Reallabor für Nachhaltigkeit gestaltet werden, um gesamtinstitutionelle Lernprozesse in der Verknüpfung von Forschung, Lehre und Praxis anzustoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border: black solid 2px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die Akteur*innen des Verbundprojekts {{Hn}} setzen sich für die Umsetzung eines umfassenden Nachhaltigkeitsverständnisses im Betriebsmanagement ein. Es kann sich als hilfreich erweisen, ein Nachhaltigkeits-, Umwelt- oder Klimaschutzprogramm zu erstellen, in dem die Zielsetzungen und Maßnahmen aufgeführt und kommuniziert werden. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, Stabsstellen und Nachhaltigkeitskommissionen einzurichten, die für die Koordination und Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen verantwortlich sind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===4. Governance===&lt;br /&gt;
Die vielfältigen und komplexen Aufgaben der Governance im Kontext von Hochschulen erfordern ein Verständnis sowie eine Verankerung von Nachhaltigkeit in den jeweiligen Hochschulstrukturen. Die Hochschulkultur definiert sich durch ein Werteverständnis, das sich im Leitbild der Hochschule widerspiegelt und von den Hochschulangehörigen gelebt wird. Grundlage dafür ist, dass möglichst alle Anspruchsgruppen in den Prozess einer nachhaltigen Entwicklung der Hochschule eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht u.a. durch die hochschuleigene Reflexion von Nachhaltigkeit und die Formulierung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Weitere Elemente sind Selbstverpflichtungen, die Benennung personeller Verantwortlichkeiten, die Partizipation an internen und externen Nachhaltigkeitsprozessen sowie die Anerkennung für das Engagement der AkteurInnen bei der Gestaltung einer Hochschullandschaft, die sich an den Grundsätzen einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft orientiert. Nicht zuletzt ist eine kritische Selbstreflexion der Akteur*innen für den gesamten Prozess der Implementation von Nachhaltigkeit an den Hochschulen wesentlich. Berichterstattung kann ein wichtiges Instrument der Selbstreflexion, der Optimierung von Governance-Prozessen sowie der Kommunikation nach innen und außen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachhaltige Entwicklung wird als ein lernendes Konzept aufgefasst, das die Vielfalt unterschiedlicher Perspektiven und Zugänge begreift. Die aktive Beteiligung der Studierenden gibt dafür wichtige Impulse. Gerade diese Pluralität der verschiedenen hochschulischen Anspruchsgruppen sowie deren Vorstellungen zum Nachhaltigkeitsprozess ist eine Herausforderung für den Dialog sowie für eine strategische Bündelung der vorhandenen Potentiale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border: black solid 2px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die Akteur*innen des Verbundprojekts {{Hn}} setzen sich dafür ein, ihr hochschuleigenes Verständnis von Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln und zu einer Hochschulkultur beizutragen, die auf einem entsprechenden Werteverständnis basiert. Dazu zählt auch, sich mit Strategien, Strukturen und Verantwortlichkeiten für die gesamtinstitutionelle Umsetzung von Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, unter Einbindung aller Anspruchsgruppen der Hochschule und mit Blick auf einen Whole Institution Approach.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===5. Transfer===&lt;br /&gt;
Hochschulen stehen in besonderer Mitverantwortung für die Gestaltung der vielschichtigen Transformationsprozesse auf der lokalen bis hin zur globalen Ebene. Ihre Aufgabe ist es, Impulse zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu setzen und durch Transfer aktiv daran mitzuwirken. Dieser Transfer ist gekennzeichnet durch einen dialogischen, partnerschaftlichen Austausch von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen PartnerInnen aller gesellschaftlichen Gruppen. Ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe hat zum Ziel, die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit der Beteiligten für Nachhaltigkeit zu stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Transfer knüpft an den Kernaufgaben der Hochschulen an: In der Forschung ist Nachhaltigkeitstransfer gekennzeichnet durch eine gemeinsame Wissensproduktion mit außenstehenden Akteur*innen im Sinne transdisziplinärer Forschung. Dabei wird die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen angestrebt, was eine praktische Umsetzung einschließt. Nachhaltigkeitstransfer in der Lehre orientiert sich an Bildung für nachhaltige Entwicklung und erfolgt im Praxiskontext als gegenseitiger Lernprozess zwischen Studierenden, Lehrenden und Transferpartner*innen. So erwerben Studierende und Praxisakteur*innen Gestaltungskompetenz für nachhaltige Entwicklung in der realitätsnahen Auseinandersetzung mit der Lebenswelt. Umgekehrt erhalten Lehrende neue Impulse zu gesellschaftlich relevanten Fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt entwickeln Hochschulen Nachhaltigkeitskompetenzen mittels wechselseitiger Wissensgenerierung als Third Mission: Sie regen gesellschaftliche Diskurse und Lernprozesse an, stellen ihre Reflexionsprozesse – wo dies inhaltlich angemessen erscheint – in gesellschaftlich relevante Praxiskontexte und gestalten diese gemeinsam mit außeruniversitären Akteur*innen.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Um die Hochschulangehörigen für die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu sensibilisieren und zu einer gerechteren, ökosozialen sowie technisch-ökonomischen Transformation zu befähigen, sind Wissenschaftskommunikation, Engagement für Politikberatung sowie eine Zusammenarbeit mit Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Gruppen und Medien wichtig. Dabei ist auf Unabhängigkeit der Wissenschaft und Transparenz hinsichtlich möglicher Abhängigkeiten zu achten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border: black solid 2px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die Akteur*innen des Verbundprojekts {{Hn}} initiieren und unterstützen öffentliche Diskurse sowie einen Erfahrungsaustausch zur nachhaltigen Entwicklung und zu gesellschaftlichen Herausforderungen. Sie wollen durch den Wissenstranstransfer praktische Umsetzungen nachhaltiger Entwicklung fördern und selbst von gesellschaftlichem Erfahrungs- und Implementationswissen lernen. Die Akteur*innen von {{Hn}} fördern eine breite Beteiligung der Anspruchsgruppen am universitären Nachhaltigkeitsprozess. Sie stärken Eigeninitiativen und Engagement in diesem Prozess und tragen so zu einem lebendigen Austausch mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft im Blick auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bei.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verwendete Literatur==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ávila, L. / Filho, W. / Brandli, L. / Macgregor, C. / Molthan-Hill, P. / Gokcin Ozuyar, P. / Moreira, R. (2017):&#039;&#039;&#039; Barriers to Innovation and Sustainability at Universities Around the World. Journal of Cleaner Production, 164.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Barth, M. / Rieckmann, M. (2016):&#039;&#039;&#039; State of the Art in Research on Higher Education for Sustainable Development, in: Barth, M./ Michelsen, G./ Rieckmann, M./ Thomas, I. (Hg.): Routledge Handbook of Higher Education for Sustainable Development, London, 100-113.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Deutsche UNESCO-Kommission e. V. (Hg.) (2014):&#039;&#039;&#039; UNESCO Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Deutsche Übersetzung, Bonn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Bundesregierung (Hg.) (2016):&#039;&#039;&#039; Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Neuauflage 2016, Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Düwell, M. / Hübenthal, C. / Werner, M. H. (Hg.) (2011):&#039;&#039;&#039; Handbuch Ethik, Stuttgart / Weimar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016):&#039;&#039;&#039; Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen. [LeNa] Handreichung, München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Helming, K. / Ferretti, J. / Daedlow, K. / Podhora, A. / Kopfmüller, J. / Winkelmann, M. / Bertling, J. / Walz, R. (2016):&#039;&#039;&#039; Forschen für nachhaltige Entwicklung: Kriterien für gesellschaftlich verantwortliche Forschungsprozesse, in: GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society 25, Issue 3, 161-165.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Henke, J. / Pasternack, P. / Schmid, S. (2016):&#039;&#039;&#039; Third Mission bilanzieren. Die dritte Aufgabe der Hochschulen und ihre öffentliche Kommunikation (= HoF-Handreichungen 8, Beiheft zu „die hochschule“ 2016), Halle- Wittenberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jones, P. / Selby, D. / Sterling, S. (Hg.) (2010):&#039;&#039;&#039; Sustainability Education: Perspectives and Practice across Higher Education, Earthscan Ltd., London.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jörissen, J. / Kopfmüller, J. / Brandl, V. / Paetau, M. (1999):&#039;&#039;&#039; Ein integratives Konzept nachhaltiger Entwicklung, Karlsruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Krainer, L. / Winiwarter, V. (2016):&#039;&#039;&#039; Die Universität als Akteurin der transformativen Wissenschaft: Konsequenzen für die Messung der Qualität transdisziplinärer Forschung, in: GAIA - Ecological Perspectives for Sci- ence and Society 25, Issue 2, 110-116.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Leal Filho, W. / Wu, Y. / Londero Brandli, L. / Veiga Avila, L. / Azeiteiro, U. / Caeiro, S. / Rejane da Rosa Gama Madruga, L. (2017):&#039;&#039;&#039; Identifying and overcoming obstacles to the implementation of sustainable development at universities, Journal of Integrative Environmental Sciences, 14:1, 93-108.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lesch, H. / Kamphausen, K. (2018):&#039;&#039;&#039; Die Menschheit schafft sich ab: Die Erde im Griff des Anthropozän, München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lessenich, S. (2016):&#039;&#039;&#039; Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis, Preis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lozano, R. (2006):&#039;&#039;&#039; Incorporation and institutionalization of sustainable development into universities: breaking through barriers to change, Journal of Cleaner Production, 14, 787-796.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lütke-Spatz, L. (2012):&#039;&#039;&#039; Strategic Change Towards Sustainability: Securing Senior-Executive Buy-in to Sustainability - The case of Munich University of Applied Sciences. Cambridge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Müller-Christ, G. (2017):&#039;&#039;&#039; Nachhaltigkeitsforschung in einer transzendenten Entwicklung des Hochschulsystems – ein Ordnungsangebot für Innovativität, in: Leal, W. (Hg.): Innovationen in der Nachhaltigkeitsforschung – ein Beitrag zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Heidelberg, 161-180.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Müller-Christ, G. / Sterling, S. / van Dam-Mieras, R. / Adomßent, M. / Fischer, D. / Rieckmann, M. (2014):&#039;&#039;&#039; The Role of Campus, Curriculum, and Community in Higher Education for Sustainable Development – a Conference Report, in: Journal of Cleaner Production, Volume 62, 1 January 2014, 134–137.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nationalkomitee der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Hg.) (2011):&#039;&#039;&#039; UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ 2005-2014. Nationaler Aktionsplan für Deutschland 2011, Bonn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;netzwerk n e.V. / sneep e.V. / Bundesverband Studenteninitiative Weitblick e.V. / Was bildet ihr uns ein? e.V. (2017):&#039;&#039;&#039; Positions- und Forderungspapier Nachhaltigkeit und Ethik an Hochschulen. Initiative für Nachhaltigkeit und Ethik an Hochschulen, Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Niedlich, S. / Kummer, B. / Bormann, I. / Rieckmann, M. / Bauer, M. (2017):&#039;&#039;&#039; Governance-Regler als Heuristik für die Analyse von Nachhaltigkeitsgovernance an Hochschulen. AP Gov. Arbeitspapier No. 2. https://www.hochn.uni-hamburg.de/-downloads/ap2-governance-regler.pdf (Zugriff: 31.07.2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ott, K. / Döring, R. (2004):&#039;&#039;&#039; Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit, Marburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rieckmann, M. (2016):&#039;&#039;&#039; Bildung für nachhaltige Entwicklung – Konzeptionelle Grundlagen und Stand der Implementierung, in: Schweer, M. (Hg.): Bildung für nachhaltige Entwicklung in pädagogischen Handlungsfeldern – Grundlagen, Verankerung und Methodik in ausgewählten Lehr-Lern-Kontexten, Frankfurt am Main, 11-32.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rockström, J. / Klum, M. (2012):&#039;&#039;&#039; Big World Small Planet. Prospering within planetary boundaries, Stockholm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rockström, J. et al. (2009):&#039;&#039;&#039; Planetary boundaries: exploring the safe operating space for humanity. In: Ecology and Society. Band 14, Nr. 2.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schmieg, G. / Meyer, E. / Schrickel, I. / Herberg, J. / Caniglia, G. / Vilsmaier, U. / Laubichler, M. / Hörl, E. / Lang, D. (2017):&#039;&#039;&#039; Modeling normativity in sustainability: a comparison of the sustainable development goals, the Paris agreement, and the papal encyclical, Sustainability Science 13, 1-12.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schneidewind, U. (2015):&#039;&#039;&#039; Transformative Wissenschaft – Motor für gute Wissenschaft und lebendige Demokratie, in: GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society 24, Issue 2, 88-91.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Schneidewind, U. (2018):&#039;&#039;&#039; Die Große Transformation – Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels, Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Steelman, T. / Nichols, E. G. / James, A. / Bradford, L. / Ebersöhn, L. / Scherman, V. / Omidire, F. / Bunn, D. N. / Twine, W. / McHale, M. R. (2015):&#039;&#039;&#039; Practicing the science of sustainability: the challenges of transdisciplinarity in a developing world context, in: Sustainability Science 10, Issue 4, 581-599.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Sterling, S. / Glasser, H. / Rieckmann, M. / Warwick, P. (2017):&#039;&#039;&#039; &amp;quot;More Than Scaling Up&amp;quot;: A Critical and Practical Inquiry Into Operationalising Sustainability Competencies, in: Corcoran, P. B. / Weakland, J. / Wals, A. E. J. (Hg.): Envisioning Futures for Environmental and Sustainabilty Education, Wageningen, 153-168, DOI: http://dx.doi.org/10.3920/978-90-8686-846-9_10 (Zugriff: 31.07.2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Strohschneider, P. (2014):&#039;&#039;&#039; Zur Politik der transformativen Wissenschaft, in: Brodocz, A. et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden, 175-192.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;UNESCO – United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (Hg.) (2017):&#039;&#039;&#039; Leitlinien für Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung in Forschung und Lehre. (Nicht abschließend abgestimmte) Arbeitsübersetzung der Deutschen UNESCO-Kommission, Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vogt, M. (2009):&#039;&#039;&#039; Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive, München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vogt, M. (2018):&#039;&#039;&#039; Grenzen der Harmonie. Zur Spannung zwischen Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft, in: Homepage Verbundprojekt HOCH-N, https://www.hochn.uni-hamburg.de/-downloads/180717-vortrag-vogt-freiheit-und-verantwortung.pdf (Zugriff 27.08.2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Vogt, M. (2019):&#039;&#039;&#039; Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit (Hg.) (2017):&#039;&#039;&#039; Wissen für nachhaltigen Wandel erarbeiten, vermitteln, nutzen. Was die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 erreichen will, Potsdam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;World Commission on Environment and Development (1987):&#039;&#039;&#039; Report &amp;quot;Our Common Future&amp;quot;. U.N. General Assembly, 42nd Session, A/42/427, 4 Aug 1987, New York.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nachhaltigkeitsorientierte Forschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nachhaltigkeitsverständnis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nachhaltigkeit in der Forschung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6311</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
