Konzeptpapier Internationalisierung

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ClaudiaPKonzeptpapier Internationalisierung
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Handlungsempfehlungen und Best Practices zur Verzahnung von Nachhaltigkeit und Internationalisierung an Hochschulen

Zweck des Konzeptpapiers

Diese Handlungsempfehlungen sind von Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Konzept-papier“ der DG HochN-Hub-Reihe „Verzahnung von Internationalisierung und Nachhaltigkeit an Hochschulen“ erarbeitet worden und geben den derzeitigen Stand unserer Diskussion wieder.

Zielgruppe

Diese Handlungsempfehlungen richten sich primär an folgende Akteure: International Offices, Nachhaltigkeitsbüros, Mitglieder der Hochschulleitung mit fachlich passendem Fokus sowie Fakultäts- und Studiengangsleitungen sowie interessierte Mitglieder der Hochschulgemeinschaft.


Einleitung

Internationalisierung und Nachhaltigkeit zählen zu den zentralen Entwicklungsbereichen moderner Hochschulen. Beide prägen Lehr- und Lernprozesse, Forschungskooperationen, Verwaltungsstrukturen und Mobilitätspraktiken und beeinflussen damit maßgeblich die strategische Ausrichtung von Hochschulen in einer global vernetzten Welt. Zugleich entstehen durch die Verbindung dieser Themenfelder neue Möglichkeiten des institutionellen und fachlichen Austauschs, aber auch Spannungsfelder, etwa zwischen internationaler Mobilität und ökologischer Verantwortung oder zwischen globalen Partnerschaftsstrukturen und Fragen der Gerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Internationalisierung so gestaltet werden kann, dass sie sowohl zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit beiträgt als auch bestehende Zielkonflikte offenlegt und bearbeitbar macht. Hochschulen stehen damit vor der Aufgabe, internationale Strategien, Programme und Kooperationen systematisch mit nachhaltigkeitsorientierten Prinzipien zu verzahnen. In der AG der Hub-Reihe "Verzahnung von Internationalisierung und Nachhaltigkeit" haben wir hierzu ein Konzeptpapier, das diese Herausforderungen aufnimmt. Es beschreibt die übergeordnete Zielsetzung einer nachhaltig ausgerichteten Internationalisierung, konkretisiert zentrale Themenschwerpunkte und formuliert Ziele, Strategievorschläge und Beispiele aus der Praxis. Auf diese Weise soll das Papier Orientierung bieten, wie Hochschulen Internationalisierung reflektiert und zukunftsfähig gestalten und gleichzeitig ihre gesellschaftliche Verantwortung stärken können. Das Konzept wird in Kürze auf Wiki publiziert und mit dieser Seite verlinkt.

Vision einer nachhaltigen Internationalisierung

Die Hochschule der Zukunft ist ein global vernetzter Lern- und Lebensraum, der Internationalisierung und Nachhaltigkeit in Lehre, Forschung und Verwaltung fest verankert. Die Hochschule der Zukunft wird als ein global vernetzter Lern- und Lebensraum verstanden, in dem Internationalisierung und Nachhaltigkeit integrale Bestandteile von Lehre, Forschung und Verwaltung sind. Diese Hochschule agiert als Katalysator für Völkerverständigung, kulturelle Bereicherung und den interkulturellen Austausch. Studierende und Lehrende sind gleichermaßen Treiber dieses Prozesses, wobei der politische Rahmen, etwa durch Initiativen des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFTR) und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD 2025), unterstützend wirkt. Die Vision einer nachhaltigen Internationalisierung umfasst nicht nur den Austausch von Wissen und Perspektiven, sondern auch die Förderung der sozialen Gemeinschaft auf globaler Ebene.

