Internationale Herangehensweisen und Good Practices alternativer Förderansätze, Barcamp, 18.03.26

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Das Barcamp beleuchtete, wie Nachhaltigkeitstransformation an Hochschulen in Deutschland in einer komplexen, föderalen Förderlandschaft stattfindet, die vielfältige Möglichkeiten bietet, aber auch hohe Koordinations- und Abstimmungsanforderungen mit sich bringt. Deutlich wurde ein Spannungsfeld zwischen projektorientierten Förderlogiken und offenen, langfristigen Transformationsprozessen sowie ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen großen Förderprogrammen und fehlenden niedrigschwelligen Formaten.

Internationale Herangehensweisen und Good Practices alternativer Förderansätze, Barcamp, 18.03.26
Datum
Mi 18 März 2026 09:15 Uhr
Bezug Wiki-Themen



Ausgangspunkt und Kontext

Ausgangspunkt der Diskussion war ein Impulsvortrag von Dr. Susanne Bührer (Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, ISI), der internationale Beispiele für Nachhaltigkeitsaktivitäten in Hochschulsystemen in den Blick nahm. Die Teilnehmenden des Barcamps kamen aus den Projekten der Förderlinie Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen und brachten entsprechende Praxiserfahrungen ein.

Fokus der Diskussion war neben der Frage nach einzelnen (auch institutionellen) Förderansätzen die Beobachtung, dass sich Nachhaltigkeitstransformation an Hochschulen in Deutschland innerhalb einer föderal und sektoral ausdifferenzierten Förderarchitektur vollzieht. Im Vergleich zu stärker zentral gesteuerten Systemen (z. B. Frankreich) entstehen daraus spezifische Möglichkeiten, aber auch strukturelle Begrenzungen.

Systemische Eigenheiten und ihre Effekte

Vielfältige Förderzugänge bei fehlender Gesamtlogik

Fördermöglichkeiten existieren auf mehreren Ebenen (hochschulintern, kommunal/regional, national, europäisch), sind jedoch nicht systematisch aufeinander bezogen.

  • Stärke: hohe Anschlussfähigkeit an unterschiedliche Kontexte und Themen
  • Begrenzung: hohe Such-, Übersetzungs- und Koordinationsaufwände

Passungsproblem zwischen Förder- und Transformationslogik

Viele Förderformate sind projektförmig, teilweise outputorientiert. Transformationsprozesse verlaufen hingegen häufig iterativ, offen und bereichsübergreifend.

  • Stärke: klare Struktur, Rechenschaft, Skalierbarkeit
  • Begrenzung: teilweise erschwerte Förderung von experimentellen, prozesshaften Vorhaben, wenig dauerhafte bzw. langfristige Förderungen

Systemgrenzen und Kopplungsdefizite

Hochschulen, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft operieren oft in getrennten Logiken und Förderräumen.

  • Stärke: funktionale Differenzierung, Spezialisierung
  • Begrenzung: Förderpotenziale bleiben ungenutzt, wenn keine aktiven Schnittstellen bestehen
  • Beobachtung: Förderzugänge entstehen häufig erst durch intermediäre Kopplungsarbeit (z. B. ehrenamtliches Engagement in Beiräten oder Netzwerken)

Bürokratische Rationalität vs. Transformationsdynamik

Nachweis- und Dokumentationspflichten wurden als legitim, aber teilweise hemmend benannt.

  • Stärke: Transparenz und Mittelkontrolle
  • Begrenzung: hoher administrativer Aufwand, der insbesondere bei kleineren Vorhaben hemmend wirkt

Skalierungsdilemma großer Förderlinien

Nationale und europäische Programme (z. B. FONA, Horizon Europe) bieten erhebliche Ressourcen, sind jedoch antrags- und koordinationsintensiv.

  • Stärke: strukturelle Wirkung, internationale Anschlussfähigkeit und Vernetzung
  • Begrenzung: hohe Zugangshürden, Ressourcenbindung in Antrag und Administration

Lokale und hybride Finanzierungsmodelle als Möglichkeitsraum

Beispiele wie die Campusentsiegelung der HTW Berlin (gefördert über das Berliner Programm BENE 2) zeigen, dass Hochschulen auch über stadt- und umweltpolitische Programme adressiert werden können.

