HOCH-N:Bedeutung und Bezug der Nachhaltigkeit im Hochschulbetrieb

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Bedeutung und Bezug der Nachhaltigkeit im Hochschulbetrieb
Einführung in betriebliche Nachhaltigkeit
Themenbezug
Zielgruppe
Forschende, Lehrende, Studierende, Verwaltungsmitarbeitende, Hochschulleitung, Politik
Schnittstellen
Schwierigkeitsgrad
Niedrig
Autor:innenschaft
Adresse
Theodor-Körner-Allee 16, 02763, Zittau
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Kategorien


Nachhaltigkeit im Hochschulbetrieb erfährt etwa seit den 1990er Jahren dadurch Relevanz, dass Hochschulen über geltende rechtliche Vorgaben der Europäischen Union (EU), des Bundes und der Länder dazu verpflichtet sind, insbesondere arbeits- und umweltschutzbezogene Themen im Hochschulbetrieb zu berücksichtigen. Dazu zählen beispielsweise die Abfall- und Abwasserentsorgung, der sichere Umgang mit Gefahrstoffen sowie insbesondere der Immissions- und Arbeitsschutz. Zur Erfüllung der damit verknüpften Aufgaben war und ist die Festlegung von Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten, wie hochschulinterne Beauftragte für Arbeits- und Umweltschutz sowie für das Abfallmanagement und für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen von wesentlicher Bedeutung.[1] Über die Rechtskonformität hinaus bedeutsam, jedoch wegen häufig fehlender hochschulpolitisch bindender Rahmenbedingungen noch weitgehend freiwillig, sind die Erfassung und Steuerung (Monitoring und Controlling) von Umweltaspekten (beispielsweise Emissions-, Verbrauchs- und Entsorgungsraten), die eng verbunden mit einem ressourcenbewussten, -effizienten, kreislauf- und substitutionsbasierten Betrieb sind.[2]

Für eine effiziente Organisation von Nachhaltigkeit im Hochschulbetrieb wurden daraufhin seit 1999 validierte Umweltmanagementsysteme (UMS) nach der Öko-Audit Verordnung der EU und dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) relevant und erfuhren u. a. an der Hochschule Zittau/Görlitz, an den Universitäten Paderborn, Bielefeld, Lüneburg sowie an den Technischen Universitäten Berlin und Dresden ihre Umsetzung.[3] Aktuell setzen 20 deutsche Hochschulen ein UMS nach EMAS oder ISO 14001 um.[4] Zusätzlich zu ihrer operativen ökologischen Relevanz gewinnen UMS zunehmend auch an strategischer Bedeutung für Entscheidungen und Prozesse im Rahmen eines nachhaltigen Hochschulbetriebs. Dabei orientieren sie sich am Prozess der kontinuierlichen Verbesserung nach dem Plan-Do-Check-Act (PDCA)-Zyklus, der nach seinem Begründer auch Deming-Zyklus genannt wird (siehe Abbildung 1: PDCA-Zyklus).[5]

Abbildung 1: PDCA-Zyklus (Nach Paeger, J., 2010, S. 12; Im Original: Deming, W. E., 1982, S. 88.)

Die Realisierung von Nachhaltigkeitsprinzipien im Hochschulbetrieb ist demnach bedeutsam, um strategische und operative Ziele, Strukturen und Prozesse, etwa zur Minimierung von Abfall, Abwasser und Emissionen sowie für einen effizienten Material-, Wasser und Energieeinsatz zu etablieren.[6] Hervorgehobene Relevanz besitzt die betriebliche Nachhaltigkeit dabei insbesondere für die ökologische Nachhaltigkeitsdimension. Ökologisch motivierte Effizienzmaßnahmen können finanzielle Einsparungen bewirken und somit auch ökonomisch nachhaltige Wirkung entfalten. Ein nachhaltiger Hochschulbetrieb schafft darüber hinaus neue Synergien und Schnittstellen mit anderen Organisationseinheiten der Hochschