Blaupause zum Energiesparen
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Vorwort
Diese Blaupause wurde auf der Basis eines Transferlabors (angelehnt an den Reallaboransatz) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) im Rahmen des Projekts KlimaPlanReal erstellt und enthält Hinweise zur Umsetzung. Link zu Good-Practice-Guide Transferlabore
Beschreibung der Maßnahme
Impactrelevantes Transformationsfeld
Regenerativer Campus: Energie, Abfall und Wasser – Fokus Energie
Maßnahmenbeschreibung
Die umgesetzte Maßnahme trägt den Titel „Kampagne Energieeffizienz und Energiesparen“. Diese orientiert sich an der Maßnahme 19 aus dem KlimaPlan der MLU. Folgende Ziele wurden im TrafoTeam formuliert und erfolgreich umgesetzt:
- Implementierung eines Systems zum Monitoring und zur Visualisierung des Energieverbrauchs (Strom, Wärme, Kälte) einzelner Bereiche in einem Zielgebäude
- Durchführung von sensibilisierenden Maßnahmen zum Thema Energiesparen
- Verständliche Kommunikation von Informationen zum Energieverbrauch des Zielgebäudes und Einsparmöglichkeiten
- Entwicklung eines Plans zur Umsetzung ergänzender technischer Maßnahmen inkl. Finanzierung und Umsetzungszeitraum
Umsetzung
Ist-Zustand
Für die „Kampagne Energieeffizienz und Energiesparen“ wurden Daten zum Energieverbrauch sowohl der Universität insgesamt (siehe Status Quo Analyse der MLU) als auch der einzelnen Gebäudekomplexe ausgewertet. Dies erfolgte in Kooperation mit dem Energiemanagement. Das ermöglichte eine Argumentationsgrundlage für die Notwendigkeit der Maßnahme und half bei der Auswahl eines Pilotgebäudes. Kernindikatoren waren dabei der Strom- und Wärmeverbrauch (in MWh) sowie die Treibhausgasbilanz des jeweiligen Gebäudes. Für das Analysieren des Energie-Einsparpotentials waren im konkreten Fall der MLU die Daten zu den Einsparungen während der Prüfungen von Maßnahmen in Bezug auf die Verordnungen zur Sicherung der Energieversorgung über kurz- und mittelfristige Maßnahmen (EnSiKuMaV) von Vorteil. Der Energiemanager konnte diese auf Gebäudeebene zur Verfügung stellen.
Akteur*innenanalyse
Im Rahmen des Projektes KlimaPlanReal wurde zu Beginn des Projektes eine Akteur*innenanalyse an der MLU durchgeführt, die auch den Bereich Energie umfasste. Damit konnten zentrale Akteur*innen identifiziert und kontaktiert werden. In Abbildung 1 wurden die für das Transferlabor relevanten Akteur*innen dargestellt. Die Gruppenakquise für das Transformationsteam (TrafoTeam) erfolgte größtenteils durch die direkte Ansprache. Dabei wurden formell zuständige Personen als auch interessierte Personen (z.B. aus dem Hochschulklimarat) angesprochen. Das TrafoTeam setzte sich neben den beiden Projektmitarbeitenden aus weiteren vier Personen zusammen:
- Verwaltungsmitarbeiter der Fachabteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement, Referat Bauangelegenheiten - Projektingenieur Hochschulbau
- Verwaltungsmitarbeiter der Fachabteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement, Referat Technisches Gebäudemanagement - Energiemanager
- Student (Mathematik, Naturwissenschaftliche Fakultät III)
- Student (Informatik, Naturwissenschaftliche Fakultät III)
Weitere (Schlüssel)personen:
- Im Projekt wurde ein Ideenwettbewerb durchgeführt, der von einer zusammengestellten Jury begleitet wurde. Mitglieder der Jury zur Bewertung der Einreichungen im Ideenwettbewerb wurden aufgrund ihres Bezugs zum Pilotgebäude oder ihrer fachlichen Expertise (z.B. technisch-bauliche Kenntnisse) ausgewählt. Außerdem sollte die Jury eine gewisse Repräsentativität ausstrahlen und verschiedene Mitgliedergruppen vertreten.
