KlimaPlanReal - Nachhaltige Transformationspfade zur Klimaneutralität mit Planungszellen und Reallaboren
Aktuelles Projekt: KlimaPlanReal - intensified
KlimaPlanReal geht weiter - jetzt noch intensiver!
Aktuelle Infos zum Projekt sind auf unserer Website zu finden.
Dokumentation KlimaPlanReal (Laufzeit 2022 - 2025)
Ausgangssituation und Forschungsfragen
Bund und Länder haben sich ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gesetzt, etwa mit der Agenda 2030 und der Klimaneutralität bis 2045. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Frühjahr 2021 hat nicht nur gezeigt, dass diese Klimaziele kurzfristig noch viel ambitionierter sein müssen als bisher gedacht. Sie lenkt auch nachdrücklich den Blick auf die Generationengerechtigkeit beim Klimaschutz. Dies macht es noch wichtiger, Klimaschutzziele frühzeitig auch an den Hochschulen (HS) zu erreichen. Im Projekt KlimaPlanReal wurden neue Formen der Initiierung und Unterstützung von Transformationsprozessen an Hochschulen eingesetzt und untersucht. Es gibt bereits vielfältige Empfehlungen und Good Practices, die Klimaneutralität thematisieren (netzwerk n, HOCH-N Projekt), dennoch vollzieht sich der Wandel nur langsam an den Hochschulen, auch an denen des Projektverbundes aus Sachsen-Anhalt. Bisher scheitern gute Ideen häufig am System, etwa an Systemgrenzen, wie politischen beziehungsweise landesspezifischen Rahmenbedingungen, oder an dadurch verstärkten Konfliktlinien innerhalb der Hochschule und zwischen den Statusgruppen. Es stellt sich die Frage: Durch welche Maßnahmen kann die Motivation aller Hochschulangehörigen so freigesetzt werden, dass sich an Hochschulen selbsttragende Transformationspfade entwickeln können?
Projektansatz und Vorgehen
Mit dem Ansatz des doppelt partizipatorischen Prozesses – erst deliberativ in Form von Hochschulklimaräten (Planungszellen), dann mit Transferlaboren (Reallaboraktivitäten) hat KlimaPlanReal innovative Grundlagen für die partizipative Gestaltung von Transformationsprozessen zu klimafreundlichen Hochschulen geschaffen. Mit dem Hochschulklimarat knüpfte KlimaPlanReal an das bestehende Konzept der Planungszelle (Dienel, 1997) bzw. Klimabürger*innenräte an. Neuartig war die Implementierung dessen an der Hochschule, bzw. an vier Hochschulen simultan.Mit den Transferlaboren knüpfte KlimaPlanReal an das Konzept der Reallabore (z. B. Rose et al., 2019; Parodi & Steglich, 2021) an und wendete dieses auf den Hochschulkontext an. In diesem Zusammenhang wurden Akteur*innen aus allen Mitgliedergruppen zusammengebracht, um auf Augenhöhe in Co-Design, Co-Produktion und Co-Evaluation Maßnahmen hin zur klimaneutralen Hochschule umzusetzen, zu reflektieren und damit Transformationsprozesse anzustoßen.
Projektphasen

Das Projekt lief in vier Phasen ab.
In Phase 1 erfolgte die Status quo Analyse. Hierbei erarbeiteten die beteiligten Hochschulen den qualitativen und quantitativen Ist-Zustand in den drei identifizierten impactrelevanten Transformationsfeldern (ITF; Nachhaltige Pendel- und Geschäftsmobilität, Regenerativer Campus, Nachhaltige Ernährung und Beschaffung) auf Basis selbst definierter impactrelevanter Wirkindikatoren. Die qualitative Analyse beinhaltete eine Beschreibung und Bewertung bisheriger Klimaschutzmaßnahmen sowie eine Akteur*innenanalyse mit Differenzierung von formellen (laut Arbeitsvertrag) und informellen (freiwillig, zusätzlich) Aktiven sowie die Berücksichtigung von bereits bestehender Kommunikation hinsichtlich Klimaschutzaktivitäten. Die quantitative Analyse beinhaltete die Erfassung der Treibhausgasemissionen nach anerkannten Standards (GHG Protocol) in den ITF.
In Phase 2 wurden Hochschulklimaräte an den beteiligten Hochschulen organisiert und durchgeführt. Ein Hochschulklimarat ist ein zeitlich befristetes deliberatives Partizipationsverfahren (vgl. Bürger*innenrat) zur Erarbeitung von Klimaschutzmaßnahmen für die Hochschule. An den Klimaräten nahmen 28 bis 36 Personen je Hochschule teil. Diese bildeten alle Mitgliedergruppen der Hochschule ab (dabei 50% Studierende) und waren im Idealfall durch ein Losverfahren ausgewählt. Die Hochschulklimaräte waren 1,5-tägige Workshops, die durch eine professionelle, neutrale Prozessmoderation geleitet wurden. Die Maßnahmenempfehlungen wurden anschließend im hochschulspezifischen KlimaPlan aufbereitet und der Hochschulleitung überreicht. Aus den Maßnahmen des KlimaPlans wurden anschließend anhand einer Impact-Bewertung (z.B. Betrag der Treibhausgasreduktion) durch das jeweilige Projektteam geeignete Pilotmaßnahmen für die Transferlabore ausgewählt.
