Status quo Analyse klimarelevanter Bereiche einer Hochschule
| Status quo Analyse klimarelevanter Bereiche einer Hochschule | |
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| Eine Status quo Analyse im Rahmen des Projekts KlimaPlanReal ist die systematische Erhebung und Bewertung des aktuellen Standes aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. | |
| Handlungsfelder | |
Governance
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| Themenbezug | |
| Stichworte | |
Klimaschutz, Akteur*innenanalyse, THG-Bilanz, Wirkindikatorenbetrachtung
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| Zielgruppe | |
Forschende, Lehrende, Studierende, Verwaltungsmitarbeitende, Hochschulleitung, ProfessorIn, Dozent(in), Wissenschaftliche(r) Mitarbeiter(in)
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Erläuterung Status Quo Analyse?
Eine Status Quo Analyse, wie sie im Rahmen des Projekts KlimaPlanReal durchgeführt wurde, ist die systematische qualitative und quantitative Erhebung sowie Bewertung des aktuellen Stands aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. Sie kann als fachliche und strategische Grundlage zur Entwicklung und Priorisierung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen dienen.
Ziel ist es, Transparenz über die Ausgangssituation zu schaffen, Datenlücken zu identifizieren und konkrete Ansatzpunkte für die Transformation zur Klimaneutralität abzuleiten. Die im Projekt erstellten Status-quo-Analysen der beteiligten Hochschulen sind auf der Projektwebsite der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg öffentlich zugänglich.
(KlimaplanReal, 2023a).[1](für HS vorzugsweise impactrelevante Wirkindikatoren nach Künzel et al., 2023[2]).
Methodisches Vorgehen
Akteur*innenanalyse
Die Akteur*innenanalyse dient der systematischen Identifikation und Bewertung aller relevanten Akteur*innen im Kontext des Klimaschutzes an der Hochschule. Ziel ist es, sowohl interne als auch externe Personen, Gruppen und Institutionen zu erfassen, die Einfluss auf Klimaschutzaktivitäten haben oder von diesen betroffen sind.
Dabei wird zwischen formellen Akteur*innen (mit klarer Zuständigkeit durch die Tätigkeitsbeschreibung einer Stelle, z. B. in der Verwaltung) und informellen Akteur*innen (mit freiwilligem Engagement ohne formelle Zuständigkeit) unterschieden. Ergänzend können weitere Aspekte wie Interessen, Einflussmöglichkeiten, Ressourcen oder Rollen berücksichtigt werden.
Eine frühzeitige Akteur*innenanalyse hilft, potenzielle Widerstände zu erkennen, Unterstützerinnen einzubinden und zielgerichtete Kommunikations- und Beteiligungsprozesse zu gestalten. Sie bildet zudem die Grundlage für die Erfassung bestehender Klimaschutzmaßnahmen sowie für die Datenerhebung im Rahmen der Treibhausgasbilanz.
Für die Analyse empfiehlt es sich, zentrale Handlungsfelder zu betrachten, z. B.:
- Regenerativer Campus (Energie, Wasser, Abfall, Biodiversität)
- Mobilität (Pendelmobilität, Dienstreisen)
- Beschaffung und optional Ernährung
Schritt 1: Identifikation der Akteur*innen
- Recherche interner Akteur*innen über Hochschulwebseiten und Dokumente (z. B. Hochschulleitung, Verwaltung, Fachbereiche, Studierendenvertretung, Nachhaltigkeitsstrukturen).
- Identifikation externer Akteur*innen (z. B. Kommunen, Energieversorger, Studierendenwerke, NGOs, Unternehmen).
Schritt 2: Kategorisierung und Datenerhebung
- Durchführung von Interviews oder Befragungen entlang der Handlungsfelder
- Potenzielle Leitfragen:
- Gibt es eine formelle Zuständigkeit der Person im betrachteten Handlungsfeld?
- Welche klimaschutzrelevanten Aktivitäten, entsprechend der Tätigkeitsbeschreibung des Mitarbeitenden (formell), wurden und werden bereits umgesetzt (z.B. Beauftragung der Abfallentsorgung)?
- Hat der Akteur ein informelles Interesse (z.B. Biodiversität) aber keine formelle Zuständigkeit?
- Welche informellen Aktivitäten, also ohne formelle Legitimation gab es bereits und gibt es aktuell (z.B. Bau von Vogelhäusern)?
