Status quo Analyse klimarelevanter Bereiche einer Hochschule: Unterschied zwischen den Versionen

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|beschr=Eine Status quo Analyse im Rahmen des Projekts KlimaPlanReal ist die systematische Erhebung und Bewertung des aktuellen Standes aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule.
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==Erläuterung Status Quo Analyse?==
==Erläuterung Status Quo Analyse?==
Eine Status Quo Analyse, wie sie im Rahmen des Projekts KlimaPlanReal durchgeführt wurde, ist die systematische qualitative und quantitative Erhebung sowie Bewertung des aktuellen Stands aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. Sie kann als fachliche und strategische Grundlage zur Entwicklung und Priorisierung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen dienen.
Eine Status Quo Analyse, wie sie im Rahmen des Projekts [[KlimaPlanReal - Nachhaltige Transformationspfade zur Klimaneutralität mit Planungszellen und Reallaboren|KlimaPlanReal]] durchgeführt wurde, ist die systematische qualitative und quantitative Erhebung sowie Bewertung des aktuellen Stands aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. Sie kann als fachliche und strategische Grundlage zur Entwicklung und Priorisierung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen dienen.


Ziel ist es, Transparenz über die Ausgangssituation zu schaffen, Datenlücken zu identifizieren und konkrete Ansatzpunkte für die Transformation zur Klimaneutralität abzuleiten. Die im Projekt erstellten Status-quo-Analysen der beteiligten Hochschulen sind auf der Projektwebsite der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg öffentlich zugänglich.
Ziel ist es, Transparenz über die Ausgangssituation zu schaffen, Datenlücken zu identifizieren und konkrete Ansatzpunkte für die Transformation zur Klimaneutralität abzuleiten. Die im Projekt erstellten Status Quo Analysen der beteiligten Hochschulen sind auf der [https://www.klimaplanreal.ovgu.de/Dokumentation/Status+Quo+Analyse.html Projektwebsite der Otto-von-Guericke-Universität] Magdeburg öffentlich zugänglich<ref name=":0">KlimaplanReal (2023a). ''Status Quo Bericht OVGU''. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/OVGU+_+Status+Quo+Bericht-p-330.pdf</ref><ref>Hochschule Anhalt (2023). ''Status Quo Bericht HSA''. Hochschule Anhalt.


''(KlimaplanReal, 2023a).''<ref name=":0">KlimaplanReal (2023a). ''Status Quo Bericht OVGU''. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/OVGU+_+Status+Quo+Bericht-p-330.pdf</ref>(für HS vorzugsweise impactrelevante Wirkindikatoren nach Künzel et al., 2023<ref>Künzel, C., Rühmland, S., Kastner, K., Zigann, J., Dullau, S., Pfitzner, B., Klinner, A., Bub, F., Döhle, F., & Hensen, H. (2023). ''Indikatoren für den Klimaimpact an Hochschulen''. Zenodo.
https://www.hs-anhalt.de/fileadmin/Dateien/Nachhaltigkeit/KlimPlanReal/2023-11-23_KlimaPlanReal_Status_Quo_Bericht_HSA_onlineversion.pdf</ref><ref name=":1">KlimaplanReal (2023b). ''Status Quo Bericht MLU''. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/Status+Quo+Bericht+MLU.pdf</ref>.  
 
https://doi.org/10.5281/zenodo.14966175</ref>).


==Methodisches Vorgehen==
==Methodisches Vorgehen==


=== Akteur*innenanalyse ===
=== Akteur*innenanalyse ===
Die Akteur*''innenanalyse dient der systematischen Identifikation und Bewertung aller relevanten Akteur*''innen im Kontext des Klimaschutzes an der Hochschule. Ziel ist es, sowohl interne als auch externe Personen, Gruppen und Institutionen zu erfassen, die Einfluss auf Klimaschutzaktivitäten haben oder von diesen betroffen sind.
Die Akteur*innenanalyse dient der systematischen Identifikation und Bewertung aller relevanten Akteur''*''innen im Kontext des Klimaschutzes an der Hochschule. Ziel ist es, sowohl interne als auch externe Personen, Gruppen und Institutionen zu erfassen, die Einfluss auf Klimaschutzaktivitäten haben oder von diesen betroffen sind.


Dabei wird zwischen '''formellen Akteur*innen''' (mit klarer Zuständigkeit durch die Tätigkeitsbeschreibung einer Stelle, z. B. in der Verwaltung) und '''informellen Akteur*innen''' (mit freiwilligem Engagement ohne formelle Zuständigkeit) unterschieden. Ergänzend können weitere Aspekte wie Interessen, Einflussmöglichkeiten, Ressourcen oder Rollen berücksichtigt werden.
Dabei wird zwischen '''formellen Akteur*innen''' (mit klarer Zuständigkeit durch die Tätigkeitsbeschreibung einer Stelle, z. B. in der Verwaltung) und '''informellen Akteur*innen''' (mit freiwilligem Engagement ohne formelle Zuständigkeit) unterschieden. Ergänzend können weitere Aspekte wie Interessen, Einflussmöglichkeiten, Ressourcen oder Rollen berücksichtigt werden.