Die Rolle der Hochschule wird darin bestehen, Räume zu schaffen, in denen das Lernen voneinander im Vordergrund steht. Dabei sollen neue Perspektiven entdeckt und kulturelle Vielfalt als Bereicherung erfahren werden. Der Austausch fördert nicht nur fachliche, sondern auch soziale und kulturelle Kompetenzen. Wichtig ist jedoch, dass diese Internationalisierung nicht isoliert von nachhaltigkeitsbezogenen Überlegungen erfolgt. Vielmehr wird die Hochschule der Zukunft aktiv darauf hinwirken, dass die globalen Verbindungen unter Berücksichtigung ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen vor Ort und in Partnerländern des globalen Südens (z.B. unter Berücksichtigung des ökologischen Fußabdrucks, Impact in den Gesellschaften und Erwerb von interkulturellen Kompetenzen sowie Fortschritte auf dem Weg zu einer global gerechten und nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung) gestaltet werden. So kann eine nachhaltige Internationalisierung nicht nur den Wissensaustausch fördern, sondern auch die Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft weltweit stärken.

Ziele einer Verzahnung von Nachhaltigkeit und Internationalisierung

Hier finden Sie eine Liste der vier Handlungsfelder, für die wir exemplarisch konkrete Ziele, Strategievorschläge und Handlungsempfehlungen.


Nachhaltige internationale Mobilität
Handlungsempfehlungen

Ziele

Internationale Austausche sind angesichts aktueller Multi-Krisen und internationalen Spannungen wichtiger denn je. Die Frage ist nur, wie Austausche im Sinne nachhaltiger Entwicklung erfolgen können. Ein Zuwachs an mehrtägigen Summer Schools und Kurzzeitprogrammen im Ausland können nicht die Lösung für steigende Aufenthaltskosten sein. Ziel einer solchen Policy ist es, Mitarbeitende und Studierende für das Thema Nachhaltige Mobilität zu sensibilisieren und zur Entwicklung eigener Strategien anzuregen, um eine gemeinsame Vermeidung, Reduktion und Kompensation von CO2-Emissionen zu erreichen.

Lösungsansätze

Strategie 1: Orientierung und Transparenz schaffen

Ziel: Gemeinsames Verständnis dafür, wann und warum Dienstreisen – insbesondere Flugreisen gerechtfertigt sind.

Maßnahmen:

  • Klare Definition von essenziell vs. vermeidbar (z.B. Feldforschung, strategische Meetings)
  • Abstimmung mit Fakultäten / Dekanaten / Fachbereichen (u.a. regionale Unterschiede berücksichtigen)

Strategie 2: Klare Regeln & Leitlinien etablieren (Governance & Policy)

Ziel: Verbindliche, rechtssichere Rahmenbedingungen statt freiwilliger Einzelentscheidungen

Maßnahmen:

  • Entwicklung einer internen Dienstreisepolicy mit klaren Entscheidungskriterien klaren Kriterien und Anreizen zur Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel
  • Erstellung einer „Grünen Dienstreise-Leitlinie“ (inkl. Priorisierung von Bahn, virtuellen Meetings, Rail+Fly, Vermeidung innereuropäischer Kurzflüge)
  • Nutzung vorhandener rechtlicher Ermessensspielräume
  • Prüfung / Anpassung des Dienstreisekostengesetzes → Ermöglichung längerer, aber klimafreundlicher Reisezeiten
  • Festlegung einer Zug-Zeit-Grenze (z.B. > 12 Stunden laut Fahrplan – Flug möglich)


Best Practice:

  • https://www.uni-giessen.de/de/org/admin/stab/bfn/ressourcensparen/dienstreisen/reiserichtlinie
  • https://uol.de/reiserichtlinie

Strategie 3: Anreize & Alternativen stärken (Umsetzung im Alltag)

Ziel: Nachhaltiges Reisen zur einfachsten und attraktivsten Option machen.

Maßnahmen:

  • Anreize zur Nutzung von Bahn, Veranstaltungstickets der DG & Rail+Fly
  • Systematische Förderung von virtuellen Meetings als Standardoption
  • Klare Vorgaben zur Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel bei Dienstreisen
  • Drittmittelgebende Institutionen müssen Standards setzen, z.B. per default Klimakompensation für Reisen

Strategie 4: Monitoring, Visualisierung & Weiterentwicklung

Ziel: Wirkung sichtbar machen und kontinuierlich verbessern.