- Ggf. weitere Aspekte wie Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen erheben/ erfragen (z. B. „Initiator*in“, „Entscheider*in“, „Umsetzer*in“;
- Tools: Hinweise und Vorlagen für Akteur*innenprofile
- Hinweise zur Akteurseinbindung des Umweltbundesamtes (UBA, 2022)
- Vorlage: Stakehoder Identification and Analysis (ACU, 2002)
- Vorlage: Climate Adaptation stakeholder map by Adaption Scotland (2022)
Schritt 3: Dokumentation
- Strukturierte Aufbereitung der Ergebnisse in Form einer Tabelle oder Matrix (z. B. nach Akteur*in, Zuständigkeit, Aktivitäten, Rolle).
Übrige Forschungsprojekte mit Bezug zu den Themenbereichen wurden tabellarisch aufgeführt."(Hochschule Anhalt, 2023)[3]
Qualitative Analyse: bisherige Klimaschutzmaßnahmen und Governance-Strukturen
Vorgehensweise im Projekt KlimaPlanReal
Im Projekt KlimaPlanReal wurden an den einzelnen Verbundhochschulen umfassende Akteur*innenanalysen durchgeführt, um eine Grundlage für die Maßnahmenentwicklung der Hochschulklimaräte zu bilden. Die Analyse war ein wesentlicher Bestandteil der Status quo Berichte und diente dazu, alle relevanten Personen, Gruppen und Institutionen zu identifizieren, die Einfluss auf die Klimaschutzaktivitäten der Hochschule haben oder von ihnen betroffen sind. Ziel der Analyse war es, sowohl interne als auch externe Akteur*innen der Hochschule zu ermitteln, die für die Entwicklung zukünftiger Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt werden sollten und bei Bedarf konsultiert werden können. Dabei wurde zwischen formellen (mit legitimierter Zuständigkeit) und informellen (ohne konkrete Legitimation) Akteur*innen unterschieden. Zusätzlich wurden auch indirekt mit den Handlungsfeldern verbundene Akteur*innen in die Analyse einbezogen. Durch das Verständnis der Interessen, Einflussmöglichkeiten und Kooperationspotenziale der identifizierten Akteur*innen sollte eine gezielte Einbindung in den Transformationsprozess gewährleistet werden.
"Die OVGU hat im Rahmen ihrer Akteur*innenanalyse alle relevanten Statusgruppen und externe Partner systematisch erfasst und ihre Rollen im Klimaschutzprozess bewertet. Die Ergebnisse wurden in einer Power-Interest-Matrix visualisiert und dienten als Basis für die Auswahl der Teilnehmenden am Hochschulklimarat" (KlimaplanReal, 2023a).[1]
Good Practice Empfehlungen
Eine systematische Akteur*innenanalyse ermöglicht es, Widerstände frühzeitig zu erkennen, Unterstützer*innen zu gewinnen und gezielte Kommunikations- und Beteiligungsstrategien zu entwickeln. Es ist wichtig sich frühzeitig einen guten Überblick über die wesentlichen Akteur*innen zu verschaffen. Im Folgenden ist beispielhaft eine schrittweise Vorgehensweise dargestellt:
- Schritt: Identifikation der Akteur*innen
- Erfassung aller internen Akteur*innen (z. B. Hochschulleitung, Fachbereiche, Verwaltung, Studierende, Personalrat, Nachhaltigkeitsbüro).
- Erfassung aller externen Akteur*innen (z. B. Stadtverwaltung, Energieversorger, Studierendenwerk, NGOs, regionale Unternehmen).
- Schritt: Kategorisierung und Analyse
- Nutzung einer „Power-Interest-Matrix“ zur Einordnung der Akteur*innen nach Einfluss (Power) und Interesse (Interest) am Klimaschutzprozess
- Stakeholder-Interviews: Standardisierte Fragenkataloge für Akteur*innengespräche
- Bewertung der Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen (z. B. „Treiber*in“, „Blockierer*in“, „Multiplikator*in“; Tool: Dokumentationsvorlage für Akteur*innenprofile
- Schritt: Datenerhebung
- Durchführung von Interviews, Workshops oder Online-Umfragen, um Erwartungen, Bedenken und Vorschläge der Akteur*innen zu erfassen.
- Dokumentation der Ergebnisse in einer übersichtlichen Tabelle oder Matrix.
