Status quo Analyse klimarelevanter Bereiche einer Hochschule: Unterschied zwischen den Versionen
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|zielgr=Forschende, Lehrende, Studierende, Verwaltungsmitarbeitende, Hochschulleitung, ProfessorIn, Dozent(in), Wissenschaftliche(r) Mitarbeiter(in) | |zielgr=Forschende, Lehrende, Studierende, Verwaltungsmitarbeitende, Hochschulleitung, ProfessorIn, Dozent(in), Wissenschaftliche(r) Mitarbeiter(in) | ||
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==Erläuterung Status Quo Analyse?== | |||
Eine Status Quo Analyse, wie sie im Rahmen des Projekts [[KlimaPlanReal - Nachhaltige Transformationspfade zur Klimaneutralität mit Planungszellen und Reallaboren|KlimaPlanReal]] durchgeführt wurde, ist die systematische qualitative und quantitative Erhebung sowie Bewertung des aktuellen Stands aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. Sie kann als fachliche und strategische Grundlage zur Entwicklung und Priorisierung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen dienen. | |||
Ziel ist es, Transparenz über die Ausgangssituation zu schaffen, Datenlücken zu identifizieren und konkrete Ansatzpunkte für die Transformation zur Klimaneutralität abzuleiten. Die im Projekt erstellten Status Quo Analysen der beteiligten Hochschulen sind auf der [https://www.klimaplanreal.ovgu.de/Dokumentation/Status+Quo+Analyse.html Projektwebsite der Otto-von-Guericke-Universität] Magdeburg öffentlich zugänglich<ref name=":0">KlimaplanReal (2023a). ''Status Quo Bericht OVGU''. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/OVGU+_+Status+Quo+Bericht-p-330.pdf</ref><ref>Hochschule Anhalt (2023). ''Status Quo Bericht HSA''. Hochschule Anhalt. | |||
https://www.hs-anhalt.de/fileadmin/Dateien/Nachhaltigkeit/KlimPlanReal/2023-11-23_KlimaPlanReal_Status_Quo_Bericht_HSA_onlineversion.pdf</ref><ref name=":1">KlimaplanReal (2023b). ''Status Quo Bericht MLU''. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/Status+Quo+Bericht+MLU.pdf</ref>. | |||
==Methodisches Vorgehen== | |||
=== Akteur*innenanalyse === | |||
Die Akteur*innenanalyse dient der systematischen Identifikation und Bewertung aller relevanten Akteur''*''innen im Kontext des Klimaschutzes an der Hochschule. Ziel ist es, sowohl interne als auch externe Personen, Gruppen und Institutionen zu erfassen, die Einfluss auf Klimaschutzaktivitäten haben oder von diesen betroffen sind. | |||
Dabei wird zwischen '''formellen Akteur*innen''' (mit klarer Zuständigkeit durch die Tätigkeitsbeschreibung einer Stelle, z. B. in der Verwaltung) und '''informellen Akteur*innen''' (mit freiwilligem Engagement ohne formelle Zuständigkeit) unterschieden. Ergänzend können weitere Aspekte wie Interessen, Einflussmöglichkeiten, Ressourcen oder Rollen berücksichtigt werden. | |||
''' | |||
Eine frühzeitige Akteur*innenanalyse hilft, potenzielle Widerstände zu erkennen, Unterstützerinnen einzubinden und zielgerichtete Kommunikations- und Beteiligungsprozesse zu gestalten. Sie bildet zudem die Grundlage für die Erfassung bestehender Klimaschutzmaßnahmen sowie für die Datenerhebung im Rahmen der Treibhausgasbilanz. | |||
Für die Analyse empfiehlt es sich, '''zentrale Handlungsfelder''' zu betrachten, z. B.: | |||
* '''Regenerativer Campus''' (Energie, Wasser, Abfall, Biodiversität) | |||
* '''Mobilität''' (Pendelmobilität, Dienstreisen) | |||
* '''Beschaffung''' und optional '''Ernährung''' | |||
''' | '''Schritt 1: Identifikation der Akteur*innen''' | ||