Maßnahmen:

  • Fußabdruck von Dienstreisen visualisieren (FlyingLess Tool)
  • Regelmäßige Auswertung der Reisedaten (Flüge, Bahn, virtuell)
  • Transparente Berichterstattung über Zielerreichung
  • Ableitung von Anpassungen für Richtlinien & Anreizsysteme

Best Practices

  • KARLA (Karlsruher Reallabor Nachhaltiger Klimaschutz) Klimaschonendes berufliches Reisen
  • Einrichtung eines Klimafonds an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU)


Strategie 5: Reduktion des Zielkonfliktes zwischen Internationalisierung des Studiums und ökologischer Nachhaltigkeit

Ziel: Umweltschonend Internationalisierungserfahrungen von Studierenden ermöglichen

Maßnahmen:

  • Ansatz des Internationalisierung@home fördern.
  • Förderung von Langzeitaufenthalten (z. B. 1 Semester statt 2 Wochen Summer School)
  • Fokus auf nachhaltige Mobilität (z.B. Zugreisen innerhalb Europas)
  • Einschränkung sehr kurzer, flugbasierter Programme
  • Kombination mehrerer Zwecke in einer Reise (Studium + Praktikum + Abschlussarbeit)

Best Practice:

  • RWTH Aachen: internationale Kurzaufenthalte, sofern diese Flugreisen erfordern, werden nur in Ausnahmefällen gefördert, Förderung längerer Aufenthalte



Governance
Handlungsempfehlungen

Ziele

Dem Konzeptpapier liegt ein integriertes Verständnis von Internationalisierung und Nachhaltigkeit im Sinne des Whole Institution Approach zugrunde. Nachhaltige Entwicklung ist in globaler Perspektive per se international ausgerichtet und stellt für Hochschulen eine inhaltliche wie strukturelle Bereicherung dar. Zugleich sind Synergien und Spannungsfelder zwischen globaler Vernetzung, wissenschaftlicher Exzellenz, internationaler Sichtbarkeit und nachhaltigkeitsorientierter Verantwortung zu reflektieren.

Internationale Kooperationen sollten daher nicht prioritär unter Wettbewerbs- oder Rekrutierungslogiken betrachtet werden, sondern als reziproke, kontextsensible Wissenschafts- und Bildungspartnerschaften, die dadurch einen Mehrwert erhalten. Mobilität ist dabei differenziert zu bewerten: Sie kann asymmetrische Wissens- und Fachkräfteflüsse verstärken, eröffnet zugleich aber Chancen für Qualifizierung, Wissenstransfer, Rückkehrperspektiven, transnationale Netzwerke und vielfältige Impulse in den Herkunftskontexten.

Strategievorschläge

• Stärkere Integration von Nachhaltigkeitszielen in  bi- oder multilateralen Hochschulkooperationen.

• Förderung von globalen Partnerschaften mit Fokus auf (Bildungs-)Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.

• Stärkere Einbeziehung von Rankings, die Nachhaltigkeitsaspekte und Performance von Hochschulen berücksichtigen, neben den klassischen  von internationalen Rankings von Hochschulen).

• Förderung von Bildungsmaßnahmen mit Blick auf Nachhaltigkeit und Internationalisierung für Mitarbeitenden und Lehrenden als Strategisches Commitment.

• Einführung von hochschulinternen Jours Fixes von  Vertreter:innen  verschiedener  Hochschulstrategieprozesse (z.B. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Internationalisierung, Familienorientierung, Diversity) zum Austausch über aktuelle Projekte.  Ziele ist die Suche nach Synergien  Teilung von Prozesswissen und -erfahrung und Zusammenarbeit bei übergreifenden Konzeptpapieren.