- Schritt: Ableitung von Handlungsempfehlungen
- Identifikation von Schlüsselpersonen („Kümmerer*innen“) in den einzelnen Bereichen.
- Entwicklung spezifischer Strategien für die Einbindung der wichtigsten Akteur*innen (z. B. regelmäßige Jour Fixe mit der Hochschulleitung, Informationsveranstaltungen für Studierende).
Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz)
Vorgehensweise im Projekt KlimaPlanReal
Eine umfassende Treibhausgasbilanzierung ermöglicht es, Emissionsquellen und -senken zu identifizieren und Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen oder zur Steigerung von Emissionssenken zu planen. Die THG Bilanzierung im Rahmen des Projektes entsprach dem Standard des Greenhouse Gas Protocol (Greenhouse Gas Protocol, 2015)[4]. Für die Status quo Analyse wurden Scope 1 bis Scope 3 einbezogen. Die Bilanzierung der Treibhausgase (THG) erfolgte mittels einer Vorgängerversion des Klimaxtools der Hochschule Magdebug-Stendal.
"An der OVGU wurden Energieverbräuche über Gebäudemanagementdaten erhoben, während Mobilitätsdaten durch eine campusweite Umfrage gewonnen wurden. Die MLU ergänzte dies durch vertiefende Interviews mit Fachreferent*innen zur Beschaffungspraxis." (KlimaPlanReal 2023a[1] & b)[5]
Good Practice Empfehlungen
- Frühzeitige Beteiligung aller relevanten Akteur*innen: z. B. Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen, ggf. Studierendenvertretung zur Datenbeschaffung und -Validierung (Plausibilitätsprüfung durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks, z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen).
- Nutzung einer Dokumentationsvorlage: Tabellarische Übersicht mit Feldern für Datenquelle, Verantwortung und Qualitätsbewertung.
- Lückenidentifikation: Systematische Darstellung unzureichend vorhandener Daten. Alternative: Nutzung von Schätzwerten (z. B. durchschnittliche Reisestatistiken) und Kennzeichnung als „unsichere Daten“.
- THG-Bilanzierung nach dem Greenhouse Gas Protocol (Scope 1–3) zur Erfassung direkter und indirekter Emissionen (bspw. KliMax-Tool, oder eigene Kalkulationsgrundlagen)
- Visualisierung: Erstellung von Diagrammen und Heatmaps (z. B. „CO₂-Fußabdruck nach Bereich“) für eine intuitive Kommunikation.
Indikatorenbasierte Bewertung
Vorgehensweise im Projekt KlimaPlanReal
Anhand von externen Wirkindikatoren können Veränderungen im Zeitverlauf sichtbar gemacht werden. Auch können Wirkindikatoren dazu genutzt werden, einen Vergleich zwischen Hochschulen anzustellen, wobei standortspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Im Rahmen des Projektes KlimaPlanReal wurden in einem mehrstufigen Prozess der Verbundhochschulen eine gemeinsame Liste der Wirkindikatoren abgestimmt und definiert. Die Wirkindikatoren wurden als Teil der Status quo Analyse zur Messung und Bewertung herangezogen und boten die Möglichkeit, Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltbilanz zu ergreifen.
"Darüber hinaus werden weitere nachhaltigkeitsbezogene Wirkindikatoren, wie etwa Versiegelte Fläche (m²) oder Restabfall (m³), erhoben. Klimaneutralität ist eine mehrdimensionale Herausforderung und mit weiteren wichtigen Zielen wie den Erhalt der Biodiversität, Ressourcenschonung sowie intergenerationaler und globaler Gerechtigkeit zusammen zu denken. " (KlimaplanReal, 2023b)[5]
Good Practice Empfehlungen
- Indikatorenkatalog: Nutzung der impactrelevanten Wirkindikatoren nach Künzel et al. (2023) für vergleichbare Benchmarks oder eigene Frameworks.
- Frühzeitige Beteiligung aller relevanten Akteur*innen: Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen, ggf. Studierendenvertretung zur Datenbeschaffung und -Validierung (Plausibilitätsprüfung durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks, z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen).
- Kombinierte Methodik: Nutzung quantitativer (z. B. Energieverbrauchsdaten, Mobilitätsstatistiken) und qualitativer Daten (Interviews, Umfragen, Dokumentenanalysen).
- Nutzung einer Dokumentationsvorlage: Tabellarische Übersicht mit Feldern für Datenquelle, Verantwortung und Qualitätsbewertung.