* Recherche interner Akteur*innen und ihrer Arbeitsbereiche über Hochschulwebseiten und Dokumente (z. B. Hochschulleitung, Verwaltung, Fachbereiche, Studierendenvertretung, Nachhaltigkeitsstrukturen). | |||
* Identifikation externer Akteur*innen (z. B. Kommunen, Energieversorger, Studierendenwerke, NGOs, Unternehmen). | |||
'' | '''Schritt 2: Kategorisierung und Datenerhebung''' | ||
''' | * Durchführung von Interviews oder Befragungen entlang der Handlungsfelder | ||
* Potenzielle Leitfragen: | |||
** Gibt es eine formelle Zuständigkeit (laut Arbeitsvertrag) der Person im betrachteten Handlungsfeld? | |||
** Welche klimaschutzrelevanten Aktivitäten des Mitarbeitenden (formell), wurden und werden bereits umgesetzt (z.B. Beauftragung der Abfallentsorgung)? | |||
** Hat der Akteur ein informelles Interesse (z.B. Biodiversität) aber keine formelle Zuständigkeit (legitimiert über die Tätigkeitsbrschreibung im Arbeitsvertrag)? | |||
** Welche informellen Aktivitäten gab es bereits und gibt es aktuell (z.B. Müllsannelaktionen)? | |||
* Ggf. weitere Aspekte wie Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen erheben/ erfragen (z. B. „''Initiator*in“, „Entscheider*in''“, „''Umsetzer*in''“) | |||
* Tools: Hinweise und Vorlagen für Akteur*innenprofile | |||
** Hinweise zur Akteurseinbindung des Umweltbundesamtes (UBA, 2022) | |||
** Vorlage: Stakehoder Identification and Analysis (ACU, 2002) | |||
** Vorlage: Climate Adaptation stakeholder map by Adaption Scotland (2022) | |||
'''Schritt 3: Dokumentation''' | |||
* Strukturierte Aufbereitung der Ergebnisse in Form einer Tabelle oder Matrix (z. B. nach Akteur*in, Zuständigkeit, Aktivitäten, Rolle)[[Datei:Akteursanalyse OVGU.jpg|mini]] | |||
=== Qualitative Analyse: Klimaschutzmaßnahmen und Governance-Strukturen === | |||
Aufbauend auf der Akteur*innenanalyse werden die hochschulspezifischen Rahmenbedingungen, Strategien und Aktivitäten im Bereich Klimaschutz systematisch zusammengetragen, um einen strukturierten Überblick zu erhalten. | |||
Mögliche Leitfragen: | |||
* Gibt es eine Nachhaltigkeits-/Klimaschutzstrategie oder vergleichbare Konzepte? | |||
* Welche Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele verfolgt die Institution? | |||
* Gibt es ein Nachhaltigkeits-, Klimaschutz- oder Energiemanagement? | |||
* Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder sind in Planung? | |||
* Gibt es Maßnahmen die gescheitert sind? Wenn ja, welche und warum | |||
* Welche (Forschungs-)Projekte existieren im Bereich Klimaschutz und wie wirken diese in die Hochschule hinein? | |||
Eine zusätzliche Orientierung bieten die im Projekt [[KlimaPlanReal - Nachhaltige Transformationspfade zur Klimaneutralität mit Planungszellen und Reallaboren|KlimaPlanReal]] entwickelten rund 50 Wirkindikatoren ('''[https://zenodo.org/records/14966175 Wirkinidkatorenliste]'''), die eine systematische Einordnung und Bewertung der Aktivitäten in den zentralen Handlungsfeldern Regenerativer Campus, Mobilität sowie Beschaffung und Ernährung ermöglichen. | |||
=== | === Quantitative Analyse: Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz) === | ||
Die Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz) ist die quantitative Erhebung der Emissionen nach anerkannten Standards (z. B. GHG Protocol oder BISCO) in den impactrelevanten Handlungsfeldern: Nachhaltige Mobilität (Geschäfts- und Pendelmobilität), Regenerativer Campus (Energie & Biodiversität), Nachhaltige Ernährung & Beschaffung. | |||