Eine frühzeitige Akteur*''innenanalyse hilft, potenzielle Widerstände zu erkennen, Unterstützer''innen einzubinden und zielgerichtete Kommunikations- und Beteiligungsprozesse zu gestalten. Sie bildet zudem die Grundlage für die Erfassung bestehender Klimaschutzmaßnahmen sowie für die Datenerhebung im Rahmen der Treibhausgasbilanz.
Eine frühzeitige Akteur*innenanalyse hilft, potenzielle Widerstände zu erkennen, Unterstützerinnen einzubinden und zielgerichtete Kommunikations- und Beteiligungsprozesse zu gestalten. Sie bildet zudem die Grundlage für die Erfassung bestehender Klimaschutzmaßnahmen sowie für die Datenerhebung im Rahmen der Treibhausgasbilanz.
 


Für die Analyse empfiehlt es sich, '''zentrale Handlungsfelder''' zu betrachten, z. B.:
Für die Analyse empfiehlt es sich, '''zentrale Handlungsfelder''' zu betrachten, z. B.:


* '''Regenerativer Campus''' (Energie, Wasser, Abfall, Biodiversität)
* '''Regenerativer Campus''' (Energie, Wasser, Abfall, Biodiversität)
** '''Mobilität''' (Pendelmobilität, Dienstreisen)
* '''Mobilität''' (Pendelmobilität, Dienstreisen)
* '''Beschaffung''' und optional '''Ernährung'''
* '''Beschaffung''' und optional '''Ernährung'''


'''Schritt 1: Identifikation der Akteur*innen'''
'''Schritt 1: Identifikation der Akteur*innen'''


* Recherche     interner Akteur*innen über Hochschulwebseiten und Dokumente (z. B.     Hochschulleitung, Verwaltung, Fachbereiche, Studierendenvertretung,     Nachhaltigkeitsstrukturen).
* Recherche interner Akteur*innen und ihrer Arbeitsbereiche über Hochschulwebseiten und Dokumente (z. B. Hochschulleitung, Verwaltung, Fachbereiche, Studierendenvertretung, Nachhaltigkeitsstrukturen).
* Identifikation     externer Akteur*innen (z. B. Kommunen, Energieversorger,     Studierendenwerke, NGOs, Unternehmen).
* Identifikation externer Akteur*innen (z. B. Kommunen, Energieversorger, Studierendenwerke, NGOs, Unternehmen).
 


'''Schritt 2: Kategorisierung und Datenerhebung'''
'''Schritt 2: Kategorisierung und Datenerhebung'''  


* Durchführung von Interviews oder Befragungen entlang der Handlungsfelder
* Durchführung von Interviews oder Befragungen entlang der Handlungsfelder
* Potenzielle Leitfragen:
* Potenzielle Leitfragen:
** Gibt es eine formelle Zuständigkeit der Person im betrachteten Handlungsfeld?
** Gibt es eine formelle Zuständigkeit (laut Arbeitsvertrag) der Person im betrachteten Handlungsfeld?
** Welche klimaschutzrelevanten Aktivitäten, entsprechend der Tätigkeitsbeschreibung des Mitarbeitenden (formell), wurden und werden bereits umgesetzt (z.B. Beauftragung der Abfallentsorgung)?
** Welche klimaschutzrelevanten Aktivitäten des Mitarbeitenden (formell), wurden und werden bereits umgesetzt (z.B. Beauftragung der Abfallentsorgung)?
** Hat der Akteur ein informelles Interesse (z.B. Biodiversität) aber keine formelle Zuständigkeit?
** Hat der Akteur ein informelles Interesse (z.B. Biodiversität) aber keine formelle Zuständigkeit (legitimiert über die Tätigkeitsbrschreibung im Arbeitsvertrag)?
** Welche informellen Aktivitäten, also ohne formelle Legitimation gab es bereits und gibt es aktuell (z.B. Bau von Vogelhäusern)?
** Welche informellen Aktivitäten gab es bereits und gibt es aktuell (z.B. Müllsannelaktionen)?
* Ggf. weitere Aspekte wie Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen erheben/ erfragen (z. B. „''Initiator*in“, „Entscheider*in''“, „Umsetzer''*in''“;
* Ggf. weitere Aspekte wie Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen erheben/ erfragen (z. B. „''Initiator*in“, „Entscheider*in''“, ''Umsetzer*in''“)
* Tools: Hinweise und Vorlagen für Akteur*innenprofile
* Tools: Hinweise und Vorlagen für Akteur*innenprofile
** Hinweise zur Akteurseinbindung des Umweltbundesamtes (UBA, 2022)
** Hinweise zur Akteurseinbindung des Umweltbundesamtes (UBA, 2022)
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'''Schritt 3: Dokumentation'''
'''Schritt 3: Dokumentation'''


* Strukturierte Aufbereitung der Ergebnisse in Form einer Tabelle oder Matrix (z. B. nach Akteur*in, Zuständigkeit, Aktivitäten, Rolle).
* Strukturierte Aufbereitung der Ergebnisse in Form einer Tabelle oder Matrix (z. B. nach Akteur*in, Zuständigkeit, Aktivitäten, Rolle)[[Datei:Akteursanalyse OVGU.jpg|mini]]


=== Qualitative Analyse: Klimaschutzmaßnahmen und Governance-Strukturen ===
Aufbauend auf der Akteur*innenanalyse werden die hochschulspezifischen Rahmenbedingungen, Strategien und Aktivitäten im Bereich Klimaschutz systematisch zusammengetragen, um einen strukturierten Überblick zu erhalten.


