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Seitentitel: Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit in MINT-Studiengängen - Leitfaden


Im vom BMFTR geförderten Projekt GenderFUTURE wurde der Leitfaden „Greening MINT – Nachhaltigkeit als Türöffner für Frauen*“ mit Ergebnissen und Praxisempfehlungen erstellt und  2026 veröffentlicht.

Zielgruppe: Im Leitfaden finden Studiengangsentwickler*innen, Lehrende, Studierende, Hochschulleitungen, Gleichstellungs- und Nachhaltigkeitsengagierte sowie Studierendeninitiativen (z. B. netzwerk n oder ArbeiterKind.de), Hochschul- und Bildungspolitik als Akteur*innen und Agent*innen hochschulischen Wandels Ansatzpunkte, um Öffnungen im Hochschulkontext erschließen  zu können.

Auf dieser Seite findest du eine kurze Zusammenfassung über die Inhalte des Leitfadens. Die ausführliche Version steht hier zum Download zur Verfügung.  Kapitel 5 behandelt insbesondere die Frage: „Wie wird Nachhaltigkeit zum Türöffner in MINT“.

Der Leitfaden GenderFUTURE untersucht, wie nachhaltigkeitsorientierte MINT-Studiengänge – sogenannte GreenMINT-Studiengänge – zur Öffnung von Hochschulen für Frauen* und Non-Traditional Students (NTS) beitragen können. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Teilhabe und Fachkräftesicherung zusammengedacht werden können.

GreenMINT als Türöffner

GreenMINT verbindet MINT-Wissen mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz und spricht dadurch überdurchschnittlich viele Frauen* und NTS an, etwa First-Generation-Studierende, Studierende mit Migrationsgeschichte oder ohne technikorientiertes Elternhaus. Gleichzeitig bleiben diese Studiengänge häufig in MINT-Fachkulturen verankert, die männlich und wettbewerbsorientiert geprägt sind. Nachhaltigkeitsorientierung allein reicht daher nicht aus: Für echte Chancengerechtigkeit müssen auch Fachkulturen und Hochschulstrukturen verändert werden.

Forschung

GenderFUTURE kombiniert quantitative und qualitative Methoden an zwei kontrastierenden Hochschulen: eine Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) in einem ländlichen/semi-urbanen Raum mit explizit nachhaltigkeitsorientiertem Profil und einer Universität in einer Großstadt mit starkem MINT-Profil und einem GreenMINT-Studiengang. Zum Forschungsdesign gehörten Studierendenbefragungen, Interviews mit Studierenden, Lehrenden und Hochschulvertreter*innen, Dokumenten- und Webseitenanalysen sowie Innovationslabore.

Studienwege und Zugehörigkeit

Studienentscheidungen sind biografisch geprägt. Familie, Peers, Bildungswege und regionale Bedingungen beeinflussen, welche Studienmöglichkeiten als passend und erreichbar wahrgenommen werden. Gerade Frauen* aus nicht-akademischen Familien und andere NTS bringen häufig ausgeprägte Nachhaltigkeitsorientierungen und Veränderungsmotive mit. Viele Studierende möchten ihre Hochschule aktiv mitgestalten, stoßen jedoch auf begrenzte Ressourcen, unklare Beteiligungswege oder fehlende Resonanz. Die vorgestellten Personas verdeutlichen unterschiedliche Zugänge zum GreenMINT-Studium, darunter Umorientierungen, First-Generation-Erfahrungen, queere Lebenslagen und die Vereinbarkeit von Studium und Erwerbsarbeit.

Hochschulkultur

Hochschulen verfügen über eigene kulturelle Logiken, die bestimmen, was als normal, relevant und sichtbar gilt. In den untersuchten Hochschulen dominierten ökologische und technische Nachhaltigkeitsverständnisse, während soziale Dimensionen wie Geschlechtergerechtigkeit und Diversität weniger stark berücksichtigt wurden. Geschlecht und Diversität sind zwar institutionell verankert, beispielsweise durch Gleichstellungsstrukturen, besitzen aber teilweise geringe Definitionsmacht. Dadurch können Ausschlusserfahrungen schwerer thematisiert und strukturelle Veränderungen angestoßen werden.

Zentrale Spannungsfelder

Hochschulen müssen unter anderem aushandeln, ob Nachhaltigkeit vor allem als Marketinginstrument oder als verbindliches Leitprinzip verstanden wird. Weitere Kontroversen betreffen das Verhältnis von Exzellenz und Selektion zu Diversität und Teilhabe sowie unterschiedliche Vorstellungen davon, ob Technik neutral oder gesellschaftlich eingebettet ist.

Handlungsperspektive

Der Leitfaden unterscheidet verschiedene Steuerungslogiken – Top-down, Middle both ways und Bottom-up – und zeigt, wie diese Veränderungsprozesse öffnen oder begrenzen können. Im abschließenden Kapitel werden konkrete Ansatzpunkte für Studiengangs- und Hochschulentwicklung gebündelt. Das Konzept „All together at once“ verbindet diese Perspektiven und setzt auf partizipative, hochschulübergreifende Veränderungsprozesse.

GreenMINT kann ein wichtiger Türöffner für bisher unterrepräsentierte Gruppen und zugleich ein Motor für die Nachhaltigkeitstransformation sein. Seine Wirkung entfaltet sich jedoch erst dann nachhaltig, wenn Hochschulen nicht nur neue Zielgruppen ansprechen, sondern Studienbedingungen, Fachkulturen, Beteiligungsmöglichkeiten und institutionelle Strukturen gemeinsam verändern.

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