Im Rahmen des Projekts ''KlimaPlanREal'' orientierte sich die THG-Bilanzierung am Standard des '''Greenhouse Gas Protocol''' (Greenhouse Gas Protocol, 2015). Für die Status-Quo-Analyse wurden '''Scope 1 bis Scope 3''' berücksichtigt, um sowohl direkte als auch indirekte Emissionen abzudecken. Die Berechnung erfolgte unter Verwendung einer Vorgängerversion des '''KliMAx-Tools''' der Hochschule Magdeburg-Stendal. | |||
''' | '''Schritt 1: Datenbeschaffung und -validierung''' | ||
== | * '''Auswahl eines geeigneten Tools''' zur Treibhausgasbilanzierung (z. B. [https://wiki.dg-hochn.de/images/7/76/Hub_THGBilanzierung_240418_KliMax.pdf KliMax-Tool], [https://www.bayzen.de/materialien/baycalc/ BayCalc]). | ||
Auf | * '''Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen''' zur Sicherstellung einer vollständigen Datenbasis, z. B. durch die Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen und ggf. Studierendenvertretung. | ||
*'''Frühzeitige Einbindung | * '''Datenbeschaffung und Plausibilitätsprüfung''', u. a. durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks (z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen). | ||
*'''Klare Verantwortlichkeiten''' | * '''Lückenanalyse''': Systematische Identifikation unvollständiger Daten; Nutzung von Schätzwerten (z. B. durchschnittliche Reisestatistiken) mit Kennzeichnung als „unsichere Daten“. | ||
*'''Standardisierte Methoden und Tools''' | |||
*''' | '''Schritt 2: Datenauswertung, Visualisierung und Ergebniskommunikation''' | ||
*'''Transparente Kommunikation''' | |||
* '''THG-Bilanzierung nach Scope 1–3''', zur Erfassung direkter und indirekter Emissionen (z. B. mittels KliMAx oder eigener Kalkulationsgrundlagen). | |||
* '''Visualisierung der Ergebnisse''' in Diagrammen und Heatmaps (z. B. „CO₂-Fußabdruck nach Bereich“) zur intuitiven Darstellung. | |||
* '''Kommunikation''': Transparente Darstellung der Bilanzierungsergebnisse und frühzeitige Einbindung aller relevanten Gruppen zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen. | |||
=== Weitere quantitative Wirkindikatoren === | |||
Nach der Analyse des qualitativen und quantitativen Ist-Zustands, unter anderem anhand der Treibhausgasbilanz, können weitere '''Wirkindikatoren''' wertvolle Einblicke in den Klimaschutz an der Hochschule liefern. Die im Projekt erarbeitete [https://zenodo.org/records/14966175 Liste der Wirkindikatoren] ermöglicht eine '''objektive Bewertung des Status Quo''' (Künzel et al., 2023). Sie wurde in einem '''mehrstufigen Abstimmungsprozess der Verbundhochschulen''' gemeinsam erarbeitet und die Indikatoren anhand wissenschaftlicher Quellen definiert<ref>Künzel, C., Rühmland, S., Kastner, K., Zigann, J., Dullau, S., Pfitzner, B., Klinner, A., Bub, F., Döhle, F., & Hensen, H. (2023). ''Indikatoren für den Klimaimpact an Hochschulen''. Zenodo. | |||
https://doi.org/10.5281/zenodo.14966175</ref>. | |||
==Empfehlungen== | |||
Auf Basis der Erfahrungen aus dem Projekt ''KlimaPlanReal'' lassen sich folgende Empfehlungen ableiten: | |||
* '''Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen:''' Verwaltung, Wissenschaftler''innen, Studierende und externe Partner''innen sollten von Beginn an beteiligt werden, um die Datenbeschaffung also auch -qualität zu sichern und die Akzeptanz der Ergebnisse zu erhöhen. | |||
* '''Klare Verantwortlichkeiten:''' Zuständigkeiten für Datenerhebung, -auswertung und -validierung sollten eindeutig festgelegt werden, um Missverständnisse zu vermeiden und die Umsetzung effizient zu gestalten. | |||
* '''Standardisierte Methoden und Tools:''' Die Nutzung etablierter Standards (z. B. GHG Protocol) gewährleistet Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse. | |||