''Übrige Forschungsprojekte mit Bezug zu den Themenbereichen wurden tabellarisch aufgeführt."(Hochschule Anhalt, 2023)''<ref>Hochschule Anhalt (2023). ''Status Quo Bericht HSA''. Hochschule Anhalt.
Mögliche Leitfragen:


https://www.hs-anhalt.de/fileadmin/Dateien/Nachhaltigkeit/KlimPlanReal/2023-11-23_KlimaPlanReal_Status_Quo_Bericht_HSA_onlineversion.pdf</ref>
* Gibt es eine Nachhaltigkeits-/Klimaschutzstrategie oder vergleichbare Konzepte?
* Welche Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele verfolgt die Institution?
* Gibt es ein Nachhaltigkeits-, Klimaschutz- oder Energiemanagement?
* Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder sind in Planung?
* Gibt es Maßnahmen die gescheitert sind? Wenn ja, welche und warum
* Welche (Forschungs-)Projekte existieren im Bereich Klimaschutz und wie wirken diese in die Hochschule hinein?


=== Qualitative Analyse: bisherige Klimaschutzmaßnahmen und Governance-Strukturen ===
Eine zusätzliche Orientierung bieten die im Projekt [[KlimaPlanReal - Nachhaltige Transformationspfade zur Klimaneutralität mit Planungszellen und Reallaboren|KlimaPlanReal]] entwickelten rund 50 Wirkindikatoren ('''[https://zenodo.org/records/14966175 Wirkinidkatorenliste]'''), die eine systematische Einordnung und Bewertung der Aktivitäten in den zentralen Handlungsfeldern Regenerativer Campus, Mobilität sowie Beschaffung und Ernährung ermöglichen.
'''Vorgehensweise im Projekt KlimaPlanReal'''  


Im Projekt KlimaPlanReal wurden an den einzelnen Verbundhochschulen umfassende Akteur*innenanalysen durchgeführt, um eine Grundlage für die Maßnahmenentwicklung der Hochschulklimaräte zu bilden. Die Analyse war ein wesentlicher Bestandteil der Status quo Berichte und diente dazu, alle relevanten Personen, Gruppen und Institutionen zu identifizieren, die Einfluss auf die Klimaschutzaktivitäten der Hochschule haben oder von ihnen betroffen sind. Ziel der Analyse war es, sowohl interne als auch externe Akteur*innen der Hochschule zu ermitteln, die für die Entwicklung zukünftiger Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt werden sollten und bei Bedarf konsultiert werden können. Dabei wurde zwischen formellen (mit legitimierter Zuständigkeit) und informellen (ohne konkrete Legitimation) Akteur*innen unterschieden. Zusätzlich wurden auch indirekt mit den Handlungsfeldern verbundene Akteur*innen in die Analyse einbezogen. Durch das Verständnis der Interessen, Einflussmöglichkeiten und Kooperationspotenziale der identifizierten Akteur*innen sollte eine gezielte Einbindung in den Transformationsprozess gewährleistet werden.  
=== Quantitative Analyse: Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz) ===
Die Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz) ist die quantitative Erhebung der Emissionen nach anerkannten Standards (z. B. GHG Protocol oder BISCO) in den impactrelevanten Handlungsfeldern: Nachhaltige Mobilität (Geschäfts- und Pendelmobilität), Regenerativer Campus (Energie & Biodiversität), Nachhaltige Ernährung & Beschaffung.


''"Die OVGU hat im Rahmen ihrer Akteur*innenanalyse alle relevanten Statusgruppen und externe Partner systematisch erfasst und ihre Rollen im Klimaschutzprozess bewertet. Die Ergebnisse wurden in einer Power-Interest-Matrix visualisiert und dienten als Basis für die Auswahl der Teilnehmenden am Hochschulklimarat" (KlimaplanReal, 2023a).''<ref name=":0" />
Im Rahmen des Projekts ''KlimaPlanREal'' orientierte sich die THG-Bilanzierung am Standard des '''Greenhouse Gas Protocol''' (Greenhouse Gas Protocol, 2015). Für die Status-Quo-Analyse wurden '''Scope 1 bis Scope 3''' berücksichtigt, um sowohl direkte als auch indirekte Emissionen abzudecken. Die Berechnung erfolgte unter Verwendung einer Vorgängerversion des '''KliMAx-Tools''' der Hochschule Magdeburg-Stendal.