Best Practices folgt



Verzahnung von Nachhaltigkeit und Internationalisierung in der Hochschullehre
Handlungsempfehlungen

Internationalisierung der Curricula und der Lehre

Die Internationalisierung der Curricula ist als qualitativer Entwicklungsprozess zu verstehen, der internationale, nachhaltigkeitsbezogene und globale Perspektiven systematisch in Lernziele, Inhalte, Prüfungsformate und Lehrmethoden integriert (vgl. Leask 2015). Normativer Bezugspunkt ist eine reflektierte Global Citizenship Education (GCED), wie sie von der UNESCO als bildungsbereichsübergreifendes Konzept mit kognitiven, sozio-emotionalen und handlungsorientierten Dimensionen beschrieben wird (vgl. UNESCO 2015).

Aus dieser Dreidimensionalität ergibt sich die didaktische Notwendigkeit integrativer Lehrformate, die über rein wissensvermittelnde Arrangements hinausgehen und formale, non-formale sowie informelle Lernräume systematisch einbeziehen. Im Zentrum stehen reflexive, emotionsbezogene sowie problem- und praxisorientierte Lernsettings, die es Studierenden ermöglichen, fachliches Wissen mit diskursiver normativer Orientierung, Perspektivenwechsel und verantwortlichem Handeln zu verbinden. Um die GCED-Dimensionen kohärent einzulösen, sind Lerninhalte kollaborativ und transdisziplinär anzulegen und in einer systematischen Verknüpfung lokaler Erfahrungsräume mit globalen Problem- und Deutungszusammenhängen zu verorten.

Plurale Wissensordnungen

In internationaler Perspektive wird deutlich, dass Wissenschaft nicht als monolithisches, universal homogenes System zu verstehen ist, sondern als Gefüge pluraler Wissenschaftsordnungen. Diese Pluralität wird wissenschaftssoziologisch dadurch begründet, dass Erkenntnis (Fleck 2023, Kuhn 2012, Merton 1973) historisch und sozial situiert ist und in Macht-, Anerkennungs- und Teilhabeordnungen eingebettet bleibt. Arbeiten zur Objektivität (Daston & Galison 2024), zu erkenntnisleitenden Interessen (Habermas 2022) sowie zum impliziten Wissen (Polanyi 2009; 2015) zeigen darüber hinaus, dass wissenschaftliche Rationalität auf kulturellen Praktiken, normativen Leitbildern und nicht vollständig explizierbaren Erfahrungsbeständen beruht. Vor diesem Hintergrund erscheint die Öffnung wissenschaftlicher und curricularer Wissenszugänge für unterschiedliche epistemische Traditionen nicht lediglich normativ geboten, sondern erkenntnistheoretisch kohärent und empirisch plausibel.

Kooperation mit Expert:innen u.a. zu interkultureller Kommunikation (mit regelmäßiger Überprüfung der Inhalte) zur Weiterentwicklung von Lehrmaterialien mit internationalen Schwerpunkten, um den Perspektivenwechsel bei Nachhaltigkeitsthemen zu fördern.

Sensibilisierung von Lehrenden (als Querschnittsthema) über die Chancen und Grenzen von internationalen Lehrmaterialien (International Business Books) .

Best-Practice (Es ist schwierig, Beispiele aus nicht-dekolonialen Kontexten zu finden)

o      Charta zur Forschungszusammenarbeit zwischen Afrika und dem Globalen Norden

[1]https://www.hochschulnetzwerk-glopart.de/materialien/charta-zur-forschungszusammenarbeit-zwischen-afrika-und-dem-globalen-norden

Die „Africa Charter for Transformative Research Collaborations“ wurde vom Perivoli Africa Research Centre an der Universität Bristol in Zusammenarbeit mit der Universität Kapstadt und der Universität Südafrika im Dialog mit Hochschul- und Forschungsakteuren aus Europa, Nordamerika und anderen Teilen der Welt erarbeitet. Die Charta formuliert Schlüsselprinzipien, um die vielschichtigen Machtungleichgewichte in Forschungskooperationen zwischen Afrika und dem Globalen Norden in allen Wissenschaftsdisziplinen auszugleichen.


Disziplinär verankert - transdisziplinär gerahmt

Forschung zur nachhaltigkeitsorientierten Hochschulbildung zeigt, dass entsprechende Lernziele insbesondere dann wirksam werden, wenn sie disziplinär verankert und zugleich transdisziplinär gerahmt sind (Barth et al., 2021; Wiek et al., 2011).