Zusammenfassung & Empfehlungen
Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte
Die Status quo Analyse bildet das Fundament für alle weiteren Klimaschutzaktivitäten einer Hochschule. Sie umfasste im Projekt KimaPlanReal:
- Qualitative Analyse bestehender Maßnahmen und Strukturen: Bewertung vorhandener Klimaschutzaktivitäten, Governance- und Kommunikationsstrukturen.
- Akteur*innenanalyse: Identifikation und Bewertung aller relevanten internen und externen Akteur*innen, ihrer Interessen, Einflussmöglichkeiten und Kooperationspotenziale.
- Erhebung und Auswertung der THG-Bilanz: Systematische Erfassung der Emissionen in allen relevanten Bereichen (Energie, Mobilität, Beschaffung, Biodiversität, Abfall).
- Nutzung von Indikatoren und Benchmarks: Vergleich mit anderen Hochschulen und Nutzung von Kennzahlen zur objektiven Bewertung.
- Dokumentation und Kommunikation: Transparente Darstellung der Ergebnisse und frühzeitige Einbindung aller relevanten Gruppen.
Empfehlungen für andere Hochschulen
Auf Grundlage der im Projekt KlimaPlanReal gemachten Erfahrungen in der Erstellung einer Status quo Analyse können folgende Empfehlungen gegeben werden:
- Frühzeitige Einbindung von Akteur*innen: Es sollte sichergestellt werden, dass alle relevanten Personen und Gruppen von Anfang an eingebunden sind. Dazu gehören Verwaltung, Wissenschaftler*innen, Studierende und relevante externe Partner*innen. Diese Beteiligung erhöht die Datenqualität und fördert die Akzeptanz der Ergebnisse.
- Klare Verantwortlichkeiten: Es ist günstig genau festzulegen, wer für welche Datenerhebung, -auswertung und -validierung zuständig ist. Diese Klarheit verhindert Verantwortungsdiffusionen und Missverständnisse und fördert eine effiziente Umsetzung der Status quo Analyse.
- Standardisierte Methoden und Tools: Verwenden Sie etablierte Standards (z. B. das GHG Protocol), um die Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse sicherzustellen.
- Quantitative und qualitative Ansätze: Kombinieren Sie in der Status quo Analyse zahlenbasierte Daten und qualitative Beschreibungen, um ein umfassendes Bild ihrer aktuellen Situation vermitteln zu können. Weiche Faktoren wie Kommunikationsstrukturen und interpersonelle Dynamiken sind ebenso entscheidend wie harte Zahlen.
- Transparente Kommunikation: Ein fortlaufender Austausch und offene Dokumentation des Analyseprozesses und der erarbeiteten Ergebnisse schaffen Vertrauen und ermutigen die Akteur*innen zur aktiven Mitwirkung. Regelmäßige Updates zum Bearbeitungsstand halten alle Beteiligten informiert und engagiert.
- Flexibilität und Lernbereitschaft: Seien Sie bereit, aus Fehlern und Feedback zu lernen. Die Fähigkeit Prozesse anzupassen und kontinuierlich zu verbessern, ist wesentlich für den Erfolg der Analyse.
Links, Material, Ansprechpersonen
Literaturverzeichnis
- ↑ 1,0 1,1 1,2 KlimaplanReal (2023a). Status Quo Bericht OVGU. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/OVGU+_+Status+Quo+Bericht-p-330.pdf
- ↑ Künzel, C., Rühmland, S., Kastner, K., Zigann, J., Dullau, S., Pfitzner, B., Klinner, A., Bub, F., Döhle, F., & Hensen, H. (2023). Indikatoren für den Klimaimpact an Hochschulen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14966175
- ↑ Hochschule Anhalt (2023). Status Quo Bericht HSA. Hochschule Anhalt. https://www.hs-anhalt.de/fileadmin/Dateien/Nachhaltigkeit/KlimPlanReal/2023-11-23_KlimaPlanReal_Status_Quo_Bericht_HSA_onlineversion.pdf
- ↑ Greenhouse Gas Protocol (2015). A Corporate Accounting and Reporting Standard (Revised Edition). World Resources Institute & World Business Council for Sustainable Development. https://ghgprotocol.org/corporate-standard
- ↑ 5,0 5,1 KlimaplanReal (2023b). Status Quo Bericht MLU. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/Status+Quo+Bericht+MLU.pdf