'''Good Practice Empfehlungen'''


Eine systematische Akteur*innenanalyse ermöglicht es, Widerstände frühzeitig zu erkennen, Unterstützer*innen zu gewinnen und gezielte Kommunikations- und Beteiligungsstrategien zu entwickeln. Es ist wichtig sich frühzeitig einen guten Überblick über die wesentlichen Akteur*innen zu verschaffen. Im Folgenden ist beispielhaft eine schrittweise Vorgehensweise dargestellt:
'''Schritt 1: Datenbeschaffung und -validierung'''
#Schritt: Identifikation der Akteur*innen
#*Erfassung aller internen Akteur*innen (z. B. Hochschulleitung, Fachbereiche, Verwaltung, Studierende, Personalrat, Nachhaltigkeitsbüro).
#*Erfassung aller externen Akteur*innen (z. B. Stadtverwaltung, Energieversorger, Studierendenwerk, NGOs, regionale Unternehmen).
#Schritt: Kategorisierung und Analyse
#*Nutzung einer „Power-Interest-Matrix“ zur Einordnung der Akteur*innen nach Einfluss (Power) und Interesse (Interest) am Klimaschutzprozess
#*Stakeholder-Interviews: Standardisierte Fragenkataloge für Akteur*innengespräche
#*Bewertung der Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen (z. B. „Treiber*in“, „Blockierer*in“, „Multiplikator*in“; Tool: Dokumentationsvorlage für Akteur*innenprofile
#Schritt: Datenerhebung
#*Durchführung von Interviews, Workshops oder Online-Umfragen, um Erwartungen, Bedenken und Vorschläge der Akteur*innen zu erfassen.
#*Dokumentation der Ergebnisse in einer übersichtlichen Tabelle oder Matrix.
#Schritt: Ableitung von Handlungsempfehlungen
#*Identifikation von Schlüsselpersonen („Kümmerer*innen“) in den einzelnen Bereichen.
#*Entwicklung spezifischer Strategien für die Einbindung der wichtigsten Akteur*innen (z. B. regelmäßige Jour Fixe mit der Hochschulleitung, Informationsveranstaltungen für Studierende).


===Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz)===
* '''Auswahl eines geeigneten Tools''' zur Treibhausgasbilanzierung (z. B.  [https://wiki.dg-hochn.de/images/7/76/Hub_THGBilanzierung_240418_KliMax.pdf KliMax-Tool], [https://www.bayzen.de/materialien/baycalc/ BayCalc]).
'''Vorgehensweise im Projekt KlimaPlanReal'''
* '''Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen''' zur Sicherstellung einer vollständigen Datenbasis, z. B. durch die Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen und ggf.    Studierendenvertretung.
* '''Datenbeschaffung und Plausibilitätsprüfung''', u. a. durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks (z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen).
* '''Lückenanalyse''': Systematische Identifikation unvollständiger Daten; Nutzung von Schätzwerten (z. B. durchschnittliche Reisestatistiken) mit Kennzeichnung als „unsichere Daten“.


Eine umfassende Treibhausgasbilanzierung ermöglicht es, Emissionsquellen und -senken zu identifizieren und Maßnahmen zur Verringerung von Emissionen oder zur Steigerung von Emissionssenken zu planen. Die THG Bilanzierung im Rahmen des Projektes entsprach dem Standard des Greenhouse Gas Protocol (Greenhouse Gas Protocol, 2015)<ref>Greenhouse Gas Protocol (2015). ''A Corporate Accounting and Reporting Standard (Revised Edition)''. World Resources Institute & World Business Council for Sustainable Development.
'''Schritt 2: Datenauswertung, Visualisierung und Ergebniskommunikation'''


https://ghgprotocol.org/corporate-standard</ref>. Für die Status quo Analyse wurden Scope 1 bis Scope 3 einbezogen. Die Bilanzierung der Treibhausgase (THG) erfolgte mittels einer Vorgängerversion des [https://www.h2.de/hochschule/portrait/nachhaltigkeit-und-klimaschutz/klimax-tool.html Klimaxtools] der Hochschule Magdebug-Stendal.
* '''THG-Bilanzierung nach Scope 1–3''', zur Erfassung direkter und indirekter Emissionen (z. B. mittels KliMAx oder eigener Kalkulationsgrundlagen).
* '''Visualisierung der Ergebnisse''' in Diagrammen und Heatmaps (z. B. „CO₂-Fußabdruck nach Bereich“) zur intuitiven Darstellung.
* '''Kommunikation''': Transparente Darstellung der Bilanzierungsergebnisse und frühzeitige Einbindung aller relevanten Gruppen zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen.


