Fossil Free Zones

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Fossil Free Zones (FFZ) sind räumlich abgrenzbare Zonen, in denen keine fossilen Brennstoffe genutzt werden. Im Hochschulkontext bieten Fossil Free Zones einen neuen Blick auf Energie und Nachhaltigkeit. LINGO e.V. hat im Jahr 2025 eine systematische Bestandsaufnahme der Energieversorgung aller 435 deutschen Hochschulen durchgeführt. Der Report stellt eine Datenbank und die gängigen Probleme und Hürden beim Ausstieg aus fossilen Energien dar und bietet handfeste Argumente, Zahlen und Fakten, wie diese zu überwinden sind.

Fossil Free Zones
Kategorie
Beschaffung , Nachhaltige Entwicklung , Nachhaltigkeitsberichterstattung , Betrieb , Beschaffung , Governance
Thematisch verbunden mit
Schwerpunkte

Klimaschutz

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politik
Organisationseinheit
Zielgruppe
Studierende, Verwaltungsmitarbeitende, Hochschulleitung, Interessierte Öffentlichkeit, Politik, Nachhaltigkeitsbeauftragte(r)
Ganzer Bericht auf fossilfreezones.org
Bericht: Fossil Free Zones an Hochschulen

Konzept und Problemstellung

Fossil Free Zones (FFZ) sind räumlich abgrenzbare Zonen, in denen keine fossilen Brennstoffe genutzt werden. Das Konzept geht auf die wissenschaftliche Arbeit von Fergus Green zurück (2022) und wird seitdem von der Leave it in the Ground Initiative (LINGO e.V.) umgesetzt und weiterentwickelt. [Siehe Karte und Website hier] Es umfasst sowohl vollständig fossilfreie Zonen als auch teilweise fossilfreie Zonen (ölfrei, gasfrei oder kohlefrei).

Weitere Details auf fossilfreezones.org
Kategorien der Fossil Free Zones

Im Hochschulkontext bieten Fossil Free Zones einen neuen Blick auf Energie und Nachhaltigkeit: Die entscheidende Frage ist nicht, ob eine Hochschule rechnerisch klimaneutral bilanziert, sondern ob sie tatsächlich keine fossilen Brennstoffe mehr nutzt. Viele Hochschulen streben Klimaneutralität an, stützen sich dabei jedoch häufig auf Kompensationsmaßnahmen. Solche “Netto-Null”-Rechnungen sind oft intransparent, beruhen auf hypothetischen Annahmen und beanspruchen Senkenkapazitäten zur Legitimation neuer Emissionen, obwohl Senken dringend zur Bindung von bereits überschüssigem CO₂ gebraucht werden. Fossilfreiheit reduziert nicht nur effektiv THG-Emissionen, sondern entzieht sich außerdem den steigenden CO₂-Preisen, volatilen Märkten und geopolitischen Konflikten, die fossile Abhängigkeiten mit sich bringen. Durch Fossil Free Zones wird Fossilfreiheit als greifbarer und transformativer Standard etabliert und der Fortschritt dahingehend sichtbar gemacht.

Das Projekt: Bestandsaufnahme aller deutschen Hochschulen

LINGO e.V. hat im Jahr 2025 eine systematische Bestandsaufnahme der Energieversorgung aller 435 deutschen Hochschulen durchgeführt. Dafür wurden alle öffentlich zugänglichen Informationen ausgewertet und jede Hochschule direkt kontaktiert. Die Ergebnisse wurden im Bericht Fossil Free Zones an deutschen Hochschulen (2026) veröffentlicht und in einer öffentlich zugänglichen Datenbank zusammengefasst. Die Datenbank erfasst für jede Hochschule sechs Dimensionen: das Vorhandensein fossilfreier Zonen, den Einsatz erneuerbarer Energien, deren Anteil am Gesamtverbrauch, den Typ der Strombeschaffung, das Vorhandensein von Energieberichten und das Klimaneutralitätsziel. Dies fungiert als ein offenes Monitoring-System, das Transparenz und Vergleichbarkeit schafft und auf Anfrage aktualisiert wird. Der Report stellt außerdem die gängigen Probleme und Hürden beim Ausstieg aus fossilen Energien dar und bietet handfeste Argumente, Zahlen und Fakten, wie diese zu überwinden sind. Der Bericht richtet sich an alle Hochschulangehörige, insbesondere Klimaschutzbeauftragte, Green Offices, Studierende, Campus-Initiativen, Hochschulpolitik, Hochschulleitung, sowie Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Landesbehörden und Beschaffungsstellen.

Link zur vollständigen Datenbank siehe unten
Link zur vollständigen Datenbank siehe unten