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		<updated>2021-01-05T09:32:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom, 21f.;  Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4; 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig?&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114 sowie Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp, 8; 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“:&amp;lt;ref&amp;gt;Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301, hier: 298.&amp;lt;/ref&amp;gt; einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. z.B.  Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag; Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020); Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&amp;lt;/ref&amp;gt; – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4-5; Vogt 2019, 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 75f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51, hier: 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Renn 2019, 48.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Renn 2019, 48-50.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber, 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam; Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, O. (1993): Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt. Frankfurt: Suhrkamp;  Hellmich, W. (2013): Aufklärende Rationalisierung. Ein Versuch, Max Weber neu zu interpretieren, Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot;  Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom, 374-386;  Potthast, T. (2015): Ethics and Sustainability Science beyond Hume, Moore and Weber – Taking Epistemic-Moral Hybrids Seriously. In: Meisch, S. / Lundershausen, J. / Bossert, L. / Rockoff, M. (Hg.): Ethics of Science in the Research for Sustainable Development. Baden-Baden: Nomos: 129-152; Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225, 182.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353, hier: 299.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Reichert, W.-G. (2011): Die Rückkehr des Positivismus in die Ökonomie und wie Ökonomen dadurch (unbewusst) bestimmte gesellschaftliche Interessen befördern. Frankfurt: Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://nbi.sankt-georgen.de/assets/typo3/redakteure/Dokumente/2011/Die_Dynamik_normativer_Ordnungen_Download.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020); Vogt, M. (2013a): Empirie in der Ethik. Zum Verhältnis von Fakten, Werten und Normen. In: Schallenberg, P. / Küppers, A. (Hg.): Interdisziplinarität der Christlichen Sozialethik, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 405-424; Joas, H. (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung, Berlin: Suhrkamp, 201-240;  Lagasnerie, G. de. (2018): Denken in einer schlechten Welt. Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz;  Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus; zum Aufweis, dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 69; 77f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020), 21-22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Weißkopf et al. 2019, 27-28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148, hier: 145-147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“&amp;lt;ref&amp;gt;Mohr, H. (2003): Verfügungswissen und Orientierungswissen. In: Dürr, H.-P. / Fischbeck, H.-J. (Hg.): Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 69-82, hier: 79.&amp;lt;/ref&amp;gt; bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54, hier: 53f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“&amp;lt;ref&amp;gt;Strohschneider, P. (2014): Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In: A. Brodocz et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden: Springer, 175-192, hier: 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“&amp;lt;ref&amp;gt;Lagasnerie 2018, 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 84-88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ethik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ethische Reflexion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Normativität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Positivismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nachhaltigkeitsorientierte Forschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsprozess]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katalytische Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transformative Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Interdisziplinarität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Transdisziplinarität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6310</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6310"/>
		<updated>2021-01-05T09:30:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom, 21f.;  Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4; 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig?&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114 sowie Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp, 8; 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“:&amp;lt;ref&amp;gt;Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301, hier: 298.&amp;lt;/ref&amp;gt; einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. z.B.  Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag; Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020); Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&amp;lt;/ref&amp;gt; – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4-5; Vogt 2019, 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 75f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51, hier: 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Renn 2019, 48.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Renn 2019, 48-50.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber, 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam; Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, O. (1993): Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt. Frankfurt: Suhrkamp;  Hellmich, W. (2013): Aufklärende Rationalisierung. Ein Versuch, Max Weber neu zu interpretieren, Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot;  Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom, 374-386;  Potthast, T. (2015): Ethics and Sustainability Science beyond Hume, Moore and Weber – Taking Epistemic-Moral Hybrids Seriously. In: Meisch, S. / Lundershausen, J. / Bossert, L. / Rockoff, M. (Hg.): Ethics of Science in the Research for Sustainable Development. Baden-Baden: Nomos: 129-152; Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225, 182.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353, hier: 299.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Reichert, W.-G. (2011): Die Rückkehr des Positivismus in die Ökonomie und wie Ökonomen dadurch (unbewusst) bestimmte gesellschaftliche Interessen befördern. Frankfurt: Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://nbi.sankt-georgen.de/assets/typo3/redakteure/Dokumente/2011/Die_Dynamik_normativer_Ordnungen_Download.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020); Vogt, M. (2013a): Empirie in der Ethik. Zum Verhältnis von Fakten, Werten und Normen. In: Schallenberg, P. / Küppers, A. (Hg.): Interdisziplinarität der Christlichen Sozialethik, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 405-424; Joas, H. (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung, Berlin: Suhrkamp, 201-240;  Lagasnerie, G. de. (2018): Denken in einer schlechten Welt. Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz;  Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus; zum Aufweis, dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 69; 77f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020), 21-22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Weißkopf et al. 2019, 27-28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148, hier: 145-147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“&amp;lt;ref&amp;gt;Mohr, H. (2003): Verfügungswissen und Orientierungswissen. In: Dürr, H.-P. / Fischbeck, H.-J. (Hg.): Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 69-82, hier: 79.&amp;lt;/ref&amp;gt; bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54, hier: 53f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“&amp;lt;ref&amp;gt;Strohschneider, P. (2014): Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In: A. Brodocz et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden: Springer, 175-192, hier: 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“&amp;lt;ref&amp;gt;Lagasnerie 2018, 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 84-88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ethik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ethische Reflexion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Normativität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Positivismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nachhaltigkeitsorientierte Forschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsprozess]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6297</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6297"/>
		<updated>2020-12-23T20:25:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom, 21f.;  Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4; 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig?&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114 sowie Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp, 8; 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“:&amp;lt;ref&amp;gt;Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301, hier: 298.&amp;lt;/ref&amp;gt; einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. z.B.  Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag; Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020); Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&amp;lt;/ref&amp;gt; – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4-5; Vogt 2019, 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 75f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51, hier: 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Renn 2019, 48.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Renn 2019, 48-50.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber, 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam; Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, O. (1993): Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt. Frankfurt: Suhrkamp;  Hellmich, W. (2013): Aufklärende Rationalisierung. Ein Versuch, Max Weber neu zu interpretieren, Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot;  Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom, 374-386;  Potthast, T. (2015): Ethics and Sustainability Science beyond Hume, Moore and Weber – Taking Epistemic-Moral Hybrids Seriously. In: Meisch, S. / Lundershausen, J. / Bossert, L. / Rockoff, M. (Hg.): Ethics of Science in the Research for Sustainable Development. Baden-Baden: Nomos: 129-152; Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225, 182.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353, hier: 299.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Reichert, W.-G. (2011): Die Rückkehr des Positivismus in die Ökonomie und wie Ökonomen dadurch (unbewusst) bestimmte gesellschaftliche Interessen befördern. Frankfurt: Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://nbi.sankt-georgen.de/assets/typo3/redakteure/Dokumente/2011/Die_Dynamik_normativer_Ordnungen_Download.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020); Vogt, M. (2013a): Empirie in der Ethik. Zum Verhältnis von Fakten, Werten und Normen. In: Schallenberg, P. / Küppers, A. (Hg.): Interdisziplinarität der Christlichen Sozialethik, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 405-424; Joas, H. (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung, Berlin: Suhrkamp, 201-240;  Lagasnerie, G. de. (2018): Denken in einer schlechten Welt. Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz;  Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus; zum Aufweis, dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 69; 77f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020), 21-22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Weißkopf et al. 2019, 27-28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148, hier: 145-147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“&amp;lt;ref&amp;gt;Mohr, H. (2003): Verfügungswissen und Orientierungswissen. In: Dürr, H.-P. / Fischbeck, H.-J. (Hg.): Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 69-82, hier: 79.&amp;lt;/ref&amp;gt; bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54, hier: 53f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“&amp;lt;ref&amp;gt;Strohschneider, P. (2014): Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In: A. Brodocz et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden: Springer, 175-192, hier: 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“&amp;lt;ref&amp;gt;Lagasnerie 2018, 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 84-88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6296</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
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		<updated>2020-12-23T20:25:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom, 21f.;  Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4; 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig?&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114 sowie Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp, 8; 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“:&amp;lt;ref&amp;gt;Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301, hier: 298.&amp;lt;/ref&amp;gt; einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. z.B.  Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag; Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020); Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&amp;lt;/ref&amp;gt; – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4-5; Vogt 2019, 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 75f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51, hier: 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Renn 2019, 48.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Renn 2019, 48-50.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber, 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam; Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, O. (1993): Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt. Frankfurt: Suhrkamp;  Hellmich, W. (2013): Aufklärende Rationalisierung. Ein Versuch, Max Weber neu zu interpretieren, Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot;  Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom, 374-386;  Potthast, T. (2015): Ethics and Sustainability Science beyond Hume, Moore and Weber – Taking Epistemic-Moral Hybrids Seriously. In: Meisch, S. / Lundershausen, J. / Bossert, L. / Rockoff, M. (Hg.): Ethics of Science in the Research for Sustainable Development. Baden-Baden: Nomos: 129-152; Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225, 182.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353, hier: 299.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Reichert, W.-G. (2011): Die Rückkehr des Positivismus in die Ökonomie und wie Ökonomen dadurch (unbewusst) bestimmte gesellschaftliche Interessen befördern. Frankfurt: Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://nbi.sankt-georgen.de/assets/typo3/redakteure/Dokumente/2011/Die_Dynamik_normativer_Ordnungen_Download.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020); Vogt, M. (2013a): Empirie in der Ethik. Zum Verhältnis von Fakten, Werten und Normen. In: Schallenberg, P. / Küppers, A. (Hg.): Interdisziplinarität der Christlichen Sozialethik, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 405-424; Joas, H. (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung, Berlin: Suhrkamp, 201-240;  Lagasnerie, G. de. (2018): Denken in einer schlechten Welt. Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz;  Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus; zum Aufweis, dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 69; 77f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020), 21-22.&amp;lt;/ref&amp;gt; Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Weißkopf et al. 2019, 27-28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148, hier: 145-147.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“&amp;lt;ref&amp;gt;Mohr, H. (2003): Verfügungswissen und Orientierungswissen. In: Dürr, H.-P. / Fischbeck, H.-J. (Hg.): Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 69-82, hier: 79.&amp;lt;/ref&amp;gt; bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54, hier: 53f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“&amp;lt;ref&amp;gt;Strohschneider, P. (2014): Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In: A. Brodocz et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden: Springer, 175-192, hier: 190.&amp;lt;/ref&amp;gt; führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“&amp;lt;ref&amp;gt;Lagasnerie 2018, 26.&amp;lt;/ref&amp;gt; außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 84-88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6295</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6295"/>
		<updated>2020-12-23T20:12:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom, 21f.;  Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4; 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig?&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114 sowie Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp, 8; 11.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“:&amp;lt;ref&amp;gt;Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301, hier: 298.&amp;lt;/ref&amp;gt; einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. z.B.  Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag; Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 23.12.2020); Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&amp;lt;/ref&amp;gt; – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4-5; Vogt 2019, 70.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 75f.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet.&amp;lt;ref&amp;gt;Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51, hier: 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Renn 2019, 48.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Renn 2019, 48-50.&amp;lt;/ref&amp;gt; Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“&amp;lt;ref&amp;gt;Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber, 33.&amp;lt;/ref&amp;gt; auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen (vgl. Weber 1919/1993). Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039; (vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, 1993; Hellmich 2013; Vogt 2013b, 374-386; Potthast 2015; Vogt 2016). Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen (vgl. Horkheimer 1988, 182). Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen (vgl. Adorno 2003, 299). Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren (vgl. Reichert 2011; Vogt 2013a; Joas 2017, 201-240; Lagasnerie 2018; Weizsäcker, Wijkman 2018; zum Aufweis dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24). Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat (Guardini 2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen (vgl. Vogt 2019, 69; 77f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten (Weißkopf et al. 2019, 21-22). Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden (Weißkopf et al. 2019, 27-28). Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden (vgl. Wilhelm 2019, 145-147).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“ (Mohr 2003, 79) bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt (vgl. Wilhelm et al. 2020, 53-54). Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“ (Strohschneider 2014, 190) führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“ (Lagasnerie 2018, 26) außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; (vgl. Vogt 2019, 84-88).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6294</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