''"An der OVGU wurden Energieverbräuche über Gebäudemanagementdaten erhoben, während Mobilitätsdaten durch eine campusweite Umfrage gewonnen wurden. Die MLU ergänzte dies durch vertiefende Interviews mit Fachreferent*innen zur Beschaffungspraxis." (KlimaPlanReal 2023a''<ref name=":0" /> ''& b)''<ref name=":1">KlimaplanReal (2023b). ''Status Quo Bericht MLU''. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/Status+Quo+Bericht+MLU.pdf</ref>
=== Weitere quantitative Wirkindikatoren ===
Nach der Analyse des qualitativen und quantitativen Ist-Zustands, unter anderem anhand der Treibhausgasbilanz, können weitere '''Wirkindikatoren''' wertvolle Einblicke in den Klimaschutz an der Hochschule liefern. Die im Projekt erarbeitete [https://zenodo.org/records/14966175 Liste der Wirkindikatoren]  ermöglicht eine '''objektive Bewertung des Status Quo''' (Künzel et al., 2023). Sie wurde in einem '''mehrstufigen Abstimmungsprozess der Verbundhochschulen''' gemeinsam erarbeitet und die Indikatoren anhand wissenschaftlicher Quellen definiert<ref>Künzel, C., Rühmland, S., Kastner, K., Zigann, J., Dullau, S., Pfitzner, B., Klinner, A., Bub, F., Döhle, F., & Hensen, H. (2023). ''Indikatoren für den Klimaimpact an Hochschulen''. Zenodo.


'''Good Practice Empfehlungen'''
https://doi.org/10.5281/zenodo.14966175</ref>.
*'''Frühzeitige Beteiligung aller relevanten Akteur*innen''': z. B. Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen, ggf. Studierendenvertretung zur Datenbeschaffung und -Validierung (Plausibilitätsprüfung durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks, z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen).
*'''Nutzung einer Dokumentationsvorlage''': Tabellarische Übersicht mit Feldern für Datenquelle, Verantwortung und Qualitätsbewertung.
*'''Lückenidentifikation''': Systematische Darstellung unzureichend vorhandener Daten. Alternative: Nutzung von Schätzwerten (z. B. durchschnittliche Reisestatistiken) und Kennzeichnung als „unsichere Daten“.
*'''THG-Bilanzierung''' nach dem Greenhouse Gas Protocol (Scope 1–3) zur Erfassung direkter und indirekter Emissionen (bspw. [https://wiki.dg-hochn.de/images/7/76/Hub_THGBilanzierung_240418_KliMax.pdf KliMax-Tool], oder eigene Kalkulationsgrundlagen)
*'''Visualisierung''': Erstellung von Diagrammen und Heatmaps (z. B. „CO₂-Fußabdruck nach Bereich“) für eine intuitive Kommunikation.


===Indikatorenbasierte Bewertung===
==Empfehlungen==
'''Vorgehensweise im Projekt KlimaPlanReal'''
Auf Basis der Erfahrungen aus dem Projekt ''KlimaPlanReal'' lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:


Anhand von externen Wirkindikatoren können Veränderungen im Zeitverlauf sichtbar gemacht werden. Auch können Wirkindikatoren dazu genutzt werden, einen Vergleich zwischen Hochschulen anzustellen, wobei standortspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Im Rahmen des Projektes KlimaPlanReal wurden in einem mehrstufigen Prozess der Verbundhochschulen eine gemeinsame [https://zenodo.org/records/14966175 Liste der Wirkindikatoren] abgestimmt und definiert. Die Wirkindikatoren wurden als Teil der Status quo Analyse zur Messung und Bewertung herangezogen und boten die Möglichkeit, Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltbilanz zu ergreifen.
* '''Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen:''' Verwaltung, Wissenschaftler''innen, Studierende und externe Partner''innen sollten von Beginn an beteiligt werden, um die Datenbeschaffung also auch -qualität zu sichern und die Akzeptanz der Ergebnisse zu erhöhen.
 
* '''Klare Verantwortlichkeiten:''' Zuständigkeiten für Datenerhebung, -auswertung und -validierung sollten eindeutig festgelegt werden, um Missverständnisse zu vermeiden und die Umsetzung effizient zu gestalten.
''"Darüber hinaus werden weitere nachhaltigkeitsbezogene Wirkindikatoren, wie etwa Versiegelte Fläche (m²) oder Restabfall (m³), erhoben. Klimaneutralität ist eine mehrdimensionale Herausforderung und mit weiteren wichtigen Zielen wie den Erhalt der Biodiversität, Ressourcenschonung sowie intergenerationaler und globaler Gerechtigkeit zusammen zu denken. " (KlimaplanReal, 2023b)''<ref name=":1" />
* '''Standardisierte Methoden und Tools:''' Die Nutzung etablierter Standards (z. B. GHG Protocol) gewährleistet Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse.
 
