Digitaler Zwilling
Als Digitale Werkzeuge bauen Digitale Zwillinge auf Digitalen Modellen und Digitalen Schatten auf. Als Alleinstellungsmerkmal gilt die Erhebung und Verarbeitung von Daten über ein Realsystem. Zusätzlich verfügen sie über die Möglichkeit, basierend auf Simulations- oder Analyseergebnissen, Einfluss auf das Realsystem zu nehmen. Fundamentale Eigenschaft ist entsprechend die bidirektionale Interaktion zwischen Zwilling und Realsystem.[1]
Diskussion zur Begriffsdefinition
In der Literatur ist die Definitionslage zum Begriff "Digitaler Zwilling" nicht eindeutig. Insbesondere besteht Unklarheit darüber, ob ein Digitaler Zwilling ohne die Existenz eines realen Systems bestehen kann. Michael Grieves, Mitbegründer des Konzeptes Digitaler Zwillinge, stellt in Zusammenarbeit mit John Vickers dar, dass ein Zwilling bereits in der Entstehungsphase oder als Aggregat bereits abgeschlossener Lebenszyklen von Produktsystemen existieren kann.[2] Ein bidirektionaler Austausch zwischen Zwilling und Realsystem in Echtzeit ist so nicht realistisch. Dies eröffnet die Diskussion über die Notwendigkeit des Echtzeitaustauschs von Informationen, um von einem Digitalen Zwilling sprechen zu können und ob gar eine manuelle Rückspeisung von Informationen an das Realsystem dafür ausreicht.
Arbeitsdefinitionen
Aufgrund der unklaren Definition Digitaler Zwillinge findet man verschiedene Arbeitsdefinitionen, die anstelle einer abstrakten Begriffsdefinition vereinheitlichen, welchen Zweck ein Digitaler Zwilling im jeweiligen Kontext haben soll.
REKLINEU II
Im Rahmen des BMFTR-geförderten Verbundprojektes REKLINEU II wird untersucht, welche Transformationspotenziale durch den Einsatz von Digitalen Zwillingen an Hochschulen im Hinblick auf Klimaneutralität bestehen [3]. Dazu werden Digitale Zwillinge wie folgt definiert, um eine erste einheitliche Basis für die aufbauende Darstellung und Kommunikation innerhalb des Projektkonsortiums und für den Austausch mit anderen Hochschulen zu begründen:
Im Rahmen von REKLINEU II verstehen wir Digitale Zwillinge als digitale Repräsentationen von Objekten oder Systemen der realen Welt, die durch die Integration und Verarbeitung von Struktur- oder Echtzeitdaten
- die Objekte oder Systeme monitoren und hinsichtlich definierter Metriken bewerten,
- die Simulation und Analyse von Zukunftsszenarien ermöglichen und so Anwendern als Werkzeuge dienen, strategische Maßnahmen im Planungsprozess zu evaluieren, und
- unter der Voraussetzung gegebener Steuerungsmechanismen, die realen Objekte oder Systeme hinsichtlich einer vorgegebenen Zielsetzung, automatisiert oder manuell, optimieren.
- ↑ Brarda, P.G., Fernandez, G. und Ayala, N.F. (2026) „Digital Twin, Digital Shadow or Digital Model? A Systematic Literature Review“, in H. Mizuyama u. a. (Hrsg.) Advances in Production Management Systems. Cyber-Physical-Human Production Systems: Human-AI Collaboration and Beyond. Cham: Springer Nature Switzerland, S. 306–319. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/978-3-032-03538-7_22.
- ↑ Grieves, M. und Vickers, J. (2017) „Digital Twin: Mitigating Unpredictable, Undesirable Emergent Behavior in Complex Systems“, in F.-J. Kahlen, S. Flumerfelt, und A. Alves (Hrsg.) Transdisciplinary Perspectives on Complex Systems: New Findings and Approaches. Cham: Springer International Publishing, S. 85–113. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/978-3-319-38756-7_4.
- ↑ Universität Würzburg, WueLAB Nachhaltigkeitslabor (2026) REKLINEU II, Regionale Wege zu klimaneutralen Hochschulen. Würzburg. Verfügbar unter: https://reklineu.de/ (Zugegriffen: 21. Juli 2026).