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		<updated>2020-12-23T20:00:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom, 21f.;  Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 4; 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig? (Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt 2014 sowie als Defizitanzeige Möllers 2018, 11) Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“ (Lübbe 1994, 298): einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039; (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41). Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“ (vgl. z. B. Burchardt 2017, Holzinger 2016, Reitz 2016) – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden (vgl. Fraunhofer-Gesellschaft 2015, 4-5; Vogt 2019, 70):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit (Feretti et al. 2016; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt (vgl. Vogt 2019, 75f.). In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet (Renn 2019, 48). Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“ (Renn 2019, 48). Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können (vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können (vgl. Renn 2019, 48-50). Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“ (Korff 1985, 33) auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen (vgl. Weber 1919/1993). Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039; (vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, 1993; Hellmich 2013; Vogt 2013b, 374-386; Potthast 2015; Vogt 2016). Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen (vgl. Horkheimer 1988, 182). Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen (vgl. Adorno 2003, 299). Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren (vgl. Reichert 2011; Vogt 2013a; Joas 2017, 201-240; Lagasnerie 2018; Weizsäcker, Wijkman 2018; zum Aufweis dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24). Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat (Guardini 2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen (vgl. Vogt 2019, 69; 77f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten (Weißkopf et al. 2019, 21-22). Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden (Weißkopf et al. 2019, 27-28). Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden (vgl. Wilhelm 2019, 145-147).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“ (Mohr 2003, 79) bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt (vgl. Wilhelm et al. 2020, 53-54). Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“ (Strohschneider 2014, 190) führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“ (Lagasnerie 2018, 26) außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; (vgl. Vogt 2019, 84-88).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 08.05.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 25.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellmich, W. (2013): Aufklärende Rationalisierung. Ein Versuch, Max Weber neu zu interpretieren, Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höffe, O. (1993): Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt. Frankfurt: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 08.05.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Joas, H. (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung, Berlin: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W. (1997): Schöpfungsgerechter Fortschritt. Grundlagen und Perspektiven der Umweltethik. In: Herder-Korrespondenz 51: 78-84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W., Wilhelms, G. (2001): Verantwortung. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage. Bd. 10: 597-600.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lagasnerie, G. de. (2018): Denken in einer schlechten Welt. Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mohr, H. (2003): Verfügungswissen und Orientierungswissen. In: Dürr, H.-P. / Fischbeck, H.-J. (Hg.): Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 69-82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Potthast, T. (2015): Ethics and Sustainability Science beyond Hume, Moore and Weber – Taking Epistemic-Moral Hybrids Seriously. In: Meisch, S. / Lundershausen, J. / Bossert, L. / Rockoff, M. (Hg.): Ethics of Science in the Research for Sustainable Development. Baden-Baden: Nomos: 129-152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichert, W.-G. (2011): Die Rückkehr des Positivismus in die Ökonomie und wie Ökonomen dadurch (unbewusst) bestimmte gesellschaftliche Interessen befördern. Frankfurt: Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://nbi.sankt-georgen.de/assets/typo3/redakteure/Dokumente/2011/Die_Dynamik_normativer_Ordnungen_Download.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 16.03.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strohschneider, P. (2014): Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In: A. Brodocz et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden: Springer, 175-192.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2013a): Empirie in der Ethik. Zum Verhältnis von Fakten, Werten und Normen. In: Schallenberg, P. / Küppers, A. (Hg.): Interdisziplinarität der Christlichen Sozialethik, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 405-424.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 21.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 08.05.2020)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6293</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
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		<updated>2020-12-23T19:33:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019, 21f.; Vogt / Weber 2020, 4; 14f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu (vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft 2019, 16-17; Nida-Rümelin 2005, 851; Wilms 2014, 42-43). Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich (vgl. z. B. Deutscher Ethikrat 2014, 53-86; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig? (Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt 2014 sowie als Defizitanzeige Möllers 2018, 11) Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“ (Lübbe 1994, 298): einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039; (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41). Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“ (vgl. z. B. Burchardt 2017, Holzinger 2016, Reitz 2016) – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden (vgl. Fraunhofer-Gesellschaft 2015, 4-5; Vogt 2019, 70):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit (Feretti et al. 2016; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt (vgl. Vogt 2019, 75f.). In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet (Renn 2019, 48). Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“ (Renn 2019, 48). Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können (vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können (vgl. Renn 2019, 48-50). Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“ (Korff 1985, 33) auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen (vgl. Weber 1919/1993). Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039; (vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, 1993; Hellmich 2013; Vogt 2013b, 374-386; Potthast 2015; Vogt 2016). Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen (vgl. Horkheimer 1988, 182). Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen (vgl. Adorno 2003, 299). Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren (vgl. Reichert 2011; Vogt 2013a; Joas 2017, 201-240; Lagasnerie 2018; Weizsäcker, Wijkman 2018; zum Aufweis dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24). Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat (Guardini 2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen (vgl. Vogt 2019, 69; 77f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten (Weißkopf et al. 2019, 21-22). Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden (Weißkopf et al. 2019, 27-28). Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden (vgl. Wilhelm 2019, 145-147).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“ (Mohr 2003, 79) bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt (vgl. Wilhelm et al. 2020, 53-54). Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“ (Strohschneider 2014, 190) führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“ (Lagasnerie 2018, 26) außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; (vgl. Vogt 2019, 84-88).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 25.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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Korff, W. (1997): Schöpfungsgerechter Fortschritt. Grundlagen und Perspektiven der Umweltethik. In: Herder-Korrespondenz 51: 78-84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 21.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 08.05.2020)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
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		<updated>2020-12-23T19:32:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben (vgl. Vogt 2019, 21f.; Vogt / Weber 2020, 4; 14f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu (vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft 2019, 16-17; Nida-Rümelin 2005, 851; Wilms 2014, 42-43). Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich (vgl. z. B. Deutscher Ethikrat 2014, 53-86; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig? (Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt 2014 sowie als Defizitanzeige Möllers 2018, 11) Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“ (Lübbe 1994, 298): einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039; (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41). Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“ (vgl. z. B. Burchardt 2017, Holzinger 2016, Reitz 2016) – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden (vgl. Fraunhofer-Gesellschaft 2015, 4-5; Vogt 2019, 70):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit (Feretti et al. 2016; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt (vgl. Vogt 2019, 75f.). In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet (Renn 2019, 48). Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“ (Renn 2019, 48). Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können (vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können (vgl. Renn 2019, 48-50). Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“ (Korff 1985, 33) auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen (vgl. Weber 1919/1993). Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039; (vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, 1993; Hellmich 2013; Vogt 2013b, 374-386; Potthast 2015; Vogt 2016). Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen (vgl. Horkheimer 1988, 182). Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen (vgl. Adorno 2003, 299). Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren (vgl. Reichert 2011; Vogt 2013a; Joas 2017, 201-240; Lagasnerie 2018; Weizsäcker, Wijkman 2018; zum Aufweis dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24). Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat (Guardini 2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen (vgl. Vogt 2019, 69; 77f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten (Weißkopf et al. 2019, 21-22). Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden (Weißkopf et al. 2019, 27-28). Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden (vgl. Wilhelm 2019, 145-147).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“ (Mohr 2003, 79) bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt (vgl. Wilhelm et al. 2020, 53-54). Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“ (Strohschneider 2014, 190) führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“ (Lagasnerie 2018, 26) außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; (vgl. Vogt 2019, 84-88).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 08.05.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 25.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellmich, W. (2013): Aufklärende Rationalisierung. Ein Versuch, Max Weber neu zu interpretieren, Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höffe, O. (1993): Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt. Frankfurt: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 08.05.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Joas, H. (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung, Berlin: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W. (1997): Schöpfungsgerechter Fortschritt. Grundlagen und Perspektiven der Umweltethik. In: Herder-Korrespondenz 51: 78-84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W., Wilhelms, G. (2001): Verantwortung. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage. Bd. 10: 597-600.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lagasnerie, G. de. (2018): Denken in einer schlechten Welt. Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mohr, H. (2003): Verfügungswissen und Orientierungswissen. In: Dürr, H.-P. / Fischbeck, H.-J. (Hg.): Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 69-82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Potthast, T. (2015): Ethics and Sustainability Science beyond Hume, Moore and Weber – Taking Epistemic-Moral Hybrids Seriously. In: Meisch, S. / Lundershausen, J. / Bossert, L. / Rockoff, M. (Hg.): Ethics of Science in the Research for Sustainable Development. Baden-Baden: Nomos: 129-152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichert, W.-G. (2011): Die Rückkehr des Positivismus in die Ökonomie und wie Ökonomen dadurch (unbewusst) bestimmte gesellschaftliche Interessen befördern. Frankfurt: Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://nbi.sankt-georgen.de/assets/typo3/redakteure/Dokumente/2011/Die_Dynamik_normativer_Ordnungen_Download.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 16.03.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strohschneider, P. (2014): Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In: A. Brodocz et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden: Springer, 175-192.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2013a): Empirie in der Ethik. Zum Verhältnis von Fakten, Werten und Normen. In: Schallenberg, P. / Küppers, A. (Hg.): Interdisziplinarität der Christlichen Sozialethik, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 405-424.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 21.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 08.05.2020)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung_-_ein_%C3%9Cberblick&amp;diff=6291</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick</title>
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		<updated>2020-12-23T19:31:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Einführung – zum rechten Verhältnis von Ethik und Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen. Der Fokus objektiver und damit wertfreier Wissenschaft – so der Impetus – liege primär auf &#039;&#039;&#039;reiner&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Beobachtung und&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;richtigem Verstehen&#039;&#039;&#039;. In der Folge wird gegen eine ethisch-orientierte Forschung vor allem das Argument angeführt, sie sei methodisch unvereinbar mit der Autonomie sowie mit der wissenschaftlichen Exzellenz von Hochschulen. Eine starke normative Aufladung in ihrer Tiefenstruktur – so der vielfach wahrnehmbare Vorwurf – drohe die Wissenschaft geradezu für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele zu instrumentalisieren und somit die wissenschaftliche Wahrheitssuche und die Freiheit pluralistischer Forschung zugunsten des Kriteriums der gesellschaftlichen Nützlichkeit preiszugeben (vgl. Vogt 2019, 21f.; Vogt / Weber 2020, 4; 14f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithin besteht allenfalls Konsens darin, dass sich handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft insofern überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich &#039;&#039;&#039;ethischen Maßstäben&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;genügen&#039;&#039;&#039; müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige eine defensive Bedeutung zu (vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft 2019, 16-17; Nida-Rümelin 2005, 851; Wilms 2014, 42-43). Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich (vgl. z. B. Deutscher Ethikrat 2014, 53-86; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeit als umfassender ethischer Anspruch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine solche Perspektive auf Wissenschaft verkürzt Ethik auf die Funktion einer Schrankenvorgabe oder einer Zuweisung statischer moralischer Zielvorgaben für Forschung und ihre Ergebnisse. Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch &#039;&#039;&#039;richtigen Handelns&#039;&#039;&#039; und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden Konflikte und Dilemmastrukturen, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. Ethisches Denken ist somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;vernetztes Denken&#039;&#039;&#039; gekennzeichnet. In einem &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die &#039;&#039;&#039;methodische Analysetechnik&#039;&#039;&#039;, die gemeinhin als ethische Reflexion bezeichnet wird, Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 22; 38).