* '''Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze:''' Zahlenbasierte Daten sollten durch qualitative Beschreibungen ergänzt werden, um ein umfassendes Bild von Klimaschutz an der Hochschule zu erhalten.
'''Good Practice Empfehlungen'''
* '''Transparente Kommunikation:''' Offene Dokumentation und regelmäßige Updates fördern Vertrauen, Engagement und aktive Mitwirkung aller Beteiligten.
*'''Indikatorenkatalog''': Nutzung der impactrelevanten Wirkindikatoren nach Künzel et al. (2023) für vergleichbare Benchmarks oder eigene Frameworks.
*'''Frühzeitige Beteiligung aller relevanten Akteur*innen''': Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen, ggf. Studierendenvertretung zur Datenbeschaffung und -Validierung (Plausibilitätsprüfung durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks, z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen).
*'''Kombinierte Methodik''': Nutzung quantitativer (z. B. Energieverbrauchsdaten, Mobilitätsstatistiken) und qualitativer Daten (Interviews, Umfragen, Dokumentenanalysen).
*'''Nutzung einer Dokumentationsvorlage''': Tabellarische Übersicht mit Feldern für Datenquelle, Verantwortung und Qualitätsbewertung.
==Zusammenfassung & Empfehlungen==
===Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte===
Die Status quo Analyse bildet das Fundament für alle weiteren Klimaschutzaktivitäten einer Hochschule. Sie umfasste im Projekt KimaPlanReal:
*'''Qualitative Analyse bestehender Maßnahmen und Strukturen''': Bewertung vorhandener Klimaschutzaktivitäten, Governance- und Kommunikationsstrukturen.
*'''Akteur*innenanalyse''': Identifikation und Bewertung aller relevanten internen und externen Akteur*innen, ihrer Interessen, Einflussmöglichkeiten und Kooperationspotenziale.
*'''Erhebung und Auswertung der THG-Bilanz''': Systematische Erfassung der Emissionen in allen relevanten Bereichen (Energie, Mobilität, Beschaffung, Biodiversität, Abfall).
*'''Nutzung von Indikatoren und Benchmarks''': Vergleich mit anderen Hochschulen und Nutzung von Kennzahlen zur objektiven Bewertung.
*'''Dokumentation und Kommunikation''': Transparente Darstellung der Ergebnisse und frühzeitige Einbindung aller relevanten Gruppen.
 
==Empfehlungen für andere Hochschulen==
Auf Grundlage der im Projekt KlimaPlanReal gemachten Erfahrungen in der Erstellung einer Status quo Analyse können folgende Empfehlungen gegeben werden:
*'''Frühzeitige Einbindung von Akteur*innen''': Es sollte sichergestellt werden, dass alle relevanten Personen und Gruppen von Anfang an eingebunden sind. Dazu gehören Verwaltung, Wissenschaftler*innen, Studierende und relevante externe Partner*innen. Diese Beteiligung erhöht die Datenqualität und fördert die Akzeptanz der Ergebnisse.
*'''Klare Verantwortlichkeiten''': Es ist günstig genau festzulegen, wer für welche Datenerhebung, -auswertung und -validierung zuständig ist. Diese Klarheit verhindert Verantwortungsdiffusionen und Missverständnisse und fördert eine effiziente Umsetzung der Status quo Analyse.
*'''Standardisierte Methoden und Tools''': Verwenden Sie etablierte Standards (z. B. das GHG Protocol), um die Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse sicherzustellen.
*'''Quantitative und qualitative Ansätze''': Kombinieren Sie in der Status quo Analyse zahlenbasierte Daten und qualitative Beschreibungen, um ein umfassendes Bild ihrer aktuellen Situation vermitteln zu können. Weiche Faktoren wie Kommunikationsstrukturen und interpersonelle Dynamiken sind ebenso entscheidend wie harte Zahlen.
*'''Transparente Kommunikation''': Ein fortlaufender Austausch und offene Dokumentation des Analyseprozesses und der erarbeiteten Ergebnisse schaffen Vertrauen und ermutigen die Akteur*innen zur aktiven Mitwirkung. Regelmäßige Updates zum Bearbeitungsstand halten alle Beteiligten informiert und engagiert.
*'''Flexibilität und Lernbereitschaft''': Seien Sie bereit, aus Fehlern und Feedback zu lernen. Die Fähigkeit Prozesse anzupassen und kontinuierlich zu verbessern, ist wesentlich für den Erfolg der Analyse.<br />
==Links, Material, Ansprechpersonen==


== Literaturverzeichnis ==
== Literaturverzeichnis ==
[[Category:Draft]]
<references />
<references />


[[Kategorie:Transformationspfade]]
[[Kategorie:Transformationspfade]]
[[Kategorie:Status Quo]]
[[Kategorie:KlimaPlanReal]]

Aktuelle Version vom 30. März 2026, 15:24 Uhr

Status quo Analyse klimarelevanter Bereiche einer Hochschule
Eine Status quo Analyse ist die systematische Erhebung und Bewertung des aktuellen Standes der klimarelevanten Bereiche einer Hochschule.
Handlungsfelder
Governance
Themenbezug
Stichworte
Klimaschutz, Akteur*innenanalyse, THG-Bilanz, Wirkindikatorenbetrachtung
Zielgruppe
Forschende, Lehrende, Studierende, Verwaltungsmitarbeitende, Hochschulleitung, ProfessorIn, Dozent(in), Wissenschaftliche(r) Mitarbeiter(in)
Die folgende Koordinate wurde nicht erkannt: Geocoding failed.Die folgende Koordinate wurde nicht erkannt: Geocoding failed.


Erläuterung Status Quo Analyse?