- Mitglieder waren: der Abteilungsleiter Bau und Liegenschaften, die Dekane der im Pilotgebäude vertretenen Fakultäten sowie ein Vertreter des TrafoTeams
- Ansprechpersonen im Pilotgebäude: Direktor und stellvertretende Direktoren, Sekretariat, Leiter*innen der wissenschaftlichen Arbeitsgruppen
Einschätzung zur Zusammensetzung:
- hohe Motivation der einzelnen Akteur*innen
- Unausgewogenes Geschlechterverhältnis (mehr männliche Personen)
- Fachexpertise aus den Bereichen Kommunikationswissenschaft oder Umweltpsychologie fehlte
- Zu kleine Gruppe, um Untergruppen für verschiedenen Aufgaben zu bilden
- Alle hier berichteten Aktivitäten wurden vom TrafoTeam gemeinsam getragen
Umsetzungsschritte
Die Arbeitsphasen waren wie in der folgenden Abbildung 2 gestaltet und werden anschließend genauer beschrieben.
Erkundungsphase (1-2 Monate)
- Aufbau des TrafoTeams sowie Etablierung von Organisations- und Kommunikationsstrukturen (Details zu Transformationsteams können dem Good-Practice Guide entnommen werden)
- Erkundung von vorhandenen und nötigen Ressourcen und Vorerfahrungen des Energiemanagers mit ähnlichen Prozessen
Findungsphase (1-2 Monate)
- Entscheidung im TrafoTeam für ein Zielgebäude unter Beachtung der Indikatoren Energieverbrauch und Energieeinsparpotential. Das Pilotgebäude ist ein Neubau aus dem Jahr 2017 mit moderner Ausstattung inklusive einer relativ hohen Dichte an Messpunkten für Energieverbrauch; 5.400 m² Nutzfläche; 3 Fakultäten vertreten; etwa 250 Mitarbeitende; etwa 65% der Räume sind Labore
- Konkretisierung der Energiesparziele (2% Einsparung pro Jahr im Zielgebäude, entsprechend dem EnEfG)
- Konzeptentwicklung: Definition von (Teil)zielen; Aufstellung eines Zeit- und Arbeitsplans
Konkretisierungsphase (1-2 Monate)
- Vorbereitung rund um das Pilotgebäude: Identifikation relevanter Zielgruppen sowie Ermittlung von Arbeitsgruppenleitungen und Ansprechpersonen aus den verschiedenen Fakultäten
- Einbindung der Führungsebene: Abstimmungsgespräch mit den Direktoren des Pilotgebäudes zur Unterstützung des Vorhabens. Die Teilnahme der Ansprechperson für das Energiemanagement zur Klärung technischer Fragen wird empfohlen.
- Organisation von Kampagnenmaterial' und Öffentlichkeitsarbeit: Es wurden in Abstimmung mit einer Professorin der Kommunikationswissenschaften geeignete Kommunikationsmittel rund um energiesparendes Verhalten in den Büros, Laboren, etc. des Gebäudes entwickelt. Dabei wurde sowohl Strom als auch Wärme adressiert.
Umsetzungsphase (ca. 3 Monate)
- Implementierung eines Systems zum Monitoring des Strom-, Kälte- und Wärmeverbrauchs auf Gesamtgebäudeebene:
- Ziel war eine Sensibilisierung für den Energieverbrauch im Gebäude und so letztendlich ein energieeffizientes und energiesparendes Verhalten der Nutzer*innen, wobei ein Effekt durch die Visualisierung erwartet wurde.
- Visualisierung des Energieverbrauchs: Der Energieverbrauch im Pilotgebäude wurde über einen öffentlich sichtbaren Monitor im Eingangsbereich transparent gemacht. Dargestellt werden die Daten auf einem Dashboard mit einer Energiemanagement-Software. Die visuelle Aufbereitung der Daten und die Installation des Monitors übernahmen der Energiemanager und das IT-Servicezentrum.