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der unübersichtlichen Komplexität der modernen anonymen Systemlogiken ist die „&#039;&#039;&#039;soziale Grammatik der Verantwortung&#039;&#039;&#039;“ für unsere Denk- und Handlungsbedingungen grundsätzlich auf ihre Aktualität hin zu überprüfen: &#039;&#039;&#039;Wer&#039;&#039;&#039; ist &#039;&#039;&#039;wofür&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;gegenüber&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;wem&#039;&#039;&#039; verantwortlich und rechenschaftspflichtig? (Zum Konzept einer „Grammatik“ normativer Leitkonzepte vgl. Vogt 2014 sowie als Defizitanzeige Möllers 2018, 11) Dieses spannungsreiche Beziehungsgefüge zwischen Verantwortungssubjekt, -objekt und -adressat tariert sich keineswegs von alleine aus – auch wenn angesichts der modernen Komplexität die Versuchung groß ist, genau hierauf zu vertrauen. Durch diese „Sprachlosigkeit“ wird das Problem jedoch nur verdrängt und mündet in eine „&#039;&#039;&#039;deklamatorische Verantwortungsüberlastung&#039;&#039;&#039;“ (Lübbe 1994, 298): einander widersprechende, vollmundig formulierte utopische Ziele werden bloß aneinandergereiht, aufgrund eines fehlenden kohärenten und realistischen (politischen) Konzepts dann aber nicht umgesetzt. Die Lasten und das Leid dieser Verantwortungslosigkeit beispielsweise im Umgang mit ökologischen Kollektivgütern werden so letztlich auf dem Rücken der Allgemeinheit bzw. der Schwächsten ausgetragen. Um dies zu verhindern, müssen gerade die Universitäten als offene und „machtfreie“ &#039;&#039;&#039;Diskurs- und Denkräume&#039;&#039;&#039; zur Suche nach einer angemessenen sozialen Grammatik der Verantwortung dienen, die Verantwortung auf den genannten drei Ebenen gezielt untersucht und klar definiert. Damit legen die Universitäten letztlich das elementare, wissenschaftsgestützte Fundament zur Auseinandersetzung mit den nationalen wie internationalen &#039;&#039;&#039;Institutionen und Regelsystemen&#039;&#039;&#039; (z.B. für die Finanzwirtschaft oder CO&amp;lt;sub&amp;gt;2&amp;lt;/sub&amp;gt;-Zertifikate). Ethik bezieht sich dabei keineswegs auf eine schematische, deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien oder bloße altruistische Verzichtsbereitschaft. Vielmehr setzt sie sich nüchtern – und rechtzeitig! – mit den meist verdrängten Herausforderungen, Zielkonflikten und Spannungen der jeweiligen Situation auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung die Lebenschancen gegenwärtiger und künftiger Generationen sowie die Flora und Fauna bedroht, muss Forschung angesichts dieser fundamentalen Herausforderungen eine starke &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen und darf sich nicht damit begnügen, bloß die Forschungslandschaft zu „betrachten“ und vor möglicherweise (umwelt-)schädigenden Forschungsvorhaben und Forschungsergebnissen zu warnen. Die Folgen des Klimawandels sind für viele Menschen nicht direkt spürbar und zu den Opfern in anderen Ländern fehlen persönliche Beziehungen, wenn sie allenfalls in den Medien sichtbar werden. Anders als in Krisen „vor der Haustür“ wie dem Ausbruch von Corona fehlt eine &#039;&#039;&#039;persönliche Betroffenheit&#039;&#039;&#039;, die die Menschen und die Gesellschaft zum Handeln aufrüttelt. Umso bedeutsamer ist die Rolle der Wissenschaft. Sie muss sich selbst kritisch anfragen, inwiefern ihre Forschungsergebnisse dem Erhalt der Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen &#039;&#039;&#039;dienen&#039;&#039;&#039; und inwiefern sie &#039;&#039;&#039;aktiv&#039;&#039;&#039; zum Aufbau von verwertbarem gesellschaftlichem &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;beitragen&#039;&#039;&#039; (vgl. Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016, 41). Ethik im Besonderen ruft in diesem Kontext die Wissenschaft dazu auf, ihre Innovationspotentiale stärker so auf die Ziele der Nachhaltigkeit auszurichten, dass sie zum &#039;&#039;&#039;Katalysator einer lebensdienlichen Transformation&#039;&#039;&#039; der Gesellschaft wird. Ebenso bedeutsam wie Innovationen ist die Suche nach &#039;&#039;&#039;Exnovationen&#039;&#039;&#039; (d.h. der Ausstieg aus Technologien, welche Umweltzerstörung begünstigen). Die Maxime künftigen Fortschritts kann nicht mehr die weitere Expansion der Verfügungsmacht über die Natur und Ausbeutung der Menschen in den Randzonen der Gesellschaft sein. Die Vorstellung einer grenzenlosen Nutzbarkeit und Beherrschbarkeit der Natur, die auf fehlender Wertschätzung für die Natur beruht, führt auf Entwicklungspfade, die das wirtschaftliche Überleben der gesamten Menschheit in Frage stellen. Der &#039;&#039;&#039;Übergang zu einem nachhaltigen Wohlstandsmodell&#039;&#039;&#039; ist unausweichlich, inzwischen auch stärker politisch gewollt als noch vor Jahren und wirtschaftlich zugleich in zunehmendem Maß durchaus attraktiv. Dazu ist jedoch eine grundlegende &#039;&#039;&#039;Neuorientierung der Fortschrittsmuster&#039;&#039;&#039; erforderlich, die sich von Modellen der klassischen Moderne löst und Fortschritt nicht bloß als lineare Steigerung von Geschwindigkeit, Output und Effizienz auffasst. Dementsprechend müssen auch Investitionsstrategien verändert und in langfristige Horizonte eingebettet werden. Angesichts der globalen Herausforderung bedarf es zudem global, bzw. international und interkulturell abgestimmter Transformationsstrategien. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Spannungen wird es nicht leicht sein, das notwendige &#039;&#039;&#039;Vertrauen auf internationale Kooperation&#039;&#039;&#039; zurückzugewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Gelingen der Transformation ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, technischer und sozialer Innovationen mit einer klaren Werteorientierung sowie der Auseinandersetzung mit Machtkonflikten unumgänglich – in Wirtschaft und Gesellschaft, aber gerade auch im Kontext von Wissenschaft. Das Konzept der Nachhaltigkeit bildet dabei den ethischen Kompass, um die verschiedenen Zugänge in der Postwachstumsdebatte – wie „Grüne Ökonomie“, „Degrowth“, „Gemeinwohlökonomie“, „Buen vivir“  oder „Zeitwohlstand“ (vgl. z. B. Burchardt 2017, Holzinger 2016, Reitz 2016) – genauer zu untersuchen, auszuarbeiten und Einschätzungen dazu vorzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Formen von nachhaltigkeitsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gegenwärtigen Wissenschaftsumfeld lassen sich dabei &#039;&#039;&#039;drei Arten der nachhaltigkeitsorientierten Forschung&#039;&#039;&#039; unterscheiden (vgl. Fraunhofer-Gesellschaft 2015, 4-5; Vogt 2019, 70):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.     &#039;&#039;&#039;„Nachhaltigkeitsforschung“ bzw. „Nachhaltigkeitswissenschaft“&#039;&#039;&#039; beschäftigt sich disziplinübergreifend mit Nachhaltigkeit. Hierbei handelt es sich allerdings nicht bloß um rein sachlich-technische, sondern vielmehr auch um soziale Steuerungsprobleme. In einem engeren Sinn widmet sich Nachhaltigkeitsforschung daher aus ethischer Perspektive der Kohärenz und der normativen Logik des zugrundeliegenden Nachhaltigkeitskonzepts. Sie reflektiert (z. B. intergenerationelle und internationale) Gerechtigkeits- und Verantwortungsfragen, sucht nach einer stimmigen Vernetzung und Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Handlungsfelder und nach Verfahren zum Umgang mit Dissens über einander entgegengesetzte Zielvorstellungen. Fehlt solch ein übergreifendes, kohärentes Rahmenkonzept, wird „Nachhaltigkeit“ zu einem &#039;&#039;bloßen Etikett&#039;&#039; für isolierte Forschungsprojekte, die in der Gesamtschau wirkungslos bleiben. Beispielsweise setzt sich Nachhaltigkeitsforschung aus einer solchen gesamtgesellschaftlichen Perspektive damit auseinander, wie Fragestellungen rund um Klimawandel, regenerative Energie oder Biodiversität in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.     &#039;&#039;&#039;„Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung“ bzw. „Forschung für Nachhaltigkeit“&#039;&#039;&#039; entwickelt konkrete soziale und technologische Innovationen, die für das von der „Nachhaltigkeitsforschung“ erarbeitete Gesamtkonzept benötigt werden. Ebenfalls einbezogen werden hierin Forschungsprojekte, die ursprünglich nicht unter einer dezidierten Nachhaltigkeitsperspektive durchgeführt wurden, was insbesondere in der universitären Grundlagenforschung oft der Fall ist. Diese lassen sich womöglich aber für die Nachhaltigkeitsforschung fruchtbar machen. Die ethische Perspektive liefert hier also zum einen Impulse zur Entwicklung von Forschungsprojekten, die konkret verwertbare Ergebnisse erzielen sollen (hierauf liegt insbesondere bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Schwerpunkt). Zum anderen „scannt“ die vernetzende ethische Perspektive die Forschungslandschaft nach Ergebnissen ab, die für die Umsetzung von Nachhaltigkeit nützlich sein könnten, bzw. sich durch Weiterentwicklung nutzbar machen lassen. Die thematische Breite der &#039;&#039;Sustainable Development Goals&#039;&#039; (SDGs) eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für solche Schnittstellen und Kooperationen. Beispiele für Forschung für Nachhaltigkeit lassen sich im Bereich der Erneuerbaren Energien finden, aber auch in der Forschung zu alternativen Wirtschaftsmodellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.     &#039;&#039;&#039;„Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“&#039;&#039;&#039; schließlich bezieht sich auf den Forschungsprozess (Fragestellungen, Methoden, Ergebnisse, Kommunikation). Hierfür werden ethische Standards entwickelt, z. B. zum Umgang mit natürlichen Ressourcen, Tierschutz oder zur Sozialverträglichkeit (Feretti et al. 2016; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2015, 4f.; Fraunhofer Gesellschaft et al. 2016). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität und katalytische Wissenschaft als Impulsgeber für gesellschaftliche Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Leitbegriff der &#039;&#039;&#039;Transdisziplinarität&#039;&#039;&#039; lassen sich die genannten drei in der Praxis oftmals kaum getrennt voneinander verlaufenden Konzepte von Wissenschaft zusammenführen: systematische Erforschung komplexer Zusammenhänge als gesellschaftliche Orientierungshilfe (klassisches Wissenschaftsverständnis der Grundlagenforschung); instrumentelle, zielbezogene, auf die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen bezogene Forschung (angewandte Forschung); &#039;&#039;&#039;katalytische Wissenschaft&#039;&#039;&#039;, die ko-kreativ zur Steuerung von Entscheidungs- und Kommunikationsprozessen beiträgt (vgl. Vogt 2019, 75f.). In diesem maßgeblich von Ortwin Renn geprägten Konzept der &#039;&#039;catalytic science&#039;&#039; setzt die Wissenschaft Aktivierungsenergie für gesellschaftliche Transformationsprozesse frei, indem sie das notwendige Wissen aus den verschiedenen Wissensquellen sammelt, ordnet und aufbereitet (Renn 2019, 48). Dazu zählt auch das Offenlegen der den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Hintergrundannahmen, Werte und Interessen. Darüber hinaus wird die katalytische Wissenschaft zu einer &#039;&#039;&#039;Vermittlerin&#039;&#039;&#039; „zwischen konkurrierenden Wahrheitsansprüchen, Handlungsoptionen und moralischen Rechtfertigungen von Verteilungsschlüsseln für öffentliche Güter und Belastungen“ (Renn 2019, 48). Sie sucht auch zu nichtwissenschaftlichen Akteuren mit hoher Sozialkompetenz und robustem Prozesswissen den Kontakt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaft kann demnach nur ihren eigenen Ansprüchen genügen, wenn sie den &#039;&#039;&#039;Suchprozess im Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;zwischen empirischer Forschung, normativen Maßstäben und gesellschaftlicher Transformation&#039;&#039;&#039; methodisch und strukturell in Bezug auf das Selbstverständnis und die institutionelle Organisation von Wissenschaft reflektiert. Um den komplexen und multikausalen Entwicklungsproblemen im Kontext der Mensch-Umwelt-Interaktion angemessen Rechnung zu tragen, muss der wissenschaftliche Diskurs die disziplinspezifischen Ergebnisse der Wissenschaften miteinander stimmig verknüpfen und so zu fächerübergreifenden Forschungserkenntnissen gelangen. Hierfür ist es erforderlich, dass Nachhaltigkeit zu einer Ausgangsfrage und Reflexionsaufgabe in jeder wissenschaftlichen Disziplin wird, sodass sich dann Anschlussstellen für eine &#039;&#039;&#039;inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit&#039;&#039;&#039; innerhalb der ausdifferenzierten und spezialisierten Forschungslandschaft ergeben. Zur effektiven Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit sind zusätzliche epistemologische und methodische Ansätze erforderlich, die über die etablierten Disziplingrenzen hinausgehen und nicht auf dem Level von bloßer Multidisziplinarität stehenbleiben. Solche Ansätze müssen sich in konkreten &#039;&#039;&#039;Strukturen und Plattformen&#039;&#039;&#039; niederschlagen, die komplexes Wissen bündeln, Synergieeffekte freisetzen und nicht als zusätzlicher Aufwand empfunden werden. Hierfür müssen &#039;&#039;&#039;qualifizierte Multiplikator*innen&#039;&#039;&#039; in die Hochschularchitektur integriert werden, um das Thema Nachhaltigkeit auch in solche Fachbereiche zu tragen, in denen es bisher noch nicht verankert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben, schließlich lebt Wissenschaft auch von Spezialisierungen. Meist fördert dies tatsächlich eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings darf die Spezialisierung nicht dazu führen, dass die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge vernachlässigt und der Blick für das große Ganze verloren geht. Die spezialisierten Forschungsergebnisse müssen in konkrete Anwendungen überführt (als Antwort auf die Frage: „&#039;&#039;So what&#039;&#039;?!“) und stimmig in die Nachhaltigkeitstransformation eingebettet werden. Folglich muss mit der modernen Ausdifferenzierung des Wissenschaftsbetriebs im gleichen Maß eine aktiv gestaltete interdisziplinäre Vernetzung mit einer Kultur regen persönlichen Austauschs einhergehen, damit Forschende und Absolvent*innen in ihren Berufen zu verantwortungsvollen gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden können (vgl. HRG – Hochschulrahmengesetz §2).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung&#039;&#039;&#039; mittels so gearteter Zusammenarbeit verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip: Im ersten Schritt erforscht nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft komplexe Zusammenhänge systematisch. Sie sammelt, ordnet und bereitet Wissen aus den verschiedenen Disziplinen auf und erarbeitet &#039;&#039;&#039;Systemwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen). In einem zweiten Schritt betreibt nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft instrumentelle und zielbezogene, d. h. auf die Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen bezogene Forschung und generiert dadurch &#039;&#039;&#039;Orientierungs- bzw.&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Zielwissen&#039;&#039;&#039; (Wissen über wünschenswerte Systemzustände). Schließlich baut nachhaltigkeitsorientierte Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Transformationswissen&#039;&#039;&#039; (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) auf. Dank dieses System-, Orientierungs-, Ziel- und Transformationswissens kann Wissenschaft gesellschaftliche Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse ko-kreativ mitgestalten. So setzt Wissenschaft &#039;&#039;&#039;Aktivierungsenergie für soziale Transformationsprozesse&#039;&#039;&#039; frei und leistet hierdurch einen Beitrag zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung. Mit Blick auf dieses übergeordnete Ziel ist das gegenwärtige Hochschulsystem insofern kritisch zu hinterfragen, als es Anerkennung hauptsächlich an Publikationen und die Einwerbung von Drittmitteln koppelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
System-, Orientierungs- und Transformationswissen können nicht allein durch theoretische Reflexion generiert werden, sondern &#039;&#039;&#039;müssen&#039;&#039;&#039; in der Anwendungspraxis mit der außeruniversitären Gesellschaft &#039;&#039;&#039;erprobt&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;werden&#039;&#039;&#039; (so wie sich auch in den Naturwissenschaften oft Theoriebildung und Laborexperimente wechselseitig befruchten). Hierbei handelt es sich nicht um einen einseitigen akademischen Input in die Gesellschaft, sondern vielmehr um einen &#039;&#039;&#039;wechselseitigen, dialogischen Austausch&#039;&#039;&#039; von Wissen, Ideen, Technologien und Erfahrungen zwischen Hochschulen und externen Partner*innen aller gesellschaftlichen Gruppen (Entscheidungsträger*innen, aber auch „einfache“ Bürger*innen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projekte im Rahmen von &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;citizen science&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; erlauben es der Wissenschaft zum einen, der Bevölkerung ihre Arbeitsweise anschaulich zu vermitteln („&#039;&#039;the art of storytelling&#039;&#039;“), transformative Ideen auf direktem Wege mitten in die Gesellschaft hineinzutragen und auf ihre Anwendbarkeit hin zu überprüfen. Zum anderen erhält sie so aber auch selber unmittelbare Einblicke in Perspektiven und Themen der Gesellschaft. Gerade in Zeiten von &#039;&#039;Fake News&#039;&#039;, selbstreferentiellen Filterblasen und Verschwörungstheorien ist ein solcher Dialog von großer Bedeutung. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die &#039;&#039;&#039;Einbeziehung bildungsferner Bevölkerungsschichten&#039;&#039;&#039; dar, die von den klassischen Medien oft nicht mehr erreicht werden und sich nicht aus eigener Initiative in gesellschaftliche Bewegungen und Dialogprozesse einbringen, aber über ein breites für die Wissenschaft durchaus relevantes Praxiswissen verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen staatlichen Institutionen (Ministerien, Ämter, Behörden usw.) wird selbstverständlich bereits wissenschaftlich gearbeitet. Dennoch wird ein solcher gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess auf Augenhöhe oft kontrovers verlaufen, da die freie Wissenschaft (im Idealfall) nicht denselben Handlungszwängen unterliegt wie die übrigen gesellschaftlichen Akteure und sich darum den Luxus erfrischend anderer Sichtweisen leisten kann. Beispielsweise wird sie in längerfristigen Zeiträumen denken, scheinbar unrealistische kreative Ansätze ernsthaft untersuchen und Interessen aus ethischer Perspektive anders abwägen, als es der Logik der momentanen politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung entspricht. Im Ergebnis wird durch diesen wechselseitigen Transfer- und Dialogprozess jedoch die Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit aller Beteiligten gestärkt: die Wissenschaft erhält einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Handlungslogiken und ‑zwänge der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure, während diese durch die vorangehende Debatte besser fundierte Entscheidungen fällen können (vgl. Renn 2019, 48-50). Da dem &#039;&#039;&#039;Transfer&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;des akademischen Wissens&#039;&#039;&#039; somit eine besondere Bedeutung zukommt, müssen hierfür noch stärkere akademische Anreizstrukturen geschaffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wissenschaftstheoretische Implikationen und Ursachen der Umweltkrise&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die durch das Nachhaltigkeitsstreben notwendig gewordene Ausprägung der Konzepte der Inter- und Transdisziplinarität sowie der auf die Entwicklung von Transformationswissen abzielenden  katalytischen Wissenschaft deutet bereits darauf hin, dass die moderne Umweltkrise letztlich auch in der &#039;&#039;&#039;modernen wissenschaftstheoretischen Tiefenstruktur&#039;&#039;&#039; begründet ist. Die positivistische Wissenschaftstheorie reduziert Wissenschaft auf ihre kenntnisnehmende Funktion und entkoppelt den Forschungsprozess somit von der Moral. Hierdurch droht die Wissenschaft samt ihren Ergebnissen, sich „einer der Beliebigkeit freigegebenen Moral subjektiver Entscheidungen und Zwecksetzungen“ (Korff 1985, 33) auszusetzen und zum bloßen „Mittel für Ziele, über die sie selbst letztlich nicht befindet“ (ebd.) zu verfallen. Max Weber sah die Aushandlung von Interessen, Präferenzen und Überzeugungen vor allem als Aufgabe der Politik an: Diese trage die Verantwortung, Folgen sozialen Handelns abzuwägen und sich hierbei der wissenschaftlichen Erkenntnisse nach eigenem Gutdünken zu bedienen (vgl. Weber 1919/1993). Damit löst er die in der antiken und mittelalterlichen Tradition unter dem Begriff der Klugheit (&#039;&#039;phronesis&#039;&#039;, bzw. &#039;&#039;prudentia&#039;&#039;) gefasste Einheit von analytischer und normativer Vernunft auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Blick auf die Methoden ethischer Entscheidungsfindung ist das Weber‘sche &#039;&#039;&#039;konsequentialistische Konzept von Verantwortung zumindest ergänzungsbedürftig&#039;&#039;&#039; (vgl. Korff 1985,17-128; Höffe, 1993; Hellmich 2013; Vogt 2013b, 374-386; Potthast 2015; Vogt 2016). Zudem erweckt die mangelnde Selbstreflexivität über die eigene Rolle in der Wissenschaftspraxis nach Horkheimer und Adorno bloß den Anschein von Neutralität, anstatt die strukturellen Voraussetzungen und die Perspektivität jeglicher wissenschaftlichen Position transparent zu machen (vgl. Horkheimer 1988, 182). Gerade hierdurch wird die Distanz gegenüber dem in der Wissenschaft geronnenen Regelsystem der Gesellschaft unterlaufen (vgl. Adorno 2003, 299). Es scheint daher durchaus notwendig, das positivistische Verständnis von Wissenschaft kritisch in Bezug auf die &#039;&#039;&#039;Voraussetzungen und Einbettungskontexte vermeintlich wertfreier Forschung&#039;&#039;&#039; zu revidieren und zu relativieren (vgl. Reichert 2011; Vogt 2013a; Joas 2017, 201-240; Lagasnerie 2018; Weizsäcker, Wijkman 2018; zum Aufweis dass die Rezeption von Max Weber dem „polyphonen Denken“ des Soziologen oft nicht gerecht wird: Hellmich 2013, 11-24). Mit der für die Moderne charakteristischen Ausdifferenzierung und Spezialisierung des Wissenschaftsbetriebs muss eine gleichermaßen aktiv betriebene &#039;&#039;&#039;Vernetzung&#039;&#039;&#039; einhergehen, die die einzelnen Bereiche mit Blick auf ein umfassendes humanistisches Wissens- und Bildungsverständnis so integriert, dass sie tatsächlich dem Wohl der Menschheit sowie der Wahrung und Wertschätzung der Natur dienen. Wird dieser ureigene Anspruch der Wissenschaft aufgegeben – Wissen also zu einem für beliebige Zwecke einsetzbaren bloßen Mittel degradiert – und werden die normativen Hintergrundannahmen vermeintlich „neutraler“ Wissenschaft nicht bewusst reflektiert, verkehrt sich ihre Wirkung möglicherweise ins genaue Gegenteil und sie wird sogar &#039;&#039;&#039;Teil des Problems&#039;&#039;&#039;: Sie entfesselt Kräfte, die das Überleben der Menschheit bedrohen, deren Mündigkeit sich nicht in gleichem Maße wie der technische Fortschritt entwickelt hat (Guardini 2019).