Eine Status Quo Analyse, wie sie im Rahmen des Projekts KlimaPlanReal durchgeführt wurde, ist die systematische qualitative und quantitative Erhebung sowie Bewertung des aktuellen Stands aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. Sie kann als fachliche und strategische Grundlage zur Entwicklung und Priorisierung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen dienen.

Ziel ist es, Transparenz über die Ausgangssituation zu schaffen, Datenlücken zu identifizieren und konkrete Ansatzpunkte für die Transformation zur Klimaneutralität abzuleiten. Die im Projekt erstellten Status Quo Analysen der beteiligten Hochschulen sind auf der Projektwebsite der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg öffentlich zugänglich[1][2][3].

Methodisches Vorgehen

Akteur*innenanalyse

Die Akteur*innenanalyse dient der systematischen Identifikation und Bewertung aller relevanten Akteur*innen im Kontext des Klimaschutzes an der Hochschule. Ziel ist es, sowohl interne als auch externe Personen, Gruppen und Institutionen zu erfassen, die Einfluss auf Klimaschutzaktivitäten haben oder von diesen betroffen sind.

Dabei wird zwischen formellen Akteur*innen (mit klarer Zuständigkeit durch die Tätigkeitsbeschreibung einer Stelle, z. B. in der Verwaltung) und informellen Akteur*innen (mit freiwilligem Engagement ohne formelle Zuständigkeit) unterschieden. Ergänzend können weitere Aspekte wie Interessen, Einflussmöglichkeiten, Ressourcen oder Rollen berücksichtigt werden.

Eine frühzeitige Akteur*innenanalyse hilft, potenzielle Widerstände zu erkennen, Unterstützerinnen einzubinden und zielgerichtete Kommunikations- und Beteiligungsprozesse zu gestalten. Sie bildet zudem die Grundlage für die Erfassung bestehender Klimaschutzmaßnahmen sowie für die Datenerhebung im Rahmen der Treibhausgasbilanz.

Für die Analyse empfiehlt es sich, zentrale Handlungsfelder zu betrachten, z. B.:

  • Regenerativer Campus (Energie, Wasser, Abfall, Biodiversität)
  • Mobilität (Pendelmobilität, Dienstreisen)
  • Beschaffung und optional Ernährung

Schritt 1: Identifikation der Akteur*innen

  • Recherche interner Akteur*innen und ihrer Arbeitsbereiche über Hochschulwebseiten und Dokumente (z. B. Hochschulleitung, Verwaltung, Fachbereiche, Studierendenvertretung, Nachhaltigkeitsstrukturen).
  • Identifikation externer Akteur*innen (z. B. Kommunen, Energieversorger, Studierendenwerke, NGOs, Unternehmen).


Schritt 2: Kategorisierung und Datenerhebung

  • Durchführung von Interviews oder Befragungen entlang der Handlungsfelder
  • Potenzielle Leitfragen:
    • Gibt es eine formelle Zuständigkeit (laut Arbeitsvertrag) der Person im betrachteten Handlungsfeld?
    • Welche klimaschutzrelevanten Aktivitäten des Mitarbeitenden (formell), wurden und werden bereits umgesetzt (z.B. Beauftragung der Abfallentsorgung)?
    • Hat der Akteur ein informelles Interesse (z.B. Biodiversität) aber keine formelle Zuständigkeit (legitimiert über die Tätigkeitsbrschreibung im Arbeitsvertrag)?
    • Welche informellen Aktivitäten gab es bereits und gibt es aktuell (z.B. Müllsannelaktionen)?
  • Ggf. weitere Aspekte wie Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen erheben/ erfragen (z. B. „Initiator*in“, „Entscheider*in“, „Umsetzer*in“)
  • Tools: Hinweise und Vorlagen für Akteur*innenprofile
    • Hinweise zur Akteurseinbindung des Umweltbundesamtes (UBA, 2022)
    • Vorlage: Stakehoder Identification and Analysis (ACU, 2002)
    • Vorlage: Climate Adaptation stakeholder map by Adaption Scotland (2022)

Schritt 3: Dokumentation

  • Strukturierte Aufbereitung der Ergebnisse in Form einer Tabelle oder Matrix (z. B. nach Akteur*in, Zuständigkeit, Aktivitäten, Rolle)

Qualitative Analyse: Klimaschutzmaßnahmen und Governance-Strukturen

Aufbauend auf der Akteur*innenanalyse werden die hochschulspezifischen Rahmenbedingungen, Strategien und Aktivitäten im Bereich Klimaschutz systematisch zusammengetragen, um einen strukturierten Überblick zu erhalten.

Mögliche Leitfragen:

  • Gibt es eine Nachhaltigkeits-/Klimaschutzstrategie oder vergleichbare Konzepte?
  • Welche Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele verfolgt die Institution?
  • Gibt es ein Nachhaltigkeits-, Klimaschutz- oder Energiemanagement?
  • Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder sind in Planung?
  • Gibt es Maßnahmen die gescheitert sind? Wenn ja, welche und warum
  • Welche (Forschungs-)Projekte existieren im Bereich Klimaschutz und wie wirken diese in die Hochschule hinein?