In Phase 3 und 4 wurde die Umsetzung der ausgewählten Pilotmaßnahmen im Rahmen von zwei aufeinanderfolgenden Transferlaboren begonnen bzw. final umgesetzt. Jede Hochschule verfolgte dabei eigene Maßnahmen, entsprechend der Impact-Bewertung.
Projektziele und zu erwartende Ergebnisse
Das Besondere an dem gewählten deliberativen Ansatz der Hochschulklimaräte ist der gezielte und systematische Einsatz von partizipatorischen Instrumenten, die den Dialog zwischen den verschiedenen Statusgruppen befördern und somit alle aktiv in den Transformationsprozess einbeziehen. Dieser Prozess wird hochschulübergreifend vergleichend erforscht und evaluiert. In einer empirischen Mehrwellenerhebung geht das Projekt KlimaPlanReal insbesondere der Frage nach, welche Prozesse zu stärkerer kollektiver Wirksamkeitserwartung an Hochschule und zu stärkerem Klimaschutzengagement führen (hochschulübergreifende Transformationsforschung). Dieser Ansatz des doppelt partizipatorischen Prozesses – erst deliberativ in Form von Hochschulklimaräten (Planungszellen), dann Transferlaboren (Reallaboraktivitäten) – wird dokumentiert und so aufbereitet, dass weitere Hochschulen das phasenweise Vorgehen im Sinne des „Best follower“-Prinzips nutzen können. Insgesamt hat KlimaPlanReal eine hohe Relevanz für die praktische Umsetzung einer Transformation in Richtung Nachhaltigkeit (NHK), weil Transformationswissen (Planungszellen- und Reallaboransatz & Erforschung der Wirkungen) und transformatives Wissen (Umsetzungsprozesse in Reallaboren) zum sozial-ökologischen Wandel generiert werden. Zudem deckt das Projekt generelle Hemmnisse bei der Umsetzung auf, entwickelt praktische Umsetzungs- und Transferhinweise als Blaupausen und identifiziert systemische Barrieren für die Hochschulen im Land Sachsen-Anhalt sowie Lösungsmöglichkeiten. Bereits aus den Hochschulklimaräten werden Blaupausen abgeleitet, die im fortlaufenden Prozess weiterentwickelt werden.
Aktivitäten
Hier werden alle Aktivitäten des Verbundprojektes in einer Übersicht zusammengestellt. Sollten Aktivitäten fehlen, dürfen diese gerne eigenständig ergänzt werden. Alternativ schicken Sie eine Mail an Wiki-Supportmit Ihrem Anliegen. Wir ergänzen dann die gewünschte Aktivität.
KlimaPlanReal im Podcast der Uni Magdeburg: #1 Weniger Parkplätze und mehr Grünflächen auf dem Campus (Spotify)
Die Folge bietet einen Einblick in das Geschehen rund um das Projekt KlimaPlanReal. Zu Gast ist Dr. Christian Künzel (Projektkoordination).
Auf einen Blick
Fördermaßnahme
Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen
Projekttitel
Nachhaltige Transformationspfade zur Klimaneutralität mit Planungszellen und Reallaboren (KlimaPlanReal)
(Förderkennzeichen: 01UN2203)
Laufzeit
01.10.2022 – 30.09.2025
Verbundkoordination
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg
Dr. Silke Rühmland (Dr. Christian Künzel)
Tel.: 0391/67 - 57095 (57445)
E-Mail
Projektpartner
- Hochschule Anhalt, Bernburg
- Hochschule Harz, Wernigerode
- Hochschule Magdeburg-Stendal, Magdeburg
- Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle
Kontakt im DLR Projektträger
Dr. Ralph Wilhelm, E-Mail
Weblinks
KlimaPlanReal – Universität Magdeburg
KlimaPlanReal – Hochschule Magdeburg/Stendal
KlimaPlanReal – Hochschule Anhalt
KlimaPlanReal – Univesität Halle/Wittenberg
KlimaPlanReal – Hochschule Harz
Einzelnachweise
- ↑ Bundesministerium für Bildung und Forschung (2023): Projektblätter: BMBF-Fördermaßnahme „Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen“ https://www.fona.de/medien/pdf/Projektblaetter_TnHs_web.pdf (Zugriff: 01.06.2023)