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaft somit nicht nur auf den Erwerb von Fachwissen ausgerichtet sein darf, sondern auch einen gesamtgesellschaftlichen Gestaltungsauftrag hat, ergeben sich daraus Konsequenzen für die anderen Bereiche der Hochschulen – beispielsweise für die &#039;&#039;&#039;Hochschullehre&#039;&#039;&#039;. Neben der Vermittlung von Fachkompetenz sollte sie Studierende dazu befähigen und motivieren, sowohl ihr Fachgebiet, andere Disziplinen als auch ihr eigenes Wertegerüst mutig zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen – insbesondere in Bezug auf die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Rolle, die jeder Einzelne einnehmen möchte, um künftigen, oft noch ungewissen Herausforderungen zu begegnen. Dabei sollte die Strahlkraft einer an Nachhaltigkeit orientierten persönlichen Lebensführung nicht unterschätzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gute Lehre vermittelt somit grundlegendes System- Orientierungs- und Transformationswissen, fördert (Selbst-)Reflexionsprozesse, befähigt zu gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung. Aus soziologischer Perspektive lässt sich der Klimawandel auch als &#039;&#039;&#039;Kommunikationskrise&#039;&#039;&#039; auffassen, da kollektives Handeln stets intakte Kommunikationsstrukturen voraussetzt. Folglich ist es auch sinnvoll, das &#039;&#039;&#039;Kommunikationsverhalten&#039;&#039;&#039; zu schulen: Wie lassen sich Kommunikationsblockaden auflösen? Wie lassen sich Forschungsergebnisse und ‑Prozesse verständlich und überzeugend vermitteln? Wie begegnet man Verschwörungstheorien? Wie schützt man sich dabei vor einem zu hohen Zeitaufwand?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der dramatisch fortschreitenden Umweltzerstörung beschleicht einen allzu leicht das Gefühl der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. In Verbindung mit allgemein hohen Anforderungen und Stress bei Studierenden wie Lehrenden droht Nachhaltigkeit als schiere &#039;&#039;&#039;Überforderung&#039;&#039;&#039; empfunden und in der Konsequenz aus dem Bewusstsein verdrängt zu werden. Auch dieses nicht zu unterschätzende psychologische Problem muss in der Hochschullehre bewusst reflektiert werden, um Studierende zu Resilienz, sozial-gerechtem und umwelt-verantwortlichem Engagement mit „social impact“ zu befähigen (vgl. Vogt 2019, 69; 77f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Akademische Freiheit und Verantwortung – zwei Seiten der einen Medaille&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist bei der erforderlichen Ergänzung und Neukonturierung des Wissenschaftsverständnisses insgesamt zu beachten, dass hierdurch &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; im Gegenzug wissenschaftspolitische Zielsetzungen das Ideal der pluralistischen wissenschaftlichen Freiheit einengen. Wissenschaftliche Exzellenz bedarf der Freiheit – doch Freiheit geht stets auch mit einer &#039;&#039;&#039;akademischen Verantwortung&#039;&#039;&#039; für die Gesamtgesellschaft einher, die sich nicht ohne Weiteres an andere gesellschaftliche Akteure delegieren lässt. Im Gegenteil: &#039;&#039;&#039;Nimmt die Wissenschaft ihre Verantwortung nicht aus eigener Motivation heraus wahr, wird sie über kurz oder lang auch ihre Freiheit verlieren&#039;&#039;&#039;. Bereits jetzt ist die Wissenschaft in weiten Teilen auf Drittmittelförderung angewiesen und so in eine starke Abhängigkeit von Politik und Wirtschaft geraten. Der letzten Erhebung des &#039;&#039;Wissenschaftsbarometers&#039;&#039; zufolge sieht ein Großteil der Deutschen diese Entwicklung kritisch: 63% der Befragten halten den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft für viel zu groß oder eher zu groß, 57% den Einfluss der Politik – wohingegen umgekehrt nur 22% den Einfluss von Wirtschaft und Politik auf die Wissenschaft für genau richtig halten (Weißkopf et al. 2019, 21-22). Vor dem Hintergrund von „Fridays for Future“ stimmen 75% voll und ganz (55%) oder eher (20%) zu, dass Wissenschaftler*innen sich öffentlich äußern sollten, wenn Forschungsergebnisse nicht politisch berücksichtig werden (Weißkopf et al. 2019, 27-28). Eine engagierte öffentliche Rolle von Wissenschaftler*innen ist somit ethisch geboten und auch von der Bevölkerung gewünscht. Folglich sollte Nachhaltigkeit nicht in Spannung zu wissenschaftlicher Exzellenz stehen, sondern vielmehr explizit als &#039;&#039;&#039;Exzellenzkriterium&#039;&#039;&#039; gelten. Sowohl das Recht auf akademische Freiheit als auch dieser ethische Anspruch der Verantwortung müssen noch viel stärker in den wissenschaftlichen Institutionen verankert werden (vgl. Wilhelm 2019, 145-147).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich ist bei der Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung der Wissenschaft darauf zu achten, dass sie die ihr eigene „konzentrierte Ruhe“ (Mohr 2003, 79) bewahrt und nicht gerade durch Positionierungen im politischen Tagesgeschäft ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielt (vgl. Wilhelm et al. 2020, 53-54). Nachhaltigkeitsorientierte Forschung darf &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; danach streben, im Sinne einer &#039;&#039;&#039;Expertokratie&#039;&#039;&#039; das Feld der Politik zu besetzen, was zu einer „Atrophierung des Politischen“ (Strohschneider 2014, 190) führen würde. In der ausdifferenzierten modernen Gesellschaft ist die grundsätzliche Trennung der Sphären von Wissenschaft und Politik mit ihren je eigenen Bereichslogiken durchaus sinnvoll – Spitzenwissenschaftler sind keineswegs zwangsläufig zugleich auch exzellent agierende Politiker!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der wissensintensiven Herausforderungen des Klimawandels und der durch das gegenwärtige gesellschaftliche System offensichtlich bedingten Ungerechtigkeit und Zukunftszerstörung kann sich die Wissenschaft jedoch nicht länger in eine „Mystik reinen Wissens“ (Lagasnerie 2018, 26) außerhalb der Sphäre der Gesellschaft zurückziehen. Ein solch übersteigerter, de-facto nie eingelöster Neutralitätsanspruch verhindert aktive Nachhaltigkeitstransformation. Vielmehr muss die Wissenschaft aus einer ethischen Perspektive in einem permanenten, &#039;&#039;&#039;offenen und dynamischen Suchprozess&#039;&#039;&#039; gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten eruieren, Zielkonflikte analysieren und schließlich auch &#039;&#039;&#039;Handlungsempfehlungen&#039;&#039;&#039; geben. Nicht aus der Verdrängung von Verantwortung, sondern &#039;&#039;&#039;in einer solchen Praxis der akademischen Verantwortung entfaltet sich dann wahre&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;akademische&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;Freiheit&#039;&#039;&#039; (vgl. Vogt 2019, 84-88).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Literatur&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Th. W. (2003): Einleitung zum „Positivismusstreit in der deutschen Soziologie“. In: Gesammelte Schriften, Bd. 8, Frankfurt: Suhrkamp, 280-353.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Burchardt, H.-J. (2017): Umwelt und Entwicklung in globaler Perspektive. Ressourcen – Konflikte – Degrowth, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferretti, J. et al. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. Verbundprojekt „Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin: BMBF.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2015): Explikation zum BMBF-Verbundvorhaben. Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement »LeNa Management«, München, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/Explikation_fuer_das_Vorhaben_LeNa.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 08.05.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 25.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guardini, R. (2019): Die Macht, in: Werke, hg. v. A. Budde, Otfildern u.a. 2019, 97-186.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellmich, W. (2013): Aufklärende Rationalisierung. Ein Versuch, Max Weber neu zu interpretieren, Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höffe, O. (1993): Moral als Preis der Moderne. Ein Versuch über Wissenschaft, Technik und Umwelt. Frankfurt: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Holzinger, H. (2016): Zukunftsdossier Wachstumsgrenzen. Die (Post-)Wachstumsdebatte in der aktuellen Literatur, Wien: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://wachstumimwandel.at/wp-content/uploads/WiW-Dossier6_Post_Wachstumsdebatte_web.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 08.05.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horkheimer, M. (1988): Traditionelle und kritische Theorie. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt: Fischer, 162-225.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Joas, H. (2017): Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung, Berlin: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W. (1985): Norm und Sittlichkeit. Untersuchungen zur Logik normativer Vernunft. 2. Auflage. Freiburg: Alber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W. (1997): Schöpfungsgerechter Fortschritt. Grundlagen und Perspektiven der Umweltethik. In: Herder-Korrespondenz 51: 78-84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Korff, W., Wilhelms, G. (2001): Verantwortung. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage. Bd. 10: 597-600.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lagasnerie, G. de. (2018): Denken in einer schlechten Welt. Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lübbe, H. (1994): Moralismus oder fingierte Handlungssubjektivität in komplexen historischen Prozessen. In: Lübbe, W. (Hg.): Kausalität und Zurechnung. Über Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen, Berlin: Springer, 289-301.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mohr, H. (2003): Verfügungswissen und Orientierungswissen. In: Dürr, H.-P. / Fischbeck, H.-J. (Hg.): Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft, Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 69-82.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möllers, Ch. (2018): Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität. Berlin: Suhrkamp.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Potthast, T. (2015): Ethics and Sustainability Science beyond Hume, Moore and Weber – Taking Epistemic-Moral Hybrids Seriously. In: Meisch, S. / Lundershausen, J. / Bossert, L. / Rockoff, M. (Hg.): Ethics of Science in the Research for Sustainable Development. Baden-Baden: Nomos: 129-152.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reichert, W.-G. (2011): Die Rückkehr des Positivismus in die Ökonomie und wie Ökonomen dadurch (unbewusst) bestimmte gesellschaftliche Interessen befördern. Frankfurt: Oswald von Nell-Breuning Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://nbi.sankt-georgen.de/assets/typo3/redakteure/Dokumente/2011/Die_Dynamik_normativer_Ordnungen_Download.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 16.03.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reitz, T. (2016): Wachstum – Krise und Kritik, Frankfurt: Campus Verlag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Renn, O. (2019): Die Rolle(n) transdisziplinärer Wissenschaft bei konfliktgeladenen Transformationsprozessen. In: Gaia 28 (1), 44-51.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strohschneider, P. (2014): Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In: A. Brodocz et al. (Hg.): Die Verfassung des Politischen, Wiesbaden: Springer, 175-192.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2013a): Empirie in der Ethik. Zum Verhältnis von Fakten, Werten und Normen. In: Schallenberg, P. / Küppers, A. (Hg.): Interdisziplinarität der Christlichen Sozialethik, Paderborn: Ferdinand Schöningh, 405-424.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2013b): Prinzip Nachhaltigkeit. Ein Entwurf aus theologisch-ethischer Perspektive. 3. Auflage. München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2014): Zur moralischen Grammatik der Solidarität und ihrer (begrenzten) Anwendbarkeit auf intergenerationelle Konflikte. In: Jahrbuch für Ethik und Recht 22, 95-114.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2016): Die Freiheit der Verantwortung. In: Breidenstein, U. (Hg.): Verantwortung – Freiheit und Grenzen. Interdisziplinäre Veranstaltungen der Aeneus-Silivius-Stiftung, Basel: Schwabe Verlag, 7-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels, München: oekom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vogt, M. / Weber, C. (2020): The Role of Universities in a Sustainable Society. Why Value-Free Research is Neither Possible nor Desirable. In: Sustainability 12 (2811), 1-20, &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://doi.org/10.3390/su12072811&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 21.04.2020).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (1993): Politik als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Stuttgart: Reclam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weber, M. (2017): Wissenschaft als Beruf (Erstveröffentlichung 1919). Berlin: Matthes &amp;amp; Seitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. (2019): Aufklärung und Wissenschaft in der Krise: Wiederbelebung der Religionen? Wissenschaftsmanagement – Zeitschrift für Innovation 24 (1): 141-148.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm, E. et al. (2020): Wissenschaft in der Vertrauenskrise? Plädoyer für eine gemeinwohlorientierte Wissenschaft. In: Gaia 29 (1), 52-54.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißkopf, M. et al. (2019): Wissenschaftsbarometer 2019. Berlin: Wissenschaft im Dialog gGmbH &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Projekte/Wissenschaftsbarometer/Dokumente_19/Broschuere_Wissenschaftsbarometer2019.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (Letzter Zugriff: 08.05.2020)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weizsäcker, E.-U. von / Wijkman, A. (2018): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Bericht an den Club of Rome. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Ethik_und_Verantwortung_in_der_Hochschulforschung&amp;diff=6290</id>
		<title>HOCH-N:Ethik und Verantwortung in der Hochschulforschung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Ethik_und_Verantwortung_in_der_Hochschulforschung&amp;diff=6290"/>
		<updated>2020-12-23T19:27:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;[[Was ist eine ethische Frage?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik reflektiert die Maßstäbe rechten Handelns in komplexen Situationen. Als philosophische Disziplin lässt sie sich weiter in normative, angewandte, deskriptive und Metaethik untergliedern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um unter sich rasch verändernden, komplexen Handlungsbedingungen handlungsfähig zu bleiben, ist ein klarer Blick auf den Kern der Problemstellungen und die langfristigen, strategischen Herausforderungen entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Was bedeutet Ethik für die Forschung?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik begutachtet keineswegs nur den Forschungsprozess und beschränkt sich nicht nur auf Technikfolgenabschätzung. Eine freie Wissenschaft steht darüber hinaus auch in der Verantwortung, aus eigener Initiative eine Nachhaltigkeitsperspektive einzunehmen und einen Beitrag gegen die Umweltzerstörung zu leisten, die das Wohl der Menschheit bedroht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ethische Diskussion will gut strukturiert sein, um tatsächlich zu einem vertieften Problemverständnis und zu überzeugenden Lösungsvorschlägen zu verhelfen. Als hilfreich kann sich eine inhaltliche Gliederung (z. B. wissenschaftliche Fragestellung – gegenwärtige Normsysteme – zugrundeliegende Handlungsprinzipien – Umsetzung in die Praxis) und visuelle Darstellung erweisen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Wie_lassen_sich_ethische_Fragen_strukturiert_diskutieren%3F&amp;diff=6289</id>
