Metaphern der Transformation, Barcamp, 18.03.26
Beim Barcamp „Transformationspfade – wie sehen die aus?“ in Berlin (18.03.2026) arbeiteten Teilnehmende mithilfe von Metaphern-Tools wie dem „New Metaphor Kit“ und „From Force to Flow“, indem sie sich über Bilder und deren Bedeutungen austauschten und gemeinsam Assoziationen entwickelten. Im Fokus stand die Reflexion von Transformationsprozessen zur Nachhaltigkeit an Hochschulen, wobei unterschiedliche Vorstellungen von „Pfaden“ – von Orientierung bis Unsicherheit – diskutiert und abschließend im Plenum präsentiert wurden.
| Metaphern der Transformation, Barcamp, 18.03.26 | |
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Mi 18 März 2026 09:15 Uhr
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| Verantwortlich | |
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Wissenschaftskommunikation Metaphern | |
| Bezug Wiki-Themen | |
Theoretischer Ansatz
Metaphern prägen, wie wir Transformation verstehen, beschreiben und letztlich auch gestalten – oft, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Auch in der Nachhaltigkeitsdebatte und im Kontext von Hochschulen wirken sie als unsichtbare Leitplanken unseres Denkens: Sie strukturieren komplexe Zusammenhänge, lenken Aufmerksamkeit und eröffnen – oder begrenzen – Handlungsspielräume. Ein reflektierter Umgang mit diesen sprachlichen Bildern kann daher helfen, implizite Annahmen sichtbar zu machen und neue Perspektiven auf Transformationsprozesse zu eröffnen. Indem wir Metaphern nicht nur als rhetorische Mittel, sondern als grundlegende Werkzeuge menschlicher Erkenntnis begreifen, wird es möglich, eingefahrene Denkweisen zu hinterfragen und alternative Deutungs- und Handlungsräume zu erschließen. Ein Bewusstwerden der Metaphern, die in der Nachhaltigkeits- und Transformationsdebatte allgemein, und an deutschen Hochschulen speziell, in Gebrauch sind, kann Aufschluss auf tiefliegende innere Werte und Annahmen geben. Der Prozess des Bewusstwerdens und die anschließende Auseinandersetzung damit alleine kann schon hilfreich sein, andere Ebenen der Kommunikation zu erreichen – gerade auch die Dimensionen der Kommunikation, die non-verbal (pre-linguistic/visual/verkörpert) und eher phänomenologisch erfassbar sind. Wir beziehen uns dabei auf Maurice Merlau-Ponty’s Arbeiten zum Primat der Wahrnehmung (1945), das die leiblich situierte Erfahrung und das verkörperte Handeln als grundlegende Bedingungen von Weltbezug hervorhebt. Wahrnehmung wird hierbei nicht als bloß passiver Empfang von Sinnesdaten verstanden, sondern als aktiver, sinnstiftender Vollzug des Subjekts in der Welt. Der französische Philosoph Jacques Derrida kritisiert den westlichen Logozentrismus (1967), den er als strukturelle Bevorzugung von Rationalität und linearer Logik beschreibt. Diese „Metaphysik der Präsenz“ privilegiert bestimmte Formen von Wissen und marginalisiert zugleich das Ambivalente, Körperliche und vermeintlich Irrationale. In diesem Zusammenhang werden auch binäre Oppositionen – etwa dichotome Unterscheidungen wie hell/dunkel oder rational/irrational – dekonstruiert und als historisch gewachsene, machtstrukturierte Ordnungen sichtbar gemacht. Diese Kritik findet eine zeitgenössische Weiterführung in Ansätzen wie dem „Datenfeminismus“ von Catherine D’Ignazio und Catherine F. Klein. In ihrem Werk problematisieren sie die Reduktion komplexer, analoger und holistischer Erfahrungswelten auf quantifizierbare, programmierbare Datensätze und zeigen auf, wie solche Übersetzungsprozesse bestehende Machtverhältnisse reproduzieren können (D’Ignazio & Klein 2020). Wir nutzen Metaphern im Sinne von Lakoff und Johnson’s Schlüsseltext “Metaphors We Live By”, wo aufgezeigt wird, dass Metaphern nicht nur in der Poesie funktionieren, sondern ganz grundlegend für unsere Kommunikation sind: “we see Metaphors as essential to human understanding and as a mechanism for creating new meaning and new realities in our lives “ (1980). Eine Metapher ist hierbei ein (meist abstraktes) Konzept oder Idee (domain), das durch ein anderes (oft konkretes) Konzept verstanden wird: “understanding and experiencing one kind of thing in terms of another”. Dabei unterscheidet man zum Beispiel zwischen structural metaphors (“time is money”), orientational metaphors (“up is happy”) und ontological metaphors (“mind as machine”). Metaphern sind sowohl von körperlicher als auch kultureller Erfahrung geprägt. Eine Metapher generiert Bedeutung in unserer Sprache, unserem alltäglichen Verhalten und unserer Wahrnehmung.