- Dargestellte Kennzahlen (in Form von Balkendiagrammen):
- Aktueller Stromverbrauch in kWh
- Tagesstromverbrauch in kWh
- Tagesstromverbrauch vor einem Jahr in kWh
- Energieverbrauch der Kältemaschinen im aktuellen Jahr in kWh
- Monatlicher Stromverbrauch des aktuellen und des vergangenen Jahres in kWh
- Monatlicher Wärmeverbrauch im aktuellen und vergangenen Jahr in kWh
- Durchführung von sensibilisierenden Maßnahmen für die Mitarbeitenden des Pilotgebäudes zum Thema Energiesparen (weitere Informationen unter Dokumentation & Nacharbeiten)
- Workshops für Mitarbeitende in Laboren. Ziel: Der Workshop bot eine Möglichkeit, Methoden zum Energiesparen in Laboren zu erlernen (z.B. shut the sash); Die drei Workshops hatten einen Umfang von jeweils 2 Stunden und es nahmen jeweils zwischen 8 und 18 Personen teil; Material: Präsentationsfolien im Nachgang zur Verfügung gestellt; Leitung des Workshops übernahm eine Referentin für Nachhaltigkeit im Labor (s. Abbildung 1): Empfehlung von Kolleginnen aus der Universität; Kontaktaufnahme per Mail und Telefon; Honorarbasis
- Ideenwettbewerb: Ziel war es die Mitarbeiter*innen-Perspektiven in den Gesamtprozess einzubeziehen, deren Wissen zu ihrem persönlichen Arbeitsplatz zu nutzen sowie ihnen das Transferlabor näher zu bringen; Dauer: etwa 4 Wochen zur Einreichung von Ideen, anschließend etwa 4 Wochen zur Bewertung und Auswahl; Resonanz: 13 Maßnahmen wurden eingereicht. Für die Bewertung legte die Jury festgelegte Kriterien an, um sicherzustellen, dass die ausgewählten Ideen sowohl praktikabel als auch wirkungsvoll sind: Einsparungspotential, Verstetigungspotential, Kosten, Auswirkungen, Hürden für die Umsetzung (s. Bewertungsmatrix)
- Haustürgespräche (Gesprächsangebote vor Ort im Pilotgebäude) mit Nutzer*innen des Gebäudes; Ziel: auf das Transferlabor aufmerksam machen, Raum für Fragen und Kritik bieten; Ort: in den Pausenräumen; vorherige Ankündigung per E-Mail über den Hausverteiler
- Auswahl der Gewinner*innen des Ideenwettbewerbs durch Jury (s. Dokumente Bewertung Jurymitglied; Gesamtbewertung Jury); Beiträge des Ideenwettbewerbs wurden HS-öffentlich zur Verfügung gestellt
- Begleitung der Maßnahmenumsetzung der bestplatzierten Ideen aus dem Wettbewerb durch das TrafoTeam: Anpassung der Thermostate im Pilotgebäude (Austausch mit regulierbaren Thermostaten) und Tipps zur energiesparenden Nutzung von Ultratiefkühlgeräten (auf Projekt-Website und in jährlichen Belehrungen zum Arbeitsschutz); Kommunikation zur umgesetzten Idee aus dem Wettbewerb mittels Rundmail über den Hausverteiler und auf der Projekt-Website
- Entwicklung eines Plans zur Umsetzung ergänzender technischer Maßnahmen inkl. Finanzierung und Umsetzungszeitraum zur Anpassung von Thermostaten, wobei der Umsetzungszeitraum hier außerhalb des Transferlaborzeitraums liegt
Abschlussphase (1 Monat)
- Die Ziele (unter Beschreibung der Maßnahme) konnten alle erreicht werden. Das konkrete Ziel der Einsparung von 2 % Energie wird vom Energiemanager nach Ablauf eines Jahres geprüft.
- Abschlussveranstaltung im Pilotgebäude mit Vorstellung der Kampagnenergebnisse durch das TrafoTeam: PowerPoint Präsentation und anschließende Diskussion; Eingeladen waren die Jury des Ideenwettbewerbs, Mitarbeitende und Direktoren des Pilotgebäudes
- Finale Übergabe des Monitorings an den Energiemanager zur dauerhaften Implementierung und Nutzung: Verantwortung für technischen Support (z.B. regelmäßige Softwareupdates) und Auswertung der Daten hinsichtlich möglicher Einsparungen und der Erfüllung des 2%-Ziels
Dokumentation & Nacharbeiten
- Website zum Transferlabor Kampagne Energieeffizienz und Energiesparen
- Website Ideenwettbewerb
- Poster zu Projektinfo, Ideenwettbewerb und Workshop
- Ideensammlung
- Echokampagne bieten Leitfaden, Checkliste und Infomaterial zum Energiesparen in Zielgebäuden, die genutzt wurden
Rahmenbedingungen
Rahmenbedingungen des Transferlabors
Laufzeit
Das Transferlabor hatte eine Laufzeit von neun Monaten. Für eine solide Maßnahmenumsetzung inklusive Verstetigung wäre mehr Zeit notwendig gewesen. Die Empfehlung ist, mindestens 12 Monate einzuplanen.
Finanzen
Für die Umsetzung wurden etwa 2.300 € verausgabt. Ursprünglich waren mehr Mittel für technische Anpassungen im Pilotgebäude einkalkuliert. Für den zur Verfügung stehenden zeitlichen und finanziellen Rahmen konnten keine umsetzbaren Anpassungen identifiziert und installiert werden.
Die 2.300 € setzten sich aus folgenden Posten zusammen: 1.500 € Honorar der Referentin für drei Workshops zu Nachhaltigkeit im Labor 700 € Digital Signage (Visualisierung des Energieverbrauchs): Monitor (40 Zoll), Steuerung (Minicomputer + SD-Karte), Wandhalterung, Montage 100 € Druckkosten für Informationsmaterial
Für weitere technische Anpassung müsste beispielsweise einkalkuliert werden: 2.000 € Umbau Thermostate im Zielgebäude in 62 Büroräumen (Material- und Montagekosten der Sanitärfirma).