Zentrale Ergebnisse

Noch keine vollständig fossilfreie Hochschule. Trotz ambitionierten Klimaschutzzielen ist bislang keine der 435 deutschen Hochschulen vollständig fossilfrei. Vier Fossil Free Zones wurden identifiziert: Das Labor- und Seminargebäude der Technischen Hochschule Ulm (Coal & Oil Free Zone): Ein Effizienzhaus-Plus-Neubau mit 420-kWp-PV-Anlage und Wärmepumpen. Lediglich der Gaseinsatz in den Laboren verhindert bisher den vollständigen Fossil Free Zones-Status. Das Hochleistungsrechenzentrum der Universität Göttingen (Fossil Free Zone in Transition): Aktuell 50 % Grüner-Strom-Label-Tarif, ab 2027 100 % gemäß Energieeffizienzgesetz. Die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (Coal & Oil Free Zone): Gesamter Strombedarf über einen Grüner-Strom-Label-zertifizierten Tarif gedeckt; Fernwärme noch gasbasiert. Der Waldgarten der Leuphana Universität Lüneburg (Fossil Free Zone): Vollständig manuell bewirtschaftet, ohne fossilbetriebene Geräte. Technologischer Aufbruch, aber geringe Skalierung. Ein Viertel der Hochschulen setzt bereits fossilfreie Energietechnologien ein, vorwiegend Photovoltaik (68,8 % der erneuerbaren Erzeugung), gefolgt von Biomasse, Biogas und Geothermie. Der Anteil erneuerbarer Energien bleibt bei den meisten Hochschulen jedoch bei unter 10 % des Gesamtbedarfs. Sieben Hochschulen erreichen bereits über 50 % und belegen damit die prinzipielle Machbarkeit fossilfreier Campusse. Hohe Ambitionen, unklare Wirkung. Die meisten Hochschulen streben Klimaneutralität deutlich vor 2045 an. In der Praxis stützen sich diese Ziele jedoch vielfach auf Offsetting-Praktiken, die Anreize für reale Emissionsreduktionen abschwächen. Zentralisierte Strombeschaffung als strukturelles Hemmnis. In den meisten Bundesländern erfolgt die Strombeschaffung zentral über Landesverwaltungen. Mit Ausnahme von Hamburg (HKN aus Anlagen max. 6 Jahre alt) und Baden-Württemberg (max. 20 Jahre) wenden diese keine wirksamen Zusatzkriterien an, was die zuständigen Landesbehörden zu einem entscheidenden Hebel für systemische Verbesserungen macht.

Herausforderungen und Lösungen

Aus der Bestandsaufnahme haben sich einige wiederkehrende Herausforderungen herauskristallisiert, die hier abgekürzt dargestellt werden. Tiefergehende Darstellungen sind im Originalbericht zu finden.

Ökostrom ist meist wirkungslos HKN-basierter Strombezug führt zu Doppelzählungen und keiner verlässlichen Reduktion fossiler Stromerzeugung. Wirksame Alternativen umfassen Eigenproduktion (PV, Geothermie, Wärmepumpen), Power Purchase Agreements (PPAs), Grüner-Strom-Label-zertifizierte Tarife mit vertraglicher Kopplung sowie die Adoption von Hourly-Matching Scores. Bei der Umstellung spielen auch die Beschaffungsstellen der Länder eine wichtige Rolle. Irreführende Nachhaltigkeitsnarrative Fossiles Gas wird als Übergangslösung dargestellt, KWK-Anlagen werden als ausreichende Maßnahme gewertet, und Fernwärme gilt pauschal als nachhaltig. Alle drei Annahmen sind problematisch: Gas emittiert fossiles CO₂ und Methan bei der Förderung, KWK-Effizienz ersetzt nicht die Umstellung auf erneuerbare Energieträger, und Fernwärme ist nur so nachhaltig wie ihre Energiequelle. Kurzsichtige Budgetierung Investitionen in erneuerbare Infrastruktur werden häufig mit Verweis auf fehlende Mittel verzögert. Lebenszyklusbetrachtungen zeigen jedoch, dass Fossilfreiheit langfristig eine Sparmaßnahme ist und gemäß §97 GWB sogar rechtlich geboten, wenn alle entstehenden Kosten berücksichtigt werden, darunter CO₂-Preise, Klimafolgekosten und stranded assets. Finanzierungsmodelle wie Intracting, PPAs, PV-/Wärmepumpen-Leasing oder Projektförderungen bieten bewährte Alternativen zur hohen Erstinvestitionslast. Schwache Governance-Strukturen. Klimaschutzbeauftragte und Green Offices sind häufig nicht ausreichend in Entscheidungsprozesse eingebunden. Bewährt haben sich klare Mandate für Klimaschutzmanagements, interdisziplinäre Führungskomitees und ein aktiv gestaltetes Facility Management.

Hochschulen als Treiber systemischen Wandels

Trotz ihrer Einbettung in starre öffentliche Verwaltungsstrukturen verfügen Hochschulen über erheblichen institutionellen Einfluss. Durch koordiniertes Handeln können und sollten sie politische Reformen anstoßen, bessere Beschaffungsstandards in den Landesverwaltungen einfordern und lokale Vorbildprojekte schaffen, die über die Institution hinaus wirken.

Handlungsoptionen

Der Bericht skizziert drei konkrete Schritte für Hochschulen: Fossil Free Zone in Transition werden: Mit verbindlicher Zielsetzung durch Rektorat oder Vorstand, einem konkreten Aktionsplan und einer Bestandsaufnahme aller fossilen Energienutzungen. Fossil Free Zones schaffen und registrieren: Zone für Zone fossilfreien Campus gestalten und auf der interaktiven Karte von fossilfreezones.org registrieren. Kollektiv bessere Rahmenbedingungen einfordern: Gemeinsam für wirksame Stromkennzeichnung, transparente Beschaffungsstandards und transformationsfördernde Politik eintreten.

Weiterführende Informationen

Bericht: Fossil Free Zones: Reports

Datenbank: Fossil Free Zones an Hochschulen

Aufnahme des Launch-Webinars: Fossil Free Zones an Hochschulen - Launch Webinar

Präsentationsfolien: Launch Webinar

Aufnahme des DGHochN-Hubs zu Ökostrom: Ökostrom für Hochschulen - DGHochN-Hub am 19.02.2026

Konzeptgrundlage: Green, F. (2022). Fossil Free Zones: a proposal. Climate Policy.

Fossil Free Zones-Karte: Karte


Träger: Leave it in the Ground Initiative (LINGO e.V.) Förderung: Deutsche Postcode Lotterie, Patagonia Kontakt: info@fossilfreezones.org

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