Best-Practice

  • Fachkonferenzen für Interdisziplinäre Bildung für nachhaltige Entwicklung (IBNE) Die Dokumentationen der Fachkonferenzen für Interdisziplinäre Bildung für nachhaltige Entwicklung (IBNE) an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm bündeln maßgebliche Beiträge über innovative, praxisorientierte Konzepte, Methoden und Modelle inter- und transdisziplinärer Hochschullehre, die reale gesellschaftliche Herausforderungen adressieren. Davon werden einige mit internationalen Partnern durchgeführt.
  • Universität Hamburg – Sustainability Certificate

Die Universität Hamburg bietet ein Sustainability Certificate an, das Studierenden über Seminare, Workshops und Projektarbeit einen holistischen Zugang zu Nachhaltigkeitsthemen transdisziplinär ermöglicht.

[4]https://www.hcl.uni-hamburg.de/en/crossdisciplinary-learning/nachhaltigkeit

Sprache

Sprachlich umfasst Internationalisierung sowohl englischsprachige und mehrsprachige Lehrangebote als auch eine bewusste didaktische Reflexion von Sprache als Macht-, Zugangs- und Wissensressource in internationalen Lernsettings. Studien zur English-Medium Instruction weisen darauf hin, dass ungeprüfte Anglisierung soziale Selektivität und epistemische Hierarchien verstärken kann (vgl. Macaro et al. 2018).

Best-Practice

·       Global Citizenship Certificate (GCC)

Die Global Citizenship Certificate (GCC)-Initiative an der Technischen Universität Dresden ist ein institutionell getragenes Qualifizierungs- und Anerkennungsformat für Studierende, Promovierende und Austauschstudierende, das interkulturelle, global-vernetzte Kompetenzen sowie lokal-globale Engagementleistungen sichtbar macht und zertifiziert. Dabei wird besonderer Wert auf einen inklusiven Umgang mit Sprache gelegt:

“To involve all participants, the GCC events will be conducted at a multilingual level in German and English, complemented by additional languages of the participants. We embrace a diversity of cultures and languages, and are ready to explore new ways of communication with you.”

[5]https://tu-dresden.de/internationales/profil/tud-global-citizenship-certificate

·       Konzept einer kohärenten, mehrsprachigen Lernarchitektur für ein transnationales Seminar

Das beim Higher Education Summit 2025 präsentierte Konzept beschreibt ein kooperatives Seminar zwischen Uruguay und Deutschland, das formale, non-formale und informelle Lernräume in ein systematisches multilingual ausgerichtetes Lehrdesign integriert. Mangels gemeinsamer Fremdsprache der Studierenden erfolgte die Kommunikation über mobile Übersetzungstools, während die Projektergebnisse durchgängig bilingual konzipiert wurden.

https://www.higher-education-summit.com/resources-2025

Normative Rahmungen

Eng damit verbunden ist die zunehmende Betonung eines Ethik- und Wertebezugs in der Internationalisierung der Hochschullehre. Neuere bildungspolitische und wissenschaftliche Debatten heben hervor, dass technische und instrumentelle Nachhaltigkeitskonzepte allein nicht ausreichen, um Studierende auf komplexe globale Transformationsprozesse vorzubereiten. Vielmehr bedarf es normativer Rahmungen. In diesem Sinne versteht die UNESCO Bildung ausdrücklich als normativ gerahmte gesellschaftliche Praxis, in der Wertefragen integraler Bestandteil curricularer Gestaltung und internationaler Lehr-/Lernsettings sind (UNESCO 2023).

UNESCO. (2023). Recommendation on education for peace, human rights and sustainable development. Paris: UNESCO.

Best-Practice

·       Earth Chart

Als Ergebnis eines langjährigen, weltweit angelegten partizipativen Konsultations- und Dialogprozesses verfolgt die “Earth Charter” das Ziel, einen gemeinsamen ethischen Bezugsrahmen zu schaffen, der Individuen, Bildungseinrichtungen, Organisationen und politische Akteure zur Verantwortung für die Bewahrung der Erde und das Wohlergehen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen befähigt. Die Webseite stellt viele Ressourcen bereit.