Ablauf des Barcamps
Bei dem Barcamp “Transformationspfade – wie sehen die aus?” anlässlich der Ergebnistagung der Förderlinie Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen in Berlin am 18.3.2026 moderierte Dr. Simone Gumtau von der DG HochN die Aktivitäten zu Metaphern der Transformation. Zum Einsatz kam hier das ‘New Metaphor Kit’ von Dr. Dan Lockton et al (2019), eine Sammlung von Bildern und Konzepten, die zur Arbeit mit Metaphern anregt, und die Arbeitsblätter “From Force to Flow” von Ida Persson.
Copyright: Ida Persson www.idapersson.com Designshifts.com
Zunächst wurden Teilnehmende dazu eingeladen, sich um ein Bild von der Serie “From Force to Flow” zu gruppieren – auf diesen Bildern sind ‘States of Water’ beschrieben und dargestellt, z.B. “Relational Ripples” oder “Murky Waters” oder “Big Waves”. Es sollte das ausgesucht werden, mit dem man sich momentan irgendwie identifiziert – entweder als Projektmitglied in Bezug auf seine eigene Situation, oder in Bezug auf das Verbundprojekt. Dabei tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, warum sie sich dort eingefunden haben.
Von hier aus wurden die kleinen Gruppen dazu eingeladen, mit den Arbeitsblättern des “New Metaphor Kit” zu beginnen:
- A) Hierbei gibt es einmal die Möglichkeit, sich in kleinen Gruppen kollaborativ mit verschiedenen Assoziationen dieser Bilder und Konzepte zu beschäftigen und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Dies eignet sich sehr gut, um zunächst in das freie, assoziative Denken hineinzukommen.
- B) Ein zweites Arbeitsblatt regt dazu an, sich ein schwieriges Konzept, eine Frage – oder Problemstellung zu nehmen, die alle beschäftigt – in diesem Falle die Transformation zur Nachhaltigkeit an Hochschulen – und sich der gängigen Metaphern bewusst zu werden. Diese wurden bereits während der Präsentationen am Vortag gesammelt:
Ergebnisse des Barcamps wurden im Plenum durch Metaplanwände und kurze Teilnehmendenberichte präsentiert.
Transformationspfade: es gab viel Diskussion über die Natur von Pfaden, vom Trampelpfad bis zur Autobahn, vom Wege abkommen, neue Wege gehen – es gab aber auch das Gefühl, in Warteräume abgeschoben zu werden.
Literaturhinweise
- Merleau-Ponty, Maurice (1945): Phänomenologie der Wahrnehmung. Berlin: de Gruyter.
- Lakoff & Johnson (1980). Metaphors We Live By. Chicago: Chicago Press
- Derrida, Jacques (1997): De la grammatologie / Grammatologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
- D’Ignazio, Catherine; Klein, Lauren F. (2020): Data Feminism. Cambridge, MA: MIT Press.