* '''Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze:''' Zahlenbasierte Daten sollten durch qualitative Beschreibungen ergänzt werden, um ein umfassendes Bild von Klimaschutz an der Hochschule zu erhalten. | |||
* '''Transparente Kommunikation:''' Offene Dokumentation und regelmäßige Updates fördern Vertrauen, Engagement und aktive Mitwirkung aller Beteiligten. | |||
== Literaturverzeichnis == | == Literaturverzeichnis == | ||
<references /> | |||
[[Kategorie:Transformationspfade]] | |||
[[Kategorie:Status Quo]] | |||
[[Kategorie:KlimaPlanReal]] | |||
Aktuelle Version vom 30. März 2026, 15:24 Uhr
| Status quo Analyse klimarelevanter Bereiche einer Hochschule | |
|---|---|
| Eine Status quo Analyse ist die systematische Erhebung und Bewertung des aktuellen Standes der klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. | |
| Handlungsfelder | |
Governance
| |
| Themenbezug | |
| Stichworte | |
Klimaschutz, Akteur*innenanalyse, THG-Bilanz, Wirkindikatorenbetrachtung
| |
| Zielgruppe | |
Forschende, Lehrende, Studierende, Verwaltungsmitarbeitende, Hochschulleitung, ProfessorIn, Dozent(in), Wissenschaftliche(r) Mitarbeiter(in)
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Erläuterung Status Quo Analyse?
Eine Status Quo Analyse, wie sie im Rahmen des Projekts KlimaPlanReal durchgeführt wurde, ist die systematische qualitative und quantitative Erhebung sowie Bewertung des aktuellen Stands aller klimarelevanten Bereiche einer Hochschule. Sie kann als fachliche und strategische Grundlage zur Entwicklung und Priorisierung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen dienen.
Ziel ist es, Transparenz über die Ausgangssituation zu schaffen, Datenlücken zu identifizieren und konkrete Ansatzpunkte für die Transformation zur Klimaneutralität abzuleiten. Die im Projekt erstellten Status Quo Analysen der beteiligten Hochschulen sind auf der Projektwebsite der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg öffentlich zugänglich[1][2][3].
Methodisches Vorgehen
Akteur*innenanalyse
Die Akteur*innenanalyse dient der systematischen Identifikation und Bewertung aller relevanten Akteur*innen im Kontext des Klimaschutzes an der Hochschule. Ziel ist es, sowohl interne als auch externe Personen, Gruppen und Institutionen zu erfassen, die Einfluss auf Klimaschutzaktivitäten haben oder von diesen betroffen sind.
Dabei wird zwischen formellen Akteur*innen (mit klarer Zuständigkeit durch die Tätigkeitsbeschreibung einer Stelle, z. B. in der Verwaltung) und informellen Akteur*innen (mit freiwilligem Engagement ohne formelle Zuständigkeit) unterschieden. Ergänzend können weitere Aspekte wie Interessen, Einflussmöglichkeiten, Ressourcen oder Rollen berücksichtigt werden.
Eine frühzeitige Akteur*innenanalyse hilft, potenzielle Widerstände zu erkennen, Unterstützerinnen einzubinden und zielgerichtete Kommunikations- und Beteiligungsprozesse zu gestalten. Sie bildet zudem die Grundlage für die Erfassung bestehender Klimaschutzmaßnahmen sowie für die Datenerhebung im Rahmen der Treibhausgasbilanz.
Für die Analyse empfiehlt es sich, zentrale Handlungsfelder zu betrachten, z. B.:
- Regenerativer Campus (Energie, Wasser, Abfall, Biodiversität)
- Mobilität (Pendelmobilität, Dienstreisen)
- Beschaffung und optional Ernährung
Schritt 1: Identifikation der Akteur*innen
- Recherche interner Akteur*innen und ihrer Arbeitsbereiche über Hochschulwebseiten und Dokumente (z. B. Hochschulleitung, Verwaltung, Fachbereiche, Studierendenvertretung, Nachhaltigkeitsstrukturen).