  • Stärke: konkrete Problemnähe, Kooperation im regionalen Kontext
  • Begrenzung: oft nicht systematisch erschlossen, stark abhängig von Gelegenheitsstrukturen

Unterentwickelte Mikro-Förderformate

Besonders hervorgehoben wurde das Fehlen von kleinen, schnellen und unbürokratischen Förderungen, die Austausch, Vernetzung, Vorarbeiten und erste Kooperationen ermöglichen. Gerade diese Phase ist für spätere größere Verbünde oft entscheidend, im Fördersystem aber vergleichsweise schwach ausgebildet. Diese Beobachtung zog sich als Querschnitt durch die Diskussion.

Zentrale Erkenntnisse der Diskussion

Die Diskussion macht deutlich: Die Herausforderung liegt weniger im Mangel an (flexiblen) Fördermitteln, als in der fehlenden Passfähigkeit und Kopplung der vorhandenen Förderlogiken.

Das deutsche System eröffnet vielfältige Möglichkeiten, verlangt aber zugleich ein hohes Maß an Übersetzungsleistung, Koordinationsfähigkeit und strategischer Kombination unterschiedlicher Förderquellen.

Besonders sichtbar wird ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen großen, formalisierten Förderprogrammen und unterentwickelten, niedrigschwelligen Formaten für Austausch und Kooperationsaufbau.

Förderoptionen im Überblick

Hochschulinterne Förderlinien

Im Barcamp wurden hochschulinterne Nachhaltigkeits- und Klimafonds, strategische Innovationsmittel sowie Spielräume aus der Grundfinanzierung als besonders relevant beschrieben. Ihre Stärke liegt meist in der vergleichsweise hohen Flexibilität: Sie eignen sich vor allem für Anschub, Pilotierung, interne Vernetzung und kleinere Erprobungsvorhaben. Ihre Reichweite bleibt jedoch häufig begrenzt und hängt stark von der jeweiligen Prioritätensetzung der Hochschule ab.

Hochschulkooperative Formate

Wo Nachhaltigkeitstransformation hochschulübergreifend oder im Verbund gedacht wird, kommen vor allem kooperative Förderansätze in Betracht. Für den deutschen Kontext besonders einschlägig ist die FONA-Fördermaßnahme „Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen“, der auch die Teilnehmenden des Barcamps angehören.

Ebenfalls wichtig ist die neue Maßnahme „Hochschulen als Innovationslabore für nachhaltige Städte und Regionen“; sie zielt ausdrücklich auf regionale Verbünde, in denen Hochschulen gemeinsam mit mindestens zwei weiteren Partnern – idealerweise auch mit der Kommune – konkrete Innovationen erforschen, erproben und in die Anwendung bringen.

Kommunale und regionale Förderungen

Ein zentrales Diskussionsergebnis war, dass kommunale, regionale (bzw. Landes-)Programme oft nicht primär für Hochschulen geschrieben, aber gleichwohl für Hochschulen nutzbar sind, wenn diese als Teil regionaler Transformationsräume auftreten.

Die wichtigste bundesweit einschlägige Linie ist hier die Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative. Seit dem 1. Januar 2019 sind Hochschulen dort uneingeschränkt antragsberechtigt; nach Angaben des Difu wurden über die Kommunalrichtlinie seit Laufzeitbeginn bereits mehr als 350 Projekte an Hochschulen gefördert. Förderfähig sind u. a. Klimaschutzkonzepte, Klimaschutzmanagement und die Umsetzung von Maßnahmen. Für Hochschulen ist das deshalb interessant, weil die Richtlinie nicht nur investive Projekte, sondern auch strategische Vorarbeiten und Managementstrukturen adressiert.

Als Berliner Beispiel wurde im Barcamp die HTW Berlin genannt. Die Finanzierung der dortigen Campusentsiegelung erfolgt nicht über kommunale Mittel im engeren Sinn, sondern über BENE 2, also das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung, das durch EFRE-Mittel und das Land Berlin getragen wird. Laut HTW Berlin erhält die Hochschule knapp 2,8 Mio. Euro für den klimaresilienten Umbau des Campus Wilhelminenhof; finanziert werden u. a. Entsiegelung, Regenwassermanagement und Begrünung, ergänzt um einen Eigenanteil der Hochschule in Höhe von 700.000 Euro. Das Beispiel ist gerade deshalb interessant, weil es zeigt, dass Hochschulen auch über stadt- und umweltpolitische Programme adressierbar sind, wenn sie als Teil urbaner Infrastruktur verstanden werden.