[6]https://earthcharter.org/read-the-earth-charter/

Digitale und virtuelle Austauschformate

Digitale und virtuelle Austauschformate wie Collaborative Online International Learning (COIL) ermöglichen eine ressourcenschonende Internationalisierung der Hochschullehre und zeigen in umfangreichen Evaluationsstudien positive Effekte auf die Entwicklung interkultureller Kompetenz und systemischen Denkens, wodurch sie zu erhöhter Teilhabe- und Chancengerechtigkeit beitragen.

Best-Practice

·       BeCOIL

Berlin Universities' Joint Project on Collaborative Online International Learning

“BeCOIL fördert das innovative COIL-Konzept bei Lehrenden und bietet ihnen die notwendige Unterstützung, um einen COIL-Kurs zu planen und anzubieten.“

[7]https://becoil.de/

·       Weitere Plattformen

[8]https://coilconnect.org/ oder https://coil.suny.edu/

·       Cross-boundary collaboration with COIL (European Association for International Education (EAIE))

[9]https://www.eaie.org/resource/cross-boundary-collaboration-coil.html

  • Living Labs (z. B. Arqus)

Die ARQUS European University Alliance Living Labs sind offene, interdisziplinäre Räume der Zusammenarbeit und Co-Creation, in denen Studierende, Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und externe Stakeholder gemeinsam auf komplexe gesellschaftliche Herausforderungen reagieren, Synergien zwischen Bildung, Forschung und Innovation nutzen und kreative, praxisnahe Lösungen entwickeln.

[10]https://arqus-alliance.eu/our-communities/arqus-living-labs/

·      Global Challenge Lab

Das Global Challenge Lab verknüpft internationale Nachhaltigkeitsprobleme mit problem- und handlungsorientierten Lehrformaten, in denen Studierende reale globale Herausforderungen in interdisziplinären Teams bearbeiten. Studierende werden explizit als Akteur:innen gesellschaftlicher Transformation adressiert und arbeiten häufig mit internationalen Partnerinstitutionen zusammen.

innovative virtual program presented in collaboration with Tsinghua University’s x-lab in Beijing and the Technical University of Munich.

[11]https://www.imperialenterpriselab.com/programmes/global-challenge-lab/

·      Projekt Global Innovation for Sustainable Futures

In dem vom DAAD geförderten Projekt „Global Innovation for Sustainable Futures“ verknüpft die Hochschule Trier die drei Themen Internationalisierung, Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung, indem sie beispielsweise internationale SDG-Projekte im Blended Mobility Format sowie eine Zertifikatsfortbildungsreihe für Lehrende zum Thema „Internationale Lehre für Nachhaltigkeit“ entwickelt hat.

Kooperationen mit internationalen Organisationen

Internationale Kooperationen wirken als strukturelle Brücken zwischen Hochschullehre, globalen Diskursen und transnationalen Praxisfeldern. Ihr Ziel ist nicht Repräsentation, sondern ko-kreative Wissensproduktion sowie die kritische Weiterentwicklung von Lehr- und Governance-Ansätzen im Sinne nachhaltiger Internationalisierung. Konzepte und Best Practices werden dabei international gespiegelt, kontextsensibel validiert und weiterentwickelt, sodass Global Citizenship Education (GCED) nicht nur rezipiert, sondern aktiv kontextualisiert und transformiert wird.