		<title>HOCH-N:Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Wie_lassen_sich_ethische_Fragen_strukturiert_diskutieren%3F&amp;diff=6289"/>
		<updated>2020-12-23T19:25:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Alle Menschen haben mehr oder weniger reflektierte Vorstellungen von moralisch „richtigem“ und „falschem“ Handeln und bewegen sich im Alltag in einem ganzen Geflecht von Normen. Insofern können ethische Fragen lebendige Diskussionen in Gang setzen, in denen sich jede*r gut mit eigenen Erfahrungen und Einschätzungen einbringen kann. Allerdings kann die Fülle verschiedenartiger Beiträge auch Verwirrung stiften, sodass am Ende des Austauschs bloß Ratlosigkeit und Verwirrung oder das Gefühl zurückbleiben, dass „man mal über wichtige Fragen philosophiert“ hat. Daher sollen im Folgenden einige Punkte skizziert werden, um eine ethische Diskussion zu strukturieren, die vorgebrachten Argumente zu ordnen und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Visualisierung der Argumentationsstruktur.png|mini|alternativtext=|Indem die einzelnen Argumente logisch um die zu debattierende Frage angeordnet und zueinander zugeordnet werden, können Strukturen von Gedankengängen sichtbar und somit die Argumentationsstuktur visuell nachvollziehbar gemacht werden.]]&lt;br /&gt;
Als Instrumente eines in diesem Sinne qualifizierten Denkens kann „Visual Reasoning Architectures“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Parmenides Foundation (2020) zur Visual Reasoning Architecture, https://www.parmenides-eidos.com/eidos9/us/ (zuletzt abgerufen am 23.12.2020).&amp;lt;/ref&amp;gt;, also die Sichtbarmachung der Struktur von Gedankengängen und der Art und Weise, wie einzelne Denkschritte darin zusammenspielen, verwendet werden. Darüber hinaus können weitere methodische Ansätze, wie zum Beispiel „Argumentation Space Mapping“, also die systematische Darstellung des gedanklichen Feldes, in dem die einzelnen unterschiedlichen Positionen formuliert werden, verwendet werden. Auch die „Visual Reasoning Language“, in der komplexe Denkprozesse in ihre einzelnen, qualitativ unterschiedlichen Denkschritte zerlegt und dann wieder zu transparenten Gedankengängen zusammengesetzt werden können, kann sich als hilfreich erweisen. Der Vorteil der visuellen Darstellung komplexer Argumentationsgänge besteht zum einen darin, dass so für alle TeilnehmerInnen der Stand der Diskussion sichtbar gemacht wird. Zum anderen ermöglicht eine visuelle Methode intuitives, noch nicht „spruchreifes“ Denken, dessen Bedeutung für ethische Abwägungsprozesse nicht zu unterschätzen ist. Alle vorgestellten Methoden können auch in der Forschungspraxis an konkreten Fragestellungen eingesetzt und „trainiert“ werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand von vier Schritten kann diese Visualisierung unterstützt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;1. Konkretisierung der ethischen Fragestellung&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Einstieg in eine ethische Diskussion empfiehlt sich eine konkrete Fragestellung aus der Praxis, die sich insbesondere aus Dilemmata, Zielkonflikten, als problematisch empfundenen Sachverhalten, Risiken und Krisen ergibt oder darauf zuspitzen lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;2. Beschreibung der vorfindbaren Normsysteme&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend können die gegenwärtig geltenden Normsysteme beschrieben werden, die für die Fragestellung relevant sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wie wird mit dem ethischen Problem gegenwärtig in der Praxis umgegangen?&lt;br /&gt;
* An welchen Stellen zeigt sich, dass das Problem unzulänglich gelöst ist?&lt;br /&gt;
* Existieren verschiedene Lösungsansätze? Inwiefern stehen diese zueinander in Spannung?&lt;br /&gt;
* Wie haben die Normsysteme zu ihrer gegenwärtigen Form gefunden? An welchen Stellen findet aktuell Entwicklung statt? Wie wird nach anderen und neuen Lösungen gesucht?&lt;br /&gt;
* Welche Begriffe sind klärungsbedürftig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Freilegung grundlegender Handlungsprinzipien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun lässt sich das Fundament begutachten, auf dem die Handlungsregeln beruhen (normative Ethik). Hierbei bietet sich die Philosophiegeschichte als Fundgrube an, um Argumente zu finden und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beachten ist hierbei allerdings, dass nicht bloß (theoretisch) überzeugende moralische Appelle an das Gewissen des Einzelnen formuliert werden, die von der Selbstkontrolle des Einzelnen ausgehen. In der Lebenswirklichkeit des (modernen) Menschen kann nicht (allein) auf Selbstkontrolle und freiwillige Bereitschaft zu moralischem Handeln gesetzt werden, sondern es müssen an das eigene Interesse anknüpfende Anreize und institutionelle Sanktionsmechanismen etabliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Lütge, U. / Uhl, M. (2017): Wirtschaftsethik. München: Vahlen, 32-33.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die überzeugenden Argumente einer Handlungsethik müssen also in eine Bedingungsethik überführt werden, damit sie in der Realität auch zum Tragen kommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Homann, K. (2003): Anreize und Moral. Gesellschaftstheorie – Ethik – Anwendungen. Münster: LIT.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Welche Interessen und Werte werden von der Fragestellung berührt? Wessen Interessen werden ggf. übersehen, weil sie nicht stark genug vertreten werden?&lt;br /&gt;
* Welche Werte und Interessen stehen sich gegenüber? Können sie austariert werden? Wie?&lt;br /&gt;
* Welche Vorstellung von „Gerechtigkeit“ und „gutem Leben“ liegt den Handlungsregeln zugrunde?&lt;br /&gt;
* Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf die gesellschaftliche Stabilität?&lt;br /&gt;
* Handelt es sich um Einzelfälle? Inwiefern kommt dem Problem paradigmatische Bedeutung zu, d. h. inwiefern lässt es sich verallgemeinern?&lt;br /&gt;
* Welche Emotionen werden von der ethischen Frage berührt?&lt;br /&gt;
* Welche Menschenrechte sind betroffen? Ist die Menschenwürde bedroht?&lt;br /&gt;
* Inwiefern werden Menschen instrumentalisiert?&lt;br /&gt;
* Hat die ethische Frage Bedeutung für die Zerstörung/Bewahrung der Umwelt? Welchen Einfluss hat das ethische Problem auf das Wohl zukünftiger Generationen?&lt;br /&gt;
* Welche Rolle spielt Altruismus in der Debatte?&lt;br /&gt;
* Welche Machtstrukturen lassen sich ausmachen?&lt;br /&gt;
* Wie werden Freiheits- und Verantwortungsbereiche abgesteckt?&lt;br /&gt;
* Welche Handlungsmotive liegen zugrunde? Wie verhalten sie sich zu den Handlungsfolgen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;4. Zurück in die Praxis&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine einleuchtende ethische Argumentation setzt sich in der Praxis trotz ihrer Überzeugungskraft keineswegs von allein durch. Beachtung verdient daher abschließend auch die Frage, wie die ethische Reflexion in die Praxis überführt werden kann. Zu beachten sind dabei z. B.:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Institutionelle, staatliche, wirtschaftliche usw. Machtstrukturen&lt;br /&gt;
* Gesetzeslage&lt;br /&gt;
* Wirtschaftliche Anreize und Zwänge&lt;br /&gt;
* Kulturelle Bewertungs- und Handlungsmuster&lt;br /&gt;
* Differenzierte Mobilisierungs- und Überzeugungsstrategien für verschiedene Akteure&lt;br /&gt;
* Welche Akteursnetzwerke lassen sich neu bilden, bzw. müssen neu gebildet werden?&lt;br /&gt;
Im Rahmen eines Workshops bieten sich auch Rollenspiele an, um das Gespür für die praktischen Umsetzungsschwierigkeiten zu schärfen und kreativ nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Wie_lassen_sich_ethische_Fragen_strukturiert_diskutieren%3F&amp;diff=6288</id>
		<title>HOCH-N:Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?</title>
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		<updated>2020-12-23T19:18:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: Die Seite wurde neu angelegt: „Alle Menschen haben mehr oder weniger reflektierte Vorstellungen von moralisch „richtigem“ und „falschem“ Handeln und bewegen sich im Alltag in einem g…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Alle Menschen haben mehr oder weniger reflektierte Vorstellungen von moralisch „richtigem“ und „falschem“ Handeln und bewegen sich im Alltag in einem ganzen Geflecht von Normen. Insofern können ethische Fragen lebendige Diskussionen in Gang setzen, in denen sich jede*r gut mit eigenen Erfahrungen und Einschätzungen einbringen kann. Allerdings kann die Fülle verschiedenartiger Beiträge auch Verwirrung stiften, sodass am Ende des Austauschs bloß Ratlosigkeit und Verwirrung oder das Gefühl zurückbleiben, dass „man mal über wichtige Fragen philosophiert“ hat. Daher sollen im Folgenden einige Punkte skizziert werden, um eine ethische Diskussion zu strukturieren, die vorgebrachten Argumente zu ordnen und zu vertiefen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Visualisierung der Argumentationsstruktur.png|mini]]&lt;br /&gt;
Als Instrumente eines in diesem Sinne qualifizierten Denkens kann „Visual Reasoning Architectures“&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Parmenides Foundation (2020) zur Visual Reasoning Architecture, https://www.parmenides-eidos.com/eidos9/us/ (zuletzt abgerufen am 23.12.2020).&amp;lt;/ref&amp;gt;, also die Sichtbarmachung der Struktur von Gedankengängen und der Art und Weise, wie einzelne Denkschritte darin zusammenspielen, verwendet werden. Darüber hinaus können weitere methodische Ansätze, wie zum Beispiel „Argumentation Space Mapping“, also die systematische Darstellung des gedanklichen Feldes, in dem die einzelnen unterschiedlichen Positionen formuliert werden, verwendet werden. Auch die „Visual Reasoning Language“, in der komplexe Denkprozesse in ihre einzelnen, qualitativ unterschiedlichen Denkschritte zerlegt und dann wieder zu transparenten Gedankengängen zusammengesetzt werden können, kann sich als hilfreich erweisen. Der Vorteil der visuellen Darstellung komplexer Argumentationsgänge besteht zum einen darin, dass so für alle TeilnehmerInnen der Stand der Diskussion sichtbar gemacht wird. Zum anderen ermöglicht eine visuelle Methode intuitives, noch nicht „spruchreifes“ Denken, dessen Bedeutung für ethische Abwägungsprozesse nicht zu unterschätzen ist. Alle vorgestellten Methoden können auch in der Forschungspraxis an konkreten Fragestellungen eingesetzt und „trainiert“ werden.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=Datei:Visualisierung_der_Argumentationsstruktur.png&amp;diff=6287</id>
		<title>Datei:Visualisierung der Argumentationsstruktur.png</title>
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		<updated>2020-12-23T19:17:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Indem die einzelnen Argumente logisch um die zu debattierende Frage angeordnet und zueinander zugeordnet werden, können Strukturen von Gedankengängen sichtbar und somit die Argumentationsstuktur visuell nachvollziehbar gemacht werden.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Was_bedeutet_Ethik_f%C3%BCr_die_Forschung%3F&amp;diff=6286</id>
		<title>HOCH-N:Was bedeutet Ethik für die Forschung?</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Was_bedeutet_Ethik_f%C3%BCr_die_Forschung%3F&amp;diff=6286"/>
		<updated>2020-12-23T18:54:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft scheinen sich also allenfalls insofern zu überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich ethischen Maßstäben genügen müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der („angewandten“) Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch auch noch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch richtigen Handelns und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden weiteren &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden &#039;&#039;&#039;Konflikte und Dilemmastrukturen&#039;&#039;&#039;, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. So wird unter Berufung auf das moderne positivistische Wissenschaftsverständnis rasch übersehen, dass allen Forschungsprozessen Welt- und Menschenbilder zugrunde liegen, die tragende Bedeutung für den Erkenntnisprozess selbst haben und daher bewusst reflektiert werden müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, Markus (2021): Christliche Umweltethik. Grundlagen und zentrale Herausforderungen. Freiburg im Breisgau: Herder, 303-312.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem weiteren ethischen Blickwinkel muss die Wissenschaft auch fragen, welche Rolle sie selbst in Bezug auf die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung einnehmen sollte, die die Lebenschancen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen massiv bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2021, 313-323.&amp;lt;/ref&amp;gt; Angesichts des Ausmaßes dieser Gefahr handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sodass auch die Wissenschaft eine &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels. München: oekom.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierzu bedarf es einer Nachhaltigkeitsethik, die systemische Zusammenhänge von Wechselwirkungen bedenkt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vogt 2021, 301-303.&amp;lt;/ref&amp;gt; Besondere Bedeutung kommt deshalb inter- und transdisziplinärer Forschung und der Kooperation mit außerwissenschaftlichen Akteuren zu, um die komplexe Problematik umfassend analysieren und Lösungswege entwickeln zu können, die in der Praxis tatsächlich konkrete Transformationen bewirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Blick auf die Wirksamkeit der Forschungsergebnisse ist auch zu reflektieren, wie Wissen in der modernen Gesellschaft überhaupt organisiert ist und wahrgenommen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019;  Maasen, S. et al. (Hrsg.) (2012): Handbuch Wissenschaftssoziologie. Wiesbaden: Springer.&amp;lt;/ref&amp;gt; Besondere Beachtung verdient dabei die Frage, wie mit der schieren Fülle an Wissen und der „Informationsflut“ umzugehen ist,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ortner, H. et al. (Hrsg.) (2014): Datenflut und Informationskanäle. Innsbruck: Innsbruck University Press.&amp;lt;/ref&amp;gt; aber auch mit dem gerade hierdurch bedingten Bewusstsein von „Nichtwissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Maasen, S. (2009): Wissensoziologie. Bielefeld: Transcript, 66-67;  Luhmann, N. (1992): Ökologie des Nichtwissens. In: ders., Beobachtungen der Moderne, Opladen: Westdeutscher Verlag, 149-220.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Was_ist_eine_ethische_Frage%3F&amp;diff=6285</id>
		<title>HOCH-N:Was ist eine ethische Frage?</title>
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		<updated>2020-12-23T18:51:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als philosophische Disziplin fragt die Ethik nach den Maßstäben guten Lebens, moralisch richtigen Handelns und gerechter Institutionen. Im Zuge dieser Suche nach Handlungsregeln stellt sie sich auch grundlegenden Fragen nach der Definition von „Glück“ und „Nutzen“, der Willensfreiheit, der Urteilskraft von Vernunft und Emotionen, nach Möglichkeiten zum Austarieren einander widerstrebender Interessen, nach dem Verhältnis von Handlungsmotivation und Handlungsfolgen, von Freiheit und Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ethik im eigentlichen Sinne sucht die „normative Ethik“ nach Prinzipien moralischen Handelns und macht auf dieser Grundlage vorschreibende Aussagen. In konkreten Handlungskontexten fragt die „angewandte Ethik“ danach, welches Handeln moralisch richtig ist. Die „deskriptive Ethik“ hingegen begründet keine moralischen Normen, sondern beschreibt und erklärt empirisch vorfindbare Normsysteme. Die „Metaethik“ schließlich untersucht die Bedeutung moralischer Begriffe und fragt nach der Begründbarkeit moralischer Urteile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethisches Denken lässt sich somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;„vernetztes Denken“&#039;&#039;&#039; beschreiben. In einem offenen und dynamischen &#039;&#039;&#039;Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die ethische Reflexion Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt der Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 23.12.2020), Seiten 22f.; 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Was_ist_eine_ethische_Frage%3F&amp;diff=6284</id>
		<title>HOCH-N:Was ist eine ethische Frage?</title>
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		<updated>2020-12-23T18:51:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als philosophische Disziplin fragt die Ethik nach den Maßstäben guten Lebens, moralisch richtigen Handelns und gerechter Institutionen. Im Zuge dieser Suche nach Handlungsregeln stellt sie sich auch grundlegenden Fragen nach der Definition von „Glück“ und „Nutzen“, der Willensfreiheit, der Urteilskraft von Vernunft und Emotionen, nach Möglichkeiten zum Austarieren einander widerstrebender Interessen, nach dem Verhältnis von Handlungsmotivation und Handlungsfolgen, von Freiheit und Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ethik im eigentlichen Sinne sucht die „normative Ethik“ nach Prinzipien moralischen Handelns und macht auf dieser Grundlage vorschreibende Aussagen. In konkreten Handlungskontexten fragt die „angewandte Ethik“ danach, welches Handeln moralisch richtig ist. Die „deskriptive Ethik“ hingegen begründet keine moralischen Normen, sondern beschreibt und erklärt empirisch vorfindbare Normsysteme. Die „Metaethik“ schließlich untersucht die Bedeutung moralischer Begriffe und fragt nach der Begründbarkeit moralischer Urteile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethisches Denken lässt sich somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;„vernetztes Denken“&#039;&#039;&#039; beschreiben. In einem offenen und dynamischen &#039;&#039;&#039;Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die ethische Reflexion Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt der Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 25.04.2020), Seiten 22f.; 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Ethik_und_Verantwortung_in_der_Hochschulforschung&amp;diff=6283</id>
		<title>HOCH-N:Ethik und Verantwortung in der Hochschulforschung</title>