Rahmenbedingungen der Hochschule
Standorte
Am Hauptstandort Halle (Saale) gibt es 4 Campi: Universitätsplatz, Steintor-Campus, Franckeschen Stiftungen, Weinberg-Campus mit Campus Heide-Süd. Das Pilotgebäude befand sich am Weinbergcampus. Auf dem Weinberg Campus leben, studieren und arbeiten etwa 15.000 Menschen.
Hochschulgröße
Die Universität setzt sich aus folgenden HS-Angehörigen zusammen:
- ca. 19.943 Studierende
- über 4.027 Mitarbeitende
- 288 Professor*innen
- 1.478 Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen
- 1.091 Wissenschaftsunterstützende Mitarbeitende
- 1.170 Wissenschaftliche Hilfskräfte (Stand vom 31.12.2023).
Unterstützung der Hochschulleitung zur Maßnahmenumsetzung
Die Hochschulleitung der MLU unterzeichnete für den Projektantrag einen Letter of Intent, in welchem die Unterstützung zugesichert wurde. Die Rektorin übernahm die Projektleitung und stellte Mitarbeitende, etwa für die Teilnahme am TrafoTeam, frei. Dieser Umstand unterstützte bei der Argumentation für die Umsetzung der Maßnahme. Mit der Hochschulleitung fand ein regelmäßiger Austausch statt, zudem konnten die Maßnahmen in Kommissionen der Hochschulleitung vorgestellt und diskutiert werden. Dies ermöglichte es, die Maßnahmen im Kontext aktueller Ausrichtungen der Hochschule einzuordnen, Parallelstrukturen zu vermeiden oder Synergien zu knüpfen. Als Hinweis für die Planung weiterer Projekte lässt sich festhalten, dass die zeitlichen Kapazitäten möglicher Leitungspersonen berücksichtigt werden sollten.
Institutionalisierung von Nachhaltigkeit & Klimaschutz
Zum Zeitpunkt der Maßnahmenumsetzung gab es keine*n Nachhaltigkeitsbeauftragten oder eine andere Art der Institutionalisierung in Bezug auf Nachhaltigkeit. Diese mangelnde Institutionalisierung von Nachhaltigkeit gestaltete sich als Herausforderung, gerade in der Verstetigung von Maßnahmen.
Der Tätigkeitsbereich des Energiemanagers ist aber für den Bereiche des Klimaschutzes wichtig, z.B. aufgrund des Gesetzes zur Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland (EnEfG) oder Energie- (ISO50001) bzw. Umweltmanagementsysteme (ISO140001). Weitere Relevante Aspekte der Hochschule bzgl. der Maßnahmenumsetzung Die Unterstützung durch den Leiter der Abteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement war wesentlich, um die Maßnahme erfolgreich umzusetzen.
Übertragbarkeit
Konkrete Empfehlungen
- Allgemeine Hinweise zu hemmenden/ fördernden Aspekte im Transferlabor finden Sie hier
- Die Einbindung des Energiemanagers war besonders wichtig für die Konkretisierung, Planung sowie Umsetzung der Maßnahme
Hinweise zur Kommunikation
- Bei der Ansprache von Personen im Pilotgebäude muss darauf geachtet werden Mitarbeitende nicht als „Schuldige“ zu adressieren und Auswahl des Gebäudes rücksichtsvoll zu kommunizieren.
- Institute mit einem hohen Energieverbrauch können sich schnell an den Pranger gestellt fühlen, stattdessen sollte deren (Transformations-) Potential herausgestellt werden (Perspektiven aufzeigen, Informationen geben, Fortschritte wertschätzen)
- "Zeigefinger" auf energieintensivste Liegenschaften wie das Pilotgebäude eher kontraproduktiv, moralische Ansprache mit Verweis auf Klimakrise erzeugte vereinzelt bei Mitarbeiter*innen im Zielgebäude Aversion und kollidierte mit der vorhandenen Resignation und Frustration
- Empfehlenswert ist die Begleitung des Vorhabens mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne. Hierbei sollten möglichst alle Kommunikationskanäle der Hochschule berücksichtigt werden.
- Zur verständlichen Kommunikation von Informationen zum Energieverbrauch des Zielgebäudes und Einsparmöglichkeiten war eine Kombination aus Top-down und Bottom-up Maßnahmen zielführend (Workshops, Informationsveranstaltungen, Ideenwettbewerb – Details siehe oben)

