NE-Zertifikat
Allgemeines
NE-Zertifikate (Zertifikate für Nachhaltige Entwicklung), bescheinigen den Besitzenden, dass sie sich im Bereich der nachhaltigen Entwicklung ausgebildet haben und je nach Umfang entsprechendes Wissen angeeignet haben, was zu einer nachhaltigen Entwicklung notwendig ist und eventuell sogar Kompetenzen erworben haben, um Nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft voranzutreiben.
NE-Zertifikate sollten nicht mit BNE-Zertifikaten (Zertifikate für die Bildung für nachhaltige Entwicklung) gleich gesetzt werden, welche bescheinigen, dass man sich im Bereich der Ausbildung (Inhaltsvermittlung, didaktische Methoden) für eine nachhaltige Entwicklung ausgebildet hat.
Wenn wir hier von NE-Zertifikaten sprechen, meinen wir in der Regel, dass Studierende diese Zertifikate erwerben können (im Prinzip könnte es auch NE-Zertifikate für Kinder, Schüler:innen, Auszubildende, Erwachsene, Rentner:innen... geben).
Auflistung und Verlinkung von NE-Zertifikaten
Da die Gegebenheiten an Hochschulen unterschiedlich sein können, ist auch die Einbettung der NE-Zertifikate an Hochschulen unterschiedlich. Die folgende Tabelle soll einen Überblick über die Möglichkeiten für NE-Zertifikate für Studierende an Hochschulen im deutschsprachigen Raum bieten und für detailiertere Informationen auf die entsprechenden Onlinepräsenzen verweisen.
| Hochschule/ Anbieter:in | Titel | Umfang (ECTS) | Kurzbeschreibung | Internetlink |
|---|---|---|---|---|
| Hochschule Fulda | Nachhaltigkeitszertifikat für Studierende | 15 ECTS | Das Nachhaltigkeitszertifikat besteht aus einem interdisziplinären Grundlagenmodul und zwei fachspezifischen Vertiefungsmodulen. Es gibt Studierenden die Möglichkeit, Grundlagen und verschiedene Dimensionen der Nachhaltigkeit kennenzulernen, zu lernen, wie diese im Beruf angewendet werden können und auch Impulse für ihr eigenes Privatleben mitzunehmen. Darüber hinaus gibt es tiefere Einblicke in die Nachhaltigkeitsaspekte im eigenen Studienfeld. | NE-Zertifikat Hochschule Fulda |
| Universität Konstanz | Nachhaltigkeitszertifikat qualifikation N | 12 ECTS | Die qualifikation N besteht, entsprechend dem zugrundeliegenden Dreiklang Lernen.Umsetzten.Vernetzen, aus drei Modulen. Modul 1 - Lernen: Teilnahme am eintägigen Einführungsworkshop und an mindestens drei Nachhaltigkeitsseminaren (9 ECTS). Modul 2 - Umsetzen: planen und realisieren eigenes Nachhaltigkeitsprojekt (3 ECTS). Modul 3 - Vernetzen: Teilnahme an mindestens zwei Netzwerktreffen mit (lokalen) Nachhaltigkeitsakteur*innen. | qualifikation N |
| Universität Leipzig | Handlungskompetenz für nachhaltige Entwicklung | 20 ECTS | Das Zertifikat besteht aus drei Modulen: 1. Grundlagenmodul mit Ringvorlesung und zwei Praxisworkshops, 2. Aufbaumodul (interdisziplinärer Besuch eines bestehenden Moduls mit Nachhaltigkeitsbezug), 3. Praxismodul (Durchführung eines Realexperiments in einem Reallabor) | NE-Zertifikat Uni Leipzig |
| Universität Duisburg-Essen | Zertifikat 'Bildung für Nachhaltige Entwicklung' | 8 ECTS | Das Zertifikat ‚Bildung für Nachhaltige Entwicklung‘ setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: einem Grundlagenbereich, einem Spezialisierungsbereich sowie dem Projektbereich, in denen je eine Veranstaltung belegt wird. Letzterer kann durch eine zweite Veranstaltung des Spezialisierungsbereichs ersetzt werden. Ziel des Zertifikats ist es, interdisziplinär Kompetenzen zur Gestaltung nachhaltiger Lösungen und Transformationen zu erwerben. | ZBNE Uni Duisburg-Essen |
| Bremer Hochschulen (Universität Bremen, Hochschule Bremen, Hochschule Bremerhaven, Hochschule für Künste Bremen) | BRENA (Bremer Zertifikat Nachhaltigkeit) | BRENA_start: mind. 9 ECTS; BRENA_plus: mind. 12 ECTS | Hochschulübergreifendes, studienbegleitendes Nachhaltigkeitszertifikat (seit WS 25/26), koordiniert durch die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit. Drei Module, zwei Stufen: Modul 1 (3 ECTS) Grundlagen über VAN Online Lehrveranstaltungen mit Abschluss per eKlausur; Module 2 und 3 als Wahlbereich mit festem ECTS Mindestanteil in BRENA_plus. Optional: BRENA_Reflex Portfolio zur Dokumentation und Reflexion des Lernwegs, ohne Benotung. | BRENA www.bre-na.de |
| Technische Universität Dortmund | studium oecologicum | 10 ECTS | Wahl von geeigneten Schwerpunkten, um eigenes Studium in sozial-ökologischen Kontext einzuordnen und Transformation integrativ zu gestalten; drei Module (jeweils mind. 2 ECTS): ein interdisziplinäres Grundlagenmodul, ein Vertiefungsmodul aus dem eigenen Fachbereich, ein fachfremdes Vertiefungsmodul; Vertiefungsmodule gliedern sich in fünf Fachbereiche: Bildung, Gesellschaft, Naturwissenschaft und Technik, Ökonomie, Raum und Bau | [1] studium oecologikum TU Dortmund |
Kritik
Kritik hinsichtlich der NE-Zertifikate gibt es, da sie die Einbildung fördern können, ein Extraangebot, zur allgemeinen Lehre an Hochschulen, reiche aus, um eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft sicher zu stellen, obwohl das Ziel sein sollte Nachhaltige Entwicklung "build in" in jedem Fach und Bereich der Hochschule bestmöglich zu lehren und fördern (siehe hierzu die verschiedenen Ambitionsniveaus, die im HochN-Leitfaden Lehre S. 51 ff. [1] beschrieben sind).
Eine aktuelle bildungspolitische Argumentation, warum freiwillige Zertifikatsmodelle allein nicht ausreichen und welche strukturellen Hebel für eine curriculare Verankerung von Nachhaltigkeit relevant sind, findet sich hier: Pijetlovic, Denis; Müller-Christ, Georg (2025): ''Pflichtfach Nachhaltigkeit: Ein bildungspolitisches Update''. In: ''Klimawandel und Bildung. Konzepte, Methoden und Perspektiven transformativer Klimabildung'', S. 33–52. DOI: 10.26092/elib/4243.