Best-Practice

·      Higher Education and Sustainable Development (HESD) der International Association of Universities

Globales Netzwerk zur Verankerung von Nachhaltigkeit in Hochschulen

https://iau.global/

·      Copernicus Alliance

Die Copernicus Alliance ist ein europäisches Hochschulnetzwerk, das Bildung für nachhaltige Entwicklung systematisch in Lehre, Forschung und institutionelle Governance von Hochschulen verankert und den hochschulübergreifenden Austausch zu transformativen Bildungsansätzen fördert.

https://www.copernicus-alliance.org/

Zertifizierung

Zertifizierungs- und Anerkennungsformate fungieren als Anreiz- und Qualitätssicherungsinstrumente, um nachhaltige Internationalisierung in Lehre und Curriculum institutionell zu verankern; in diesem Zusammenhang gewinnen Micro-Credentials besondere Bedeutung. Als kurze, formal akkreditierte akademische Lernangebote innerhalb von Bachelor- oder Masterstudiengängen vermitteln sie spezifische Kompetenzen und schließen mit einem Zertifikat sowie international anerkannten Leistungspunkten ab, die lebenslanges Lernen fördern, institutions- und länderübergreifend anerkannt sind und sich flexibel zur beruflichen Weiterqualifizierung oder Spezialisierung kombinieren lassen.


Best-Practice

Uni Passau – Erweiterungsfach BNE für Lehramt (45 ECTS)

Ab WS können Lehramtsstudierende das Erweiterungsfach BNE studieren.

https://www.zlf.uni-passau.de/foren/bne-forum

·      Una Europa – Micro-Credential in Sustainability (10 ECTS)

Ein europäisches, interdisziplinäres Nachhaltigkeits-Micro-Credential, das Studierende befähigt, Nachhaltigkeitsprobleme aus ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven zu analysieren und in globalen Zusammenhängen zu denken. Der Abschluss wird von der Universität Helsinki im Rahmen der Una Europa-Allianz vergeben und ist mit 10 ECTS kreditierbar.

https://www.una-europa.eu/study/microcredential-sustainability

·      Aurora Universities – Micro-Credential „Sustainability & Climate Change“

Teil der Aurora European University Alliance: Studierende erwerben nach Abschlus eines 10-ECTS-Kurses ein Micro-Credential mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Klimawandel. Dieses Zertifikat bestätigt fachliche Kompetenzen in Nachhaltigkeitsanalysen, realweltlichen Projekten und interdisziplinären Problemlösungen.

ttps://aurora-universities.eu/first-aurora-micro-credential-sustainability-climate-change-awarded/

·      VUB – Micro-Credential Sustainability

An der Vrije Universiteit Brussel (VUB) wird ein Micro-Credential „Sustainability“ angeboten, das Nachhaltigkeitsökonomie, Entscheidungssysteme und interdisziplinäre Methoden zur Analyse nachhaltiger Systeme vermittelt.

https://www.vub.be/en/studying-vub/all-study-programmes-vub/bachelors-and-masters-programmes-vub/micro-credential-sustainability

·      SDG-Learn – Certificate Programme (UNITAR/UN-Partnerschaft)

Das beschriebene global angebotene Certificate Programme richtet sich primär an Hochschullehrende, Curriculumverantwortliche sowie institutionelle Akteur:innen (z. B. Programmleitungen, International Offices, Nachhaltigkeitsbeauftragte) und nicht an Studierende. Das Programm zielt auf die Weiterqualifizierung von Lehrenden im Sinne der Integration von SDG- und GCED-Kompetenzen in Studienprogramme und kombiniert Online-Workshops, Peer-Learning und praxisorientierte Curriculumentwicklung, um nachhaltige Internationalisierung strukturell in der Hochschullehre zu verankern (z. B. im Rahmen von SDG Learn-Angeboten).

https://highereducation.unsdglearn.org/certificate-programme

·      Sustainability Literacy Tests (Sulitest)

Der “Sulitest” ist ein international entwickeltes, webbasiertes Assessmentinstrument zur Erfassung grundlegender Nachhaltigkeitskompetenzen von Studierenden aller Fachrichtungen, insbesondere in den Dimensionen Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und globaler Verantwortung. Er dient sowohl der individuellen Zertifizierung von Nachhaltigkeitswissen als auch der institutionsübergreifenden Vergleichbarkeit und curricularen Weiterentwicklung im Sinne internationaler Bildungs- und Nachhaltigkeitsstandards.

https://www.sulitest.org/

·      Swiss Global Competence Lab (SGCL)

Als eine transdisziplinäre Innovationsplattform an vier Schweizer Fachhochschulen stellt sie Forschung, Entwicklung und Dienstleistungen im Bereich der Internationalisierung der Hochschulbildung bereit.