Eine zusätzliche Orientierung bieten die im Projekt KlimaPlanReal entwickelten rund 50 Wirkindikatoren (Wirkinidkatorenliste), die eine systematische Einordnung und Bewertung der Aktivitäten in den zentralen Handlungsfeldern Regenerativer Campus, Mobilität sowie Beschaffung und Ernährung ermöglichen.

Quantitative Analyse: Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz)

Die Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz) ist die quantitative Erhebung der Emissionen nach anerkannten Standards (z. B. GHG Protocol oder BISCO) in den impactrelevanten Handlungsfeldern: Nachhaltige Mobilität (Geschäfts- und Pendelmobilität), Regenerativer Campus (Energie & Biodiversität), Nachhaltige Ernährung & Beschaffung.

Im Rahmen des Projekts KlimaPlanREal orientierte sich die THG-Bilanzierung am Standard des Greenhouse Gas Protocol (Greenhouse Gas Protocol, 2015). Für die Status-Quo-Analyse wurden Scope 1 bis Scope 3 berücksichtigt, um sowohl direkte als auch indirekte Emissionen abzudecken. Die Berechnung erfolgte unter Verwendung einer Vorgängerversion des KliMAx-Tools der Hochschule Magdeburg-Stendal.


Schritt 1: Datenbeschaffung und -validierung

  • Auswahl eines geeigneten Tools zur Treibhausgasbilanzierung (z. B. KliMax-Tool, BayCalc).
  • Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen zur Sicherstellung einer vollständigen Datenbasis, z. B. durch die Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen und ggf. Studierendenvertretung.
  • Datenbeschaffung und Plausibilitätsprüfung, u. a. durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks (z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen).
  • Lückenanalyse: Systematische Identifikation unvollständiger Daten; Nutzung von Schätzwerten (z. B. durchschnittliche Reisestatistiken) mit Kennzeichnung als „unsichere Daten“.

Schritt 2: Datenauswertung, Visualisierung und Ergebniskommunikation

  • THG-Bilanzierung nach Scope 1–3, zur Erfassung direkter und indirekter Emissionen (z. B. mittels KliMAx oder eigener Kalkulationsgrundlagen).
  • Visualisierung der Ergebnisse in Diagrammen und Heatmaps (z. B. „CO₂-Fußabdruck nach Bereich“) zur intuitiven Darstellung.
  • Kommunikation: Transparente Darstellung der Bilanzierungsergebnisse und frühzeitige Einbindung aller relevanten Gruppen zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen.

Weitere quantitative Wirkindikatoren

Nach der Analyse des qualitativen und quantitativen Ist-Zustands, unter anderem anhand der Treibhausgasbilanz, können weitere Wirkindikatoren wertvolle Einblicke in den Klimaschutz an der Hochschule liefern. Die im Projekt erarbeitete Liste der Wirkindikatoren ermöglicht eine objektive Bewertung des Status Quo (Künzel et al., 2023). Sie wurde in einem mehrstufigen Abstimmungsprozess der Verbundhochschulen gemeinsam erarbeitet und die Indikatoren anhand wissenschaftlicher Quellen definiert[4].

Empfehlungen

Auf Basis der Erfahrungen aus dem Projekt KlimaPlanReal lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

  • Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen: Verwaltung, Wissenschaftlerinnen, Studierende und externe Partnerinnen sollten von Beginn an beteiligt werden, um die Datenbeschaffung also auch -qualität zu sichern und die Akzeptanz der Ergebnisse zu erhöhen.
  • Klare Verantwortlichkeiten: Zuständigkeiten für Datenerhebung, -auswertung und -validierung sollten eindeutig festgelegt werden, um Missverständnisse zu vermeiden und die Umsetzung effizient zu gestalten.
  • Standardisierte Methoden und Tools: Die Nutzung etablierter Standards (z. B. GHG Protocol) gewährleistet Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse.
  • Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze: Zahlenbasierte Daten sollten durch qualitative Beschreibungen ergänzt werden, um ein umfassendes Bild von Klimaschutz an der Hochschule zu erhalten.
  • Transparente Kommunikation: Offene Dokumentation und regelmäßige Updates fördern Vertrauen, Engagement und aktive Mitwirkung aller Beteiligten.

Literaturverzeichnis

  1. KlimaplanReal (2023a). Status Quo Bericht OVGU. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/OVGU+_+Status+Quo+Bericht-p-330.pdf
  2. Hochschule Anhalt (2023). Status Quo Bericht HSA. Hochschule Anhalt. https://www.hs-anhalt.de/fileadmin/Dateien/Nachhaltigkeit/KlimPlanReal/2023-11-23_KlimaPlanReal_Status_Quo_Bericht_HSA_onlineversion.pdf
  3. KlimaplanReal (2023b). Status Quo Bericht MLU. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/Status+Quo+Bericht+MLU.pdf
  4. Künzel, C., Rühmland, S., Kastner, K., Zigann, J., Dullau, S., Pfitzner, B., Klinner, A., Bub, F., Döhle, F., & Hensen, H. (2023). Indikatoren für den Klimaimpact an Hochschulen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14966175
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