- Identifikation externer Akteur*innen (z. B. Kommunen, Energieversorger, Studierendenwerke, NGOs, Unternehmen).
Schritt 2: Kategorisierung und Datenerhebung
- Durchführung von Interviews oder Befragungen entlang der Handlungsfelder
- Potenzielle Leitfragen:
- Gibt es eine formelle Zuständigkeit (laut Arbeitsvertrag) der Person im betrachteten Handlungsfeld?
- Welche klimaschutzrelevanten Aktivitäten des Mitarbeitenden (formell), wurden und werden bereits umgesetzt (z.B. Beauftragung der Abfallentsorgung)?
- Hat der Akteur ein informelles Interesse (z.B. Biodiversität) aber keine formelle Zuständigkeit (legitimiert über die Tätigkeitsbrschreibung im Arbeitsvertrag)?
- Welche informellen Aktivitäten gab es bereits und gibt es aktuell (z.B. Müllsannelaktionen)?
- Ggf. weitere Aspekte wie Kooperationsbereitschaft, Ressourcen und potenziellen Rollen erheben/ erfragen (z. B. „Initiator*in“, „Entscheider*in“, „Umsetzer*in“)
- Tools: Hinweise und Vorlagen für Akteur*innenprofile
- Hinweise zur Akteurseinbindung des Umweltbundesamtes (UBA, 2022)
- Vorlage: Stakehoder Identification and Analysis (ACU, 2002)
- Vorlage: Climate Adaptation stakeholder map by Adaption Scotland (2022)
Schritt 3: Dokumentation
- Strukturierte Aufbereitung der Ergebnisse in Form einer Tabelle oder Matrix (z. B. nach Akteur*in, Zuständigkeit, Aktivitäten, Rolle)

Qualitative Analyse: Klimaschutzmaßnahmen und Governance-Strukturen
Aufbauend auf der Akteur*innenanalyse werden die hochschulspezifischen Rahmenbedingungen, Strategien und Aktivitäten im Bereich Klimaschutz systematisch zusammengetragen, um einen strukturierten Überblick zu erhalten.
Mögliche Leitfragen:
- Gibt es eine Nachhaltigkeits-/Klimaschutzstrategie oder vergleichbare Konzepte?
- Welche Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele verfolgt die Institution?
- Gibt es ein Nachhaltigkeits-, Klimaschutz- oder Energiemanagement?
- Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder sind in Planung?
- Gibt es Maßnahmen die gescheitert sind? Wenn ja, welche und warum
- Welche (Forschungs-)Projekte existieren im Bereich Klimaschutz und wie wirken diese in die Hochschule hinein?
Eine zusätzliche Orientierung bieten die im Projekt KlimaPlanReal entwickelten rund 50 Wirkindikatoren (Wirkinidkatorenliste), die eine systematische Einordnung und Bewertung der Aktivitäten in den zentralen Handlungsfeldern Regenerativer Campus, Mobilität sowie Beschaffung und Ernährung ermöglichen.
Quantitative Analyse: Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz)
Die Erfassung der Treibhausgasemissionen (THG-Bilanz) ist die quantitative Erhebung der Emissionen nach anerkannten Standards (z. B. GHG Protocol oder BISCO) in den impactrelevanten Handlungsfeldern: Nachhaltige Mobilität (Geschäfts- und Pendelmobilität), Regenerativer Campus (Energie & Biodiversität), Nachhaltige Ernährung & Beschaffung.
Im Rahmen des Projekts KlimaPlanREal orientierte sich die THG-Bilanzierung am Standard des Greenhouse Gas Protocol (Greenhouse Gas Protocol, 2015). Für die Status-Quo-Analyse wurden Scope 1 bis Scope 3 berücksichtigt, um sowohl direkte als auch indirekte Emissionen abzudecken. Die Berechnung erfolgte unter Verwendung einer Vorgängerversion des KliMAx-Tools der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Schritt 1: Datenbeschaffung und -validierung
- Auswahl eines geeigneten Tools zur Treibhausgasbilanzierung (z. B. KliMax-Tool, BayCalc).
- Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen zur Sicherstellung einer vollständigen Datenbasis, z. B. durch die Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus Energie-/Gebäudemanagement, Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Hochschul-IT, Fachabteilungen und ggf. Studierendenvertretung.
- Datenbeschaffung und Plausibilitätsprüfung, u. a. durch Abgleich mit Vorjahreswerten und externen Benchmarks (z. B. Vergleichswerte anderer Hochschulen).
- Lückenanalyse: Systematische Identifikation unvollständiger Daten; Nutzung von Schätzwerten (z. B. durchschnittliche Reisestatistiken) mit Kennzeichnung als „unsichere Daten“.
Schritt 2: Datenauswertung, Visualisierung und Ergebniskommunikation
- THG-Bilanzierung nach Scope 1–3, zur Erfassung direkter und indirekter Emissionen (z. B. mittels KliMAx oder eigener Kalkulationsgrundlagen).
- Visualisierung der Ergebnisse in Diagrammen und Heatmaps (z. B. „CO₂-Fußabdruck nach Bereich“) zur intuitiven Darstellung.
- Kommunikation: Transparente Darstellung der Bilanzierungsergebnisse und frühzeitige Einbindung aller relevanten Gruppen zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen.
Weitere quantitative Wirkindikatoren
Nach der Analyse des qualitativen und quantitativen Ist-Zustands, unter anderem anhand der Treibhausgasbilanz, können weitere Wirkindikatoren wertvolle Einblicke in den Klimaschutz an der Hochschule liefern. Die im Projekt erarbeitete Liste der Wirkindikatoren ermöglicht eine objektive Bewertung des Status Quo (Künzel et al., 2023). Sie wurde in einem mehrstufigen Abstimmungsprozess der Verbundhochschulen gemeinsam erarbeitet und die Indikatoren anhand wissenschaftlicher Quellen definiert[4].
Empfehlungen
Auf Basis der Erfahrungen aus dem Projekt KlimaPlanReal lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:
- Frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen: Verwaltung, Wissenschaftlerinnen, Studierende und externe Partnerinnen sollten von Beginn an beteiligt werden, um die Datenbeschaffung also auch -qualität zu sichern und die Akzeptanz der Ergebnisse zu erhöhen.
- Klare Verantwortlichkeiten: Zuständigkeiten für Datenerhebung, -auswertung und -validierung sollten eindeutig festgelegt werden, um Missverständnisse zu vermeiden und die Umsetzung effizient zu gestalten.
- Standardisierte Methoden und Tools: Die Nutzung etablierter Standards (z. B. GHG Protocol) gewährleistet Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse.
- Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze: Zahlenbasierte Daten sollten durch qualitative Beschreibungen ergänzt werden, um ein umfassendes Bild von Klimaschutz an der Hochschule zu erhalten.
- Transparente Kommunikation: Offene Dokumentation und regelmäßige Updates fördern Vertrauen, Engagement und aktive Mitwirkung aller Beteiligten.
Literaturverzeichnis
- ↑ KlimaplanReal (2023a). Status Quo Bericht OVGU. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/OVGU+_+Status+Quo+Bericht-p-330.pdf
- ↑ Hochschule Anhalt (2023). Status Quo Bericht HSA. Hochschule Anhalt. https://www.hs-anhalt.de/fileadmin/Dateien/Nachhaltigkeit/KlimPlanReal/2023-11-23_KlimaPlanReal_Status_Quo_Bericht_HSA_onlineversion.pdf
- ↑ KlimaplanReal (2023b). Status Quo Bericht MLU. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.https://www.klimaplanreal.ovgu.de/klimaplanreal_media/Downloads/Status+Quo+Bericht+MLU.pdf
- ↑ Künzel, C., Rühmland, S., Kastner, K., Zigann, J., Dullau, S., Pfitzner, B., Klinner, A., Bub, F., Döhle, F., & Hensen, H. (2023). Indikatoren für den Klimaimpact an Hochschulen. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14966175