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		<updated>2020-12-23T18:50:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;[[Was ist eine ethische Frage?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik reflektiert die Maßstäbe rechten Handelns in komplexen Situationen. Als philosophische Disziplin lässt sie sich weiter in normative, angewandte, deskriptive und Metaethik untergliedern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um unter sich rasch verändernden, komplexen Handlungsbedingungen handlungsfähig zu bleiben, ist ein klarer Blick auf den Kern der Problemstellungen und die langfristigen, strategischen Herausforderungen entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Was bedeutet Ethik für die Forschung?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik begutachtet keineswegs nur den Forschungsprozess und beschränkt sich nicht nur auf Technikfolgenabschätzung. Eine freie Wissenschaft steht darüber hinaus auch in der Verantwortung, aus eigener Initiative eine Nachhaltigkeitsperspektive einzunehmen und einen Beitrag gegen die Umweltzerstörung zu leisten, die das Wohl der Menschheit bedroht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ethische Diskussion will gut strukturiert sein, um tatsächlich zu einem vertieften Problemverständnis und zu überzeugenden Lösungsvorschlägen zu verhelfen. Als hilfreich kann sich eine inhaltliche Gliederung (z. B. wissenschaftliche Fragestellung – gegenwärtige Normsysteme – zugrundeliegende Handlungsprinzipien – Umsetzung in die Praxis) und visuelle Darstellung erweisen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Was_bedeutet_Ethik_f%C3%BCr_die_Forschung%3F&amp;diff=6282</id>
		<title>HOCH-N:Was bedeutet Ethik für die Forschung?</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Was_bedeutet_Ethik_f%C3%BCr_die_Forschung%3F&amp;diff=6282"/>
		<updated>2020-12-23T18:50:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: Die Seite wurde neu angelegt: „Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Auf den ersten Blick wirkt es so, als spiele Ethik für die Forschung eine nachgeordnete Rolle. Wissenschaft beschränkt sich vielfach darauf, Teilbereiche der Realität zu analysieren und die inneren Zusammenhänge dieser Beobachtungen vermeintlich rein objektiv zu ergründen. Deshalb liegt der Eindruck nahe, dass sich viele Bereiche der Wissenschaft dem Analysemedium der Ethik, die auf eine bewertende Stellungnahme zielt, verschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handlungsbezogene Ethik und verstehensbezogene Wissenschaft scheinen sich also allenfalls insofern zu überschneiden, als der Forschungsprozess sowie die entsprechenden Forschungsmethoden und -ergebnisse letztlich ethischen Maßstäben genügen müssten und nicht etwa selber ein unmoralisches Handeln zur Folge haben dürften. In dieser Form und Funktion kommt der („angewandten“) Ethik lediglich im Sinne einer „wachenden &#039;&#039;&#039;Schrankenfunktion&#039;&#039;&#039;“ für viele Forschungszweige Bedeutung zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2019): Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft, 16-17;  Nida-Rümelin, J. (2005): Angewandte Ethik. Die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kröner, 851;  Wilms, H. C. (2014): Die Unverbindlichkeit der Verantwortung: Ethikkodizes der Wissenschaft im deutschen, europäischen und internationalen Recht. Berlin: Duncker &amp;amp; Humblot, 42-43.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Relevanz der Ethik wäre demnach begrenzt auf die Restriktion bestimmter problematischer Forschungen wie z.B. am menschlichen Erbgut. Weil sich die langfristigen Folgen moderner Forschungserkenntnisse oft nur sehr schwer abschätzen lassen ist es bisweilen kaum absehbar, ob die gewonnenen Erkenntnisse für die Menschheit einen Fluch oder Segen darstellen werden – oder beides zugleich.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Deutscher Ethikrat (2014): Biosicherheit – Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft. Stellungnahme, Berlin: Deutscher Ethikrat, 53-86;  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 25.04.2020), 11-12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethisches Denken fragt in seiner normativen Ausrichtung jedoch auch noch tiefgründiger nach den Maßstäben moralisch richtigen Handelns und geht somit sehr viel weiter, indem es scheinbar isolierte Handlungen in den sie tatsächlich umgebenden weiteren &#039;&#039;&#039;gesamtgesellschaftlichen  (globalen) Kontext&#039;&#039;&#039; einordnet und sie auf diese Weise aus gerechtigkeitstheoretischer Perspektive beleuchtet. Erst aus diesem Blickwinkel zeigen sich die alles menschliche Handeln verdeckt begleitenden &#039;&#039;&#039;Konflikte und Dilemmastrukturen&#039;&#039;&#039;, die einander entgegenstehenden Ziele und Werte, beispielsweise zwischen Freiheit und Verantwortung innerhalb der Forschung. So wird unter Berufung auf das moderne positivistische Wissenschaftsverständnis rasch übersehen, dass allen Forschungsprozessen Welt- und Menschenbilder zugrunde liegen, die tragende Bedeutung für den Erkenntnisprozess selbst haben und daher bewusst reflektiert werden müssen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, Markus (2021): Christliche Umweltethik. Grundlagen und zentrale Herausforderungen. Freiburg im Breisgau: Herder, 303-312.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem weiteren ethischen Blickwinkel muss die Wissenschaft auch fragen, welche Rolle sie selbst in Bezug auf die fortschreitende, anthropozentrisch bedingte Umweltzerstörung einnehmen sollte, die die Lebenschancen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen massiv bedroht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2021, 313-323.&amp;lt;/ref&amp;gt; Angesichts des Ausmaßes dieser Gefahr handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sodass auch die Wissenschaft eine &#039;&#039;&#039;Nachhaltigkeitsperspektive&#039;&#039;&#039; einnehmen sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt, M. (2019): Ethik des Wissens. Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten des Klimawandels. München: oekom.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierzu bedarf es einer Nachhaltigkeitsethik, die systemische Zusammenhänge von Wechselwirkungen bedenkt.&amp;lt;ref&amp;gt;Vogt 2021, 301-303.&amp;lt;/ref&amp;gt; Besondere Bedeutung kommt deshalb inter- und transdisziplinärer Forschung und der Kooperation mit außerwissenschaftlichen Akteuren zu, um die komplexe Problematik umfassend analysieren und Lösungswege entwickeln zu können, die in der Praxis tatsächlich konkrete Transformationen bewirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Blick auf die Wirksamkeit der Forschungsergebnisse ist auch zu reflektieren, wie Wissen in der modernen Gesellschaft überhaupt organisiert ist und wahrgenommen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Vogt 2019;  Maasen, S. et al. (Hrsg.) (2012): Handbuch Wissenschaftssoziologie. Wiesbaden: Springer.&amp;lt;/ref&amp;gt; Besondere Beachtung verdient dabei die Frage, wie mit der schieren Fülle an Wissen und der „Informationsflut“ umzugehen ist,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ortner, H. et al. (Hrsg.) (2014): Datenflut und Informationskanäle. Innsbruck: Innsbruck University Press.&amp;lt;/ref&amp;gt; aber auch mit dem gerade hierdurch bedingten Bewusstsein von „Nichtwissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Maasen, S. (2009): Wissensoziologie. Bielefeld: Transcript, 66-67;  Luhmann, N. (1992): Ökologie des Nichtwissens. In: ders., Beobachtungen der Moderne, Opladen: Westdeutscher Verlag, 149-220.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Ethik_und_Verantwortung_in_der_Hochschulforschung&amp;diff=6281</id>
		<title>HOCH-N:Ethik und Verantwortung in der Hochschulforschung</title>
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		<updated>2020-12-23T18:40:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;[[Was ist eine ethische Frage?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik reflektiert die Maßstäbe rechten Handelns in komplexen Situationen. Als philosophische Disziplin lässt sie sich weiter in normative, angewandte, deskriptive und Metaethik untergliedern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um unter sich rasch verändernden, komplexen Handlungsbedingungen handlungsfähig zu bleiben, ist ein klarer Blick auf den Kern der Problemstellungen und die langfristigen, strategischen Herausforderungen entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was bedeutet Ethik für die Forschung?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethik begutachtet keineswegs nur den Forschungsprozess und beschränkt sich nicht nur auf Technikfolgenabschätzung. Eine freie Wissenschaft steht darüber hinaus auch in der Verantwortung, aus eigener Initiative eine Nachhaltigkeitsperspektive einzunehmen und einen Beitrag gegen die Umweltzerstörung zu leisten, die das Wohl der Menschheit bedroht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ethische Diskussion will gut strukturiert sein, um tatsächlich zu einem vertieften Problemverständnis und zu überzeugenden Lösungsvorschlägen zu verhelfen. Als hilfreich kann sich eine inhaltliche Gliederung (z. B. wissenschaftliche Fragestellung – gegenwärtige Normsysteme – zugrundeliegende Handlungsprinzipien – Umsetzung in die Praxis) und visuelle Darstellung erweisen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Wof%C3%BCr_%E2%80%9Ebraucht%E2%80%9C_man_ethische_Reflexion%3F&amp;diff=6280</id>
		<title>HOCH-N:Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?</title>
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		<updated>2020-12-23T18:39:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: Die Seite wurde neu angelegt: „Ethik „als Theorie des (...) vorzuziehenden Handelns bzw. als Theorie ‚guten‘ Handelns“[1], we…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ethik „als Theorie des (...) vorzuziehenden Handelns bzw. als Theorie ‚guten‘ Handelns“[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftn1|[1]]], welche auf die Verwirklichung von individueller Freiheit bei gleichzeitigem Respekt der Freiheit des Gegenübers verwiesen ist, kann nicht rezeptartig fertige Antworten bereitstellen. Spezifische Aufgabe eines ethischen Diskurses ist es vielmehr, &#039;&#039;einerseits&#039;&#039; zu ergründen, worin das moralische Problem praktischer Fragen besteht, das theoretisch-moralphilosophisch in wissenschaftlicher Hinsicht behandelt wird. &#039;&#039;Andererseits&#039;&#039; geht es darum, unterschiedliche Positionen auf ihre Berechtigung zu prüfen und aufzuzeigen, welche Spannungen zu benennen und zu lösen sind. Grundlage für den &#039;&#039;anwendungsorientierten Diskurs&#039;&#039; ist es, die moralischen Ansprüche, die innerhalb des Diskurses erhoben werden, zu definieren, auf Voraussetzungen und Grenzen hin zu untersuchen und (notwendige oder potenzielle) Implikationen von Argumenten zu klären.[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftn2|[2]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl die Komplexität der Sachverhalte wie auch das Tempo der Veränderungen nehmen rapide zu. In der Politik wie auch in der Wirtschaft droht ein Phänomen, das man als strukturelle Handlungsunfähigkeit in Bezug auf die langfristigen, strategischen Herausforderungen unserer Epoche beschreiben könnte. Lösungen für diese Probleme erschließen sich jedoch nicht auf den ersten Blick. Erforderlich ist es vielmehr, sich bis zu dem eigentlichen Kern der Problemstellung „vorzudenken“, diesen freizulegen und von dorther Lösungsansätze zu entwickeln. Gelingt es dann auch noch, diesen Mehrwert gut strukturierten und innovativen Denkens sichtbar zu machen, ist der erste Schritt zur Bewältigung der diffusen Problemlagen bereits vollbracht. Auf diesen Grundlagen aufbauend ist es Aufgabe der ethischen Diskussion, die moralischen Ansprüche zu systematisieren, zu reflektieren und kritisch zu prüfen. Hierbei sind Begründungsfragen der verwendeten ethischen Verständnisse zu behandeln, wobei Kontroversen hinsichtlich der Begründungen und Methoden der Ethik auftreten können.[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftn3|[3]]] Im Anschluss an die Begründungs- und Abwägungsüberlegungen können die einzelnen (meist widerstreitenden) Ansprüche gewichtet und miteinander bzw. gegeneinander abgewogen werden. Politisch betrachtet bieten die Diskussionen einen Orientierungsrahmen auf der gemeinsamen Suche nach einer adäquaten Beschreibung und einer entsprechenden Erfassung einer Problemstellung, um sich schließlich über einen Lösungsansatz zu verständigen und einen Beitrag zur Problemlösung zu leisten.[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftn4|[4]]]&lt;br /&gt;
----[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftnref1|[1]]]  Mühling, Markus (2012): Systematische Theologie. Ethik. Eine christliche Theorie vorzuziehenden Handelns, Göttingen / Bristol, 34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftnref2|[2]]] Vgl.  Ostheimer, Jochen / Zichy, Michael / Grimm, Herwig (2012): Was ist ein moralisches Problem? Zur Reflexion von Aufgabe, Methodik und Gegenstand der angewandten Ethik, in: Zichy, Michael / Ostheimer, Jochen / Grimm, Herwig (Hg.): Was ist ein moralisches Problem? Zur Frage des Gegenstandes angewandter Ethik, Freiburg im Breisgau / München, 11-32, hier: 12-14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftnref3|[3]]] Hier kann es zu einer Pluralität aufgrund verschiedener moralischer Wert- und Normvorstellungen kommen, die beispielsweise auch auf unterschiedliche ethische Theorievorstellungen oder gar auf politische Präferenzen zurückzuführen sind. Diese Diversität der angewendeten Maßstäbe zu respektieren und in die Entscheidungsbildung einfließen zu lassen, stellt eine zentrale Aufgabe ethischen Denkens dar, indem man sich der Argumente kritisch vergewissert und das Vorgehen sowie die Begründungen reflektiert und abwägt (vgl. Ostheimer et al. 2012, 13f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?#%20ftnref4|[4]]] Vgl. Höffe, Otfried (2013): Ethik. Eine Einführung, München, 16-21; 28.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<title>HOCH-N:Ethik und Verantwortung in der Hochschulforschung</title>
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		<updated>2020-12-23T18:22:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: Die Seite wurde neu angelegt: „&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Was ist eine ethische Frage?&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;  &amp;#039;&amp;#039;Ethik reflektiert die Maßstäbe rechten Handelns in komplexen Situationen. Als philosophische Disziplin lässt sie s…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;[[Was ist eine ethische Frage?]]&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ethik reflektiert die Maßstäbe rechten Handelns in komplexen Situationen. Als philosophische Disziplin lässt sie sich weiter in normative, angewandte, deskriptive und Metaethik untergliedern.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wofür „braucht“ man ethische Reflexion?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Um unter sich rasch verändernden, komplexen Handlungsbedingungen handlungsfähig zu bleiben, ist ein klarer Blick auf den Kern der Problemstellungen und die langfristigen, strategischen Herausforderungen entscheidend.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Was bedeutet Ethik für die Forschung?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Ethik begutachtet keineswegs nur den Forschungsprozess und beschränkt sich nicht nur auf Technikfolgenabschätzung. Eine freie Wissenschaft steht darüber hinaus auch in der Verantwortung, aus eigener Initiative eine Nachhaltigkeitsperspektive einzunehmen und einen Beitrag gegen die Umweltzerstörung zu leisten, die das Wohl der Menschheit bedroht.&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Wie lassen sich ethische Fragen strukturiert diskutieren?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Eine ethische Diskussion will gut strukturiert sein, um tatsächlich zu einem vertieften Problemverständnis und zu überzeugenden Lösungsvorschlägen zu verhelfen. Als hilfreich kann sich eine inhaltliche Gliederung (z. B. wissenschaftliche Fragestellung – gegenwärtige Normsysteme – zugrundeliegende Handlungsprinzipien – Umsetzung in die Praxis) und visuelle Darstellung erweisen.&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Was_ist_eine_ethische_Frage%3F&amp;diff=6278</id>
		<title>HOCH-N:Was ist eine ethische Frage?</title>
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		<updated>2020-12-23T18:22:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: Die Seite wurde neu angelegt: „Als philosophische Disziplin fragt die Ethik nach den Maßstäben guten Lebens, moralisch richtigen Handelns und gerechter Institutionen. Im Zuge dieser Suche…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als philosophische Disziplin fragt die Ethik nach den Maßstäben guten Lebens, moralisch richtigen Handelns und gerechter Institutionen. Im Zuge dieser Suche nach Handlungsregeln stellt sie sich auch grundlegenden Fragen nach der Definition von „Glück“ und „Nutzen“, der Willensfreiheit, der Urteilskraft von Vernunft und Emotionen, nach Möglichkeiten zum Austarieren einander widerstrebender Interessen, nach dem Verhältnis von Handlungsmotivation und Handlungsfolgen, von Freiheit und Verantwortung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ethik im eigentlichen Sinne sucht die „normative Ethik“ nach Prinzipien moralischen Handelns und macht auf dieser Grundlage vorschreibende Aussagen. In konkreten Handlungskontexten fragt die „angewandte Ethik“ danach, welches Handeln moralisch richtig ist. Die „deskriptive Ethik“ hingegen begründet keine moralischen Normen, sondern beschreibt und erklärt empirisch vorfindbare Normsysteme. Die „Metaethik“ schließlich untersucht die Bedeutung moralischer Begriffe und fragt nach der Begründbarkeit moralischer Urteile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ethisches Denken lässt sich somit wesentlich als &#039;&#039;&#039;„vernetztes Denken“&#039;&#039;&#039; beschreiben. In einem offenen und dynamischen &#039;&#039;&#039;Suchprozess&#039;&#039;&#039; entwickelt die ethische Reflexion Maßstäbe zur Hierarchisierung und stimmigen Einordnung von Werten und Zielen, unterscheidet zwischen Vor- und Nachrangigem. Zudem weist sie rechtzeitig auf &#039;&#039;&#039;Risiken&#039;&#039;&#039; hin, die sich erst aus einer langfristigen Perspektive bzw. in einer Gesamtschau scheinbar isolierter Faktoren zeigen. Im Rahmen dieses umfänglichen Erfassens der einzelnen Sachverhalte, der Zuordnung zueinander und der Abwägung der Zielkonflikte kommt der Wissenschaft eine entscheidende &#039;&#039;&#039;Orientierungsfunktion&#039;&#039;&#039; für Akteure und ihre Netzwerke zu.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl.  Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016): Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisation. Handreichung. München: Fraunhofer-Gesellschaft / Helmholtz-Gemeinschaft / Leibniz-Gemeinschaft &amp;lt;nowiki&amp;gt;https://www.nachhaltig-forschen.de/fileadmin/user_upload/LeNa-Handreichung_final.pdf&amp;lt;/nowiki&amp;gt; (letzter Zugriff: 25.04.2020), Seiten 22 und 38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung&amp;diff=6277</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung</title>