[12]https://www.zhaw.ch/en/linguistics/business-services/swiss-global-competence-lab

Developing the Framework for a Sustainable Swiss Global Competence Certificate:

[13]https://www.zhaw.ch/en/research/project/73760

Weitere Hinweise folgen



Internationalisierung der Studentenschaft sowie Förderung und Verbreitung von Wissen über Nachhaltigkeit
Handlungsempfehlungen

Erhöhung der Internationalisierungserfahrung einheimischer Studierenden at home.

Die Erhöhung der Internationalisierungserfahrung „at home“ ermöglicht es einheimischen Studierenden, interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln, ohne selbst ins Ausland gehen zu müssen. Durch die Teilnahme an verifizierten interkulturellen Trainings sowie die Integration internationalen Lehrmaterials werden globale Perspektiven in den Studienalltag integriert. So werden Studierende besser auf eine vernetzte und international geprägte Zusammenarbeit für mehr Nachhaltigkeit vorbereitet. Folgende Maßnahmen können die Erreichung der Ziele unterstützen.


Maßnahmen

  • Interkulturelle Trainings unterstützen
  • Trainings (evtl. mit Zertifikaten)
  • Internationale Projekte oder gemischte Lerngruppen
  • Tandem (Sprach- und Kulturaustausch zwischen den Studierenden, koordiniert vom IO)
  • Internationale Campus-Events (Workshops, Länderabende)
  • Internationalisierungserfahrungen at home fördern
    • Integration internationaler Fallstudien, Literatur und Perspektiven in reguläre Kurse
    • Transnationale Projekte innerhalb von Modulen
    • extracurriculare Projekte mit einheimischen und internationalen Studierenden (zum Thema Nachhaltigkeit)
    • Einsatz von Gastdozierenden aus dem Ausland (auch virtuell)
    • Förderung der Mehrsprachigkeit in Modulen
    • Förderung von World Englishes oder Unterstützung für Lehrende für Englisch als Lingua Franca


Good Practice Beispiele

  • TU Berlin: Internationalization@Home
    • interkulturelle Basisqualifizierung aller Studierenden
    • "Interkulturelles Buddy-Modul"
  • Berliner Hochschulverbund
    • Virtuelle internationale Lehrprojekte (BeCOIL Collaborative Online International Learning)
  • Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    • Internationalisation at Home – Ökosystem (Buddy-Programme und studentische Initiativen, interkulturelle Events (AStA, Hochschulgemeinden etc.), kulturelle Aktivitäten und Exkursionen)


Ziel 5) Völkerverständigung durch Hochschulen (Einbindung des globalen Ostens und Südens)

Hochschulen spielen eine zentrale Rolle für die Völkerverständigung. Besonders wichtig ist dabei die stärkere Einbindung von Ländern des globalen Ostens und Südens, um vielfältige Perspektiven sichtbar zu machen und politisch bedingte Ausgrenzungen zu überwinden. Durch faire Kooperationen und gezielte Austauschprogramme können Hochschulen zu mehr globaler Gerechtigkeit und gegenseitigem Verständnis beitragen.


Maßnahmen

  • finanzielle Abhängigkeit vs. Freiheit in Forschung und Lehre
  • Umgang mit politischen Einflüssen auf internationale Kooperationen (z.B. Forschungsprojekte und Gastvorträge)



Fazit und Ausblick

Eine nachhaltige Internationalisierung an Hochschulen ist nicht nur möglich, sondern auch notwendig. Trotz bestehender Zielkonflikte können durch transparente Governance, klare Kommunikation und innovative Lösungsansätze Synergien geschaffen werden. Zukünftige Entwicklungen sollten die Diversifizierung globaler Partnerschaften, den Ausbau digitaler Formate und die Verankerung von Nachhaltigkeitszielen in alle Bereiche der Hochschulpolitik fördern.


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