Ebenfalls aufgeführt wurden die Fördermöglichkeiten der Region Hannover, einer bundesweit einzigartigen Art von Kommunalverband, der auch eine Landeshauptstadt inkludiert.

Nationale Förderlinien

Auf nationaler Ebene ist für das Themenfeld vor allem FONA – Forschung für Nachhaltigkeit einschlägig. FONA ist die Nachhaltigkeitsforschungsplattform des Bundes und bündelt Fördermaßnahmen, Bekanntmachungen und strategische Linien im Bereich Nachhaltigkeit. Für Hochschulen besonders relevant sind derzeit die bereits genannte Linie „Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen“ sowie die Maßnahme „Hochschulen als Innovationslabore für nachhaltige Städte und Regionen“. Letztere ist für die Diskussion besonders passend, weil sie Hochschulen explizit als regionale Kooperationsakteure adressiert und Verbünde mit Kommunen, Unternehmen, Vereinen sowie Bürgerinnen und Bürgern vorsieht.

Ergänzend wichtig: FONA selbst fungiert nicht nur als Einzelprogramm, sondern als Programmrahmen, innerhalb dessen unterschiedliche thematische Förderlinien für Nachhaltigkeit verortet werden. Das ist für Hochschulen insofern relevant, als sich hier nicht nur hochschulspezifische Linien, sondern auch breiter angelegte Forschungs- und Innovationsförderungen mit Nachhaltigkeitsbezug finden lassen.

Europäische Förderprogramme

Auf europäischer Ebene wurden im Barcamp vor allem solche Programme diskutiert, die Nachhaltigkeitstransformation, Forschung und Kooperation verbinden.

Horizon Europe ist das zentrale EU-Programm für Forschung und Innovation. Die Europäische Kommission beschreibt es als das wichtigste europäische Förderprogramm für Forschung und Innovation; es adressiert Klimawandel, die UN-Nachhaltigkeitsziele und gesellschaftliche Herausforderungen und stärkt zugleich Kooperation und Politikbezug. Für Nachhaltigkeitsthemen besonders relevant sind innerhalb von Horizon Europe die EU Missions, etwa zu Climate-neutral and smart cities, Adaptation to climate change, Soil Deal for Europe oder Restore our Ocean and Waters.

Ebenfalls einschlägig ist das LIFE-Programm. CINEA beschreibt LIFE als das EU-Förderinstrument für Umwelt- und Klimaschutz; gefördert werden unter anderem Natur und Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Lebensqualität sowie Klimaschutz und Klimaanpassung. Für Hochschulen ist LIFE vor allem dann interessant, wenn Vorhaben stärker umsetzungs-, demonstrator- oder praxisbezogen angelegt sind als klassische Forschungsprojekte.

Für transnationale, regionale Kooperationen ist außerdem Interreg relevant. Interreg fördert grenzüberschreitende Zusammenarbeit und adressiert ausdrücklich auch nachhaltige Entwicklung, Umwelt- und Klimathemen. Das ist besonders dort anschlussfähig, wo Hochschulen mit Regionen, Kommunen oder grenzüberschreitenden Partnern zusammenarbeiten.

Für Austausch, Netzwerkbildung und kooperative Entwicklung von Formaten ist auch Erasmus+, insbesondere Cooperation Partnerships unter Key Action 2, einschlägig. Diese Partnerschaften sollen laut Programmguide Netzwerke stärken, transnationale Zusammenarbeit ermöglichen und die Entwicklung, Übertragung und Umsetzung innovativer Praktiken unterstützen. Für Nachhaltigkeit an Hochschulen ist das vor allem dort interessant, wo Lehr-, Transfer- oder Kooperationsformate gemeinsam entwickelt werden sollen.

Auch COST, The European Cooperation in Science and Technology, fördert Forschungsnetzwerke im Rahmen von Open Calls und ist vollständig Bottom-Up, d.h. ggf. auch geeignet, unter einer vergleichenden Forschungsperspektive einen Austausch über Lehrformate in verschiedenen Ländern zu untersuchen.

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