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		<updated>2020-12-23T18:16:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border:rgb(5242,200,20) solid 5px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot; | [[Datei:Forschung pos.png|70px]] Willkommen auf der Seite des Handlungsfelds Forschung! &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Als eines der Kerngeschäfte der Hochschule ist die Forschung im Fokus der Aufmerksamkeit. Von ihr werden nicht Erkenntnisse über die Zusammenhänge hinter den Problemen des 21. Jahrhunderts, sondern auch innovative Lösungen für dieselben erwartet. Forschung selbst soll stärker für ihr Schaffen und über die unmittelbaren Konsequenzen hinaus Verantwortung übernehmen. Auch einzelne Schritte im Forschungsprozess sollen außerdem stärker unter ethischen Gesichtspunkten gestaltet und reflektiert werden. Inmitten der vielfältigen Herausforderungen, Themen und Verfahren ist es Zeit für eine systematische Darstellung, wie nachhaltige Forschung gelingen kann.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Überblick|&lt;br /&gt;
* [[Einzelleitfäden#Leitfaden Forschung|Einzelleitfaden]]&lt;br /&gt;
* Im [[Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick|Überblick zu Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung]] werden Inhalt und Materialien nächer erläutert&lt;br /&gt;
* Ein [[Nachhaltigkeitsverständnis|Nachhaltigkeitsverständnis]] und der [[Ethik und Verantwortung in der Hochschulforschung|Hintergrund von Ethik und Verantwortung]] vor dem Forschung stattfindet.&lt;br /&gt;
* Wir stellen einen Rahmen zur [[Nachhaltigkeitsorientierung der Hochshulforschung Reflektieren|Reflexion über die Nachhaltigkeitsorientierung der Forschung]] zu Verfügung. Kolleginnen und Kollegen können diese nutzen und die zugehörige Workshopmethode anwenden. &lt;br /&gt;
* Zentrum aller Forschung ist der Forschungsprozess. Zur [[Gestaltung eines Nachhaltikgeitsorientierten Forschungsprozesses]]&lt;br /&gt;
* [[Gestaltungspotentiale für nachhaltige Hochschulforschung|Gestaltungspotentiale zur institutionellen Verankerung von Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnittstellen von Forschung zu anderen Bereichen der Hochschule}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Erfahrungsberichte|&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier ist Platz für Seiten mit Erfahrungsberichten aus dem Netzwerk. }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Mitmachen und Kontakt|&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das AP Forschung betreut die Artikel in diesem Themengebiet - neue Autor*innen sind dort immer herzlich willkommen. Zentrale Diskussionsplattform sind das Forum oder die regelmäßigen Wiki-Nutzer*innentreffen.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Aktuelles|&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Praxisbeispiel des Monats: }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{REVISIONUSER}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Nachhaltigkeit_in_der_Hochschulforschung&amp;diff=6276</id>
		<title>HOCH-N:Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung</title>
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		<updated>2020-12-23T18:15:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
{| style=&amp;quot;width: 100%; border:rgb(5242,200,20) solid 5px; text-align: left&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align: center&amp;quot; | [[Datei:Forschung pos.png|70px]] Willkommen auf der Seite des Handlungsfelds Forschung! &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Als eines der Kerngeschäfte der Hochschule ist die Forschung im Fokus der Aufmerksamkeit. Von ihr werden nicht Erkenntnisse über die Zusammenhänge hinter den Problemen des 21. Jahrhunderts, sondern auch innovative Lösungen für dieselben erwartet. Forschung selbst soll stärker für ihr Schaffen und über die unmittelbaren Konsequenzen hinaus Verantwortung übernehmen. Auch einzelne Schritte im Forschungsprozess sollen außerdem stärker unter ethischen Gesichtspunkten gestaltet und reflektiert werden. Inmitten der vielfältigen Herausforderungen, Themen und Verfahren, ist es Zeit für eine systematische Darstellung wie nachhaltige Forschung gelingen kann.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Überblick|&lt;br /&gt;
* [[Einzelleitfäden#Leitfaden Forschung|Einzelleitfaden]]&lt;br /&gt;
* Im [[Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung - ein Überblick|Überblick zu Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung]] werden Inhalt und Materialien nächer erläutert&lt;br /&gt;
* Ein [[Nachhaltigkeitsverständnis|Nachhaltigkeitsverständnis]] und der [[Ethik und Verantwortung in der Hochschulforschung|Hintergrund von Ethik und Verantwortung]] vor dem Forschung stattfindet.&lt;br /&gt;
* Wir stellen einen Rahmen zur [[Nachhaltigkeitsorientierung der Hochshulforschung Reflektieren|Reflexion über die Nachhaltigkeitsorientierung der Forschung]] zu Verfügung. Kolleginnen und Kollegen können diese nutzen und die zugehörige Workshopmethode anwenden. &lt;br /&gt;
* Zentrum aller Forschung ist der Forschungsprozess. Zur [[Gestaltung eines Nachhaltikgeitsorientierten Forschungsprozesses]]&lt;br /&gt;
* [[Gestaltungspotentiale für nachhaltige Hochschulforschung|Gestaltungspotentiale zur institutionellen Verankerung von Nachhaltigkeit in der Hochschulforschung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schnittstellen von Forschung zu anderen Bereichen der Hochschule}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Erfahrungsberichte|&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier ist Platz für Seiten mit Erfahrungsberichten aus dem Netzwerk. }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Mitmachen und Kontakt|&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das AP Forschung betreut die Artikel in diesem Themengebiet - neue Autor*innen sind dort immer herzlich willkommen. Zentrale Diskussionsplattform sind das Forum oder die regelmäßigen Wiki-Nutzer*innentreffen.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {{:Portal/AP-Seite|Aktuelles|&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Praxisbeispiel des Monats: }}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{REVISIONUSER}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Freiheit_und_Verantwortung_der_Wissenschaft&amp;diff=6274</id>
		<title>HOCH-N:Freiheit und Verantwortung der Wissenschaft</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.dg-hochn.de/index.php?title=HOCH-N:Freiheit_und_Verantwortung_der_Wissenschaft&amp;diff=6274"/>
		<updated>2020-12-23T16:11:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;CWeber: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Nachhaltigkeit ist ein Verantwortungsdiskurs, dessen starke normative Aufladung in seiner Tiefenstruktur keineswegs zu gängigen Vorstellungen von Freiheit, Autonomie und wissenschaftlicher Exzellenz der Hochschulen passt (vgl. Strohschneider 2014). Sein integrativer Anspruch steht quer zum Prozess zunehmender Ausdifferenzierung (vgl. Mittelstraß 2015). Es wird befürchtet, dass die Freiheit der Wissenschaft für ethisch-politische Ziele in Anspruch genommen und so geopfert wird. Dies ist der Grund für kontroverse wissenschaftspolitische Debatten, die unter verschiedenen Überschriften wie z. B. „Transdisziplinarität“ (Mittelstraß 2003), „Öffentlichkeitswissenschaft“ (Beck 2007, 91f.), „citizen science“ (Finke 2014; Forschungswende 2018), „dialogisches“ und „integrales Hochschulsystem“ (Müller-Christ 2017, 166f.), „third mission“ (Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg 2016), „Transformative Wissenschaft“ (Grunwald 2015; Schneidewind et al. 2013; Schneidewind 2015) oder „Sustainability in Science“ geführt werden (vgl. zum Folgenden auch Vogt 2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sollte daher den Anspruch an Wissenschaft, die Welt nicht nur zu denken, sondern auch zu gestalten, nicht primär aktivistisch als Verantwortungsappell auslegen, sondern zunächst wissenschafts- und normtheoretisch reflektieren. Das Kernproblem besteht in der Zuordnung von empirischen, normativen und transformativen Anteilen des Wissens (vgl. Vogt 2013; Schneider &amp;amp; Vogt 2018).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Grundlage einer kritischen ethischen Reflexion der Reichweite und der Grenzen der jeweils vorausgesetzten wissenschaftstheoretischen Modelle sollen stets die jeweiligen Anschlussstellen zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen und anderen Kulturen diskutiert und so Kollaborationen ermöglicht werden. Diese Kollaboration zwischen den Disziplinen sowie zwischen Wissenschaft und weiteren gesellschaftlichen Akteur*innen effektiv auszugestalten, verlangt  jedoch auch nach zusätzlichen epistemologischen und methodischen Ansätzen, die über die Disziplingrenzen hinausgehen. Nur auf diese Weise kann den komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt angemessen Rechnung getragen werden. Neben disziplin-spezifischen Ergebnissen der Wissenschaften stehen fächerübergreifende Forschungserkenntnisse im Vordergrund, da gerade diese aufgrund der Komplexität und Multikausalität der Entwicklungsprobleme von großer Bedeutung sind. Die Verbindung problemdiagnostizierender und lösungsorientierter Forschung durch Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Fachdisziplinen sowie zwischen Hochschulen und weiteren Teilen der Gesellschaft verwirklicht den Charakter von Nachhaltigkeit als ein disziplinübergreifendes, normatives und gesellschaftsrelevantes Prinzip. Wissenschaft braucht innovative, inter- und transdisziplinäre Forschung in und zwischen Geistes- und Kulturwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Natur- und Ingenieurwissenschaften und Medizin. Dabei wird die methodisch differenzierte Spezialisierung der Fachdisziplinen nicht aufgehoben. Wissenschaft lebt auch von Spezialisierungen. Forschung für eine Nachhaltige Entwicklung kann daher auch unter zentralen Teilaspekten wie beispielsweise Klimawandel, Bioökonomie oder Transformationsforschung firmieren. Bisweilen fördert dies eine konkrete Lösungsorientierung. Allerdings dürfen dabei die bereichsübergreifenden Querschnittszusammenhänge nicht aus dem Blick geraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit sollen die Hoch- schulen in gleicher Weise mit der Generierung von Systemwissen (Wissen über Zusammenhänge und Mechanismen in ökologischen und sozioökonomischen Systemen), Zielwissen (Wissen über wünschenswerte Systemzustände) und Transformationswissen (Wissen zur Auslösung und Ausgestaltung konkreter Veränderungsprozesse) Beiträge zu einer gesellschaftlich verantwortlichen Entwicklung leisten (vgl. ProClim 1998, 15-20). Wissenschaft kann hierbei als „Katalysator der Großen Transformation“ (vgl. Schneidewind 2018, 451) angesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochschulen stehen jedoch einer Vielfalt heterogener Rollenerwartungen gegenüber: Ausbildung einer stetig wachsenden Zahl von Studierenden, Produktion von innovativem Wissen für die Wirtschaft, Ort des kritischen Denkens. Durch die Vielzahl der Erwartungen entsteht ein erheblicher Druck. Autonomie hilft dabei, die Produktivitäts- und Effizienzpotentiale zu mobilisieren. Häufig ist sie jedoch eine Scheinautonomie, da sie lediglich dazu genutzt wird, die faktischen Ressourcenzwänge mit einem Spektrum an naheliegenden Managementinstrumenten, die meist einem betriebswirtschaftlichen Rationalitätsmodell folgen, zu beantworten (vgl. Schneidewind et al. 2013, 84; Müller-Christ 2017, 171).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Steigerung universitärer Autonomie durch Befreiung von staatlichem und politischem Einfluss mündet nicht selten in eine Vereinnahmung durch andere Teilsysteme (z. B. Wirtschaft als Drittmittelgeber).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Autonomie von Forschung zu sichern, bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen institutionellen Handlungsbedingungen. Hochschulen sind strukturpolitische Akteur*innen, d. h. Institutionen, die durch ihr Handeln nicht ausschließlich auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen reagieren, sondern mit ihren Strategien auf diese aktiv einwirken (vgl. Schneidewind et al. 2013, 102). Dafür müssen sie die multiplen Anforderungen an Hochschulen als Chance ihrer Weiterentwicklung wahrnehmen und zu gesellschaftlichen Brückenbauer*innen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsystemen werden. Autonomie bedeutet, sich im Feld pluraler Ansprüche frei zwischen den Systemen zu bewegen. Dies wird nur gelingen, wenn die Spannungsfelder produktiv im Sinne eines intelligenten Dilemma-Managements, einer hohen Ambiguitätstoleranz sowie von Transparenz und Glaubwürdigkeit balanciert werden (vgl. Schneidewind et al. 2013, 86f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stärkste Argument gegen die wissenschafts- oder hochschulpolitische Förderung von nachhaltigkeitsorientierter Forschung ist, dass dies unvereinbar sei mit der Autonomie der Universitäten und der Freiheit der pluralistischen Forschung. Sie münde in subtile Formen von Planwissenschaft. Sie instrumentalisiere die Wissenschaft für politisch und damit außerwissenschaftlich definierte Ziele. Das Modell der transformativen Wissenschaft münde in eine Preisgabe der wissenschaftlichen Wahrheitssuche zugunsten des Kriteriums einer spezifischen gesellschaftlichen Nützlichkeit (vgl. Strohschneider 2014, 181).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem ist entgegenzuhalten, dass Nachhaltigkeit kein extern vorgegebenes und festgelegtes Ziel ist, sondern ein offener Suchprozess mit heterogenen Zielkomponenten, der sich von daher plural und kulturvariabel gestaltet (vgl. Vogt 2013, 134-179 und 369-372). Sie ersetzt keine normativen Debatten, sondern fordert sie heraus. Voraussetzung dafür ist freilich, dass das Adjektiv „nachhaltig“ nicht synonym für „gut“ verwendet und als per se gut bewertet wird, sondern die damit verbundenen Zielkonflikte benannt werden. Transformative Wissenschaft thematisiert die Bedingungen und Ziele des Forschens. Sie zielt nicht auf eine Aufweichung von Qualitätsstandards zugunsten praktischer Zwecke, sondern auf eine selbstreflexive und pluralistische Wertdebatte über gute Bildung und exzellente Forschung. Dabei wird die Fähigkeit der Wissenschaft, nicht nur Daten zu sammeln, sondern diese auch zu bewerten und Handlungsempfehlungen zu geben, als Exzellenzkriterium verstanden. Dies zielt auf eine „Exzellenz der Verantwortung“, die sich in der Fähigkeit bewährt, die epistemischen und strukturellen Ursachen von Werte- und Gerechtigkeitskonflikten aufzuzeigen und dabei auch Dilemmata zu benennen, zugleich aber klare Optionen und Prioritäten zu vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzept „Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung“, das im Zuge des LeNa-Projekts erarbeitet wurde (Fraunhofer-Gesellschaft et al. (Hg.) 2016, 38-40), hat methodische Maßstäbe gesetzt, die auch für Hochschulen fruchtbar gemacht werden können. Es bedarf jedoch einer ethisch-systematischen Reflexion über den Begriff „Verantwortung“ (vgl. Vogt 2016, 7-38). Dieser erschließt Zugänge zu einem existentiellen Verständnis dessen, was Ethik ist: Sie ist nicht einfach die deduktive Anwendung von Normen und Prinzipien in geschlossenen Theoriemodellen. Eine Ethik der Verantwortung meint das Antwort-Geben auf die Herausforderungen des Zusammenlebens in der jeweiligen Situation. Sie ist aufmerksame Sorgfalt im Umgang mit Menschen sowie komplexen technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Verantwortung als Tugend meint das aktiv planende und stets lernbereite Wahrnehmen von Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens. Sie ist eine Grundhaltung. Verantwortung äußert sich in der Bereitschaft, sich und anderen für das eigene Handeln Rechenschaft zu geben. Auch die Hochschulen sind angesichts der tiefen Umbrüche gegenwärtiger Entwicklung herausgefordert, über die Legitimität ihrer Art der Wissensproduktion Rechenschaft abzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst der Verantwortung ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Ebenen von Zuständigkeiten und Graden von Verbindlichkeit, die Unterscheidung zwischen Vorrangigem und Nachgeordnetem sowie die konsequente Ausrichtung auf Befähigungsgerechtigkeit im Sinne subsidiärer Stärkung von Autonomie, Eigenpotentialen und Partizipation. Dafür spielt Wissensgenerierung und -vermittlung eine zentrale Rolle. Verantwortung ist nicht nur deklamatorisch vom Wünschenswerten her zu denken, sondern ebenso von ihrem konstitutiven Bezug auf Freiheit. Freiheit entsteht aus der Praxis von Verantwortung. Die wichtigste Form der Verantwortung von Hochschulen ist und bleibt, Personen zu befähigen, ihr Reflexionspotential zu stärken und gemeinsam zeitgemäßes Handlungswissen zu erarbeiten. Kluge und verantwortungsfähige Persönlichkeiten sind eine unverzichtbare „Ressource“ moderner Wissensgesellschaften. Die vornehmste Verantwortung der Universitäten ist die Freiheit des Denkens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weiterführende Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft (Hg.) (2016) Nachhaltigkeits- management in außeruniversitären Forschungs- organisationen. Handreichung, München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Müller-Christ, G. (2017) Nachhaltigkeitsforschung in einer transzendenten Entwicklung des Hochschulsystems – ein Ordnungsangebot für Innovativität, in: Leal, W. (Hg.): Innovationen in der Nachhaltigkeitsforschung – ein Beitrag zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Springer-Verlag Heidelberg, 161-180.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Schneidewind, U. (2018) Die Große Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels, Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Strohschneider, P. (2014) Zur Politik der Transformativen Wissenschaft. In A. Brodocz, D. Hermann, R. Schmidt,&lt;br /&gt;
D.	Schulz &amp;amp; J. Schulze Wessel (Hg.), Die Verfassung des Politischen (S. 175-192). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Vogt, M. (2018) Grenzen der Harmonie. Zur Spannung zwischen Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft, in: Homepage Verbundprojekt HOCHN, https:// www.hochn.uni-hamburg.de/-downloads/180717-vor- trag-vogt-freiheit-und-verantwortung.pdf (Letzter Abruf vom 20.09.2018).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:ForscherInnen]] [[Category:Forschung]] [[Category:Hintergrundinformationen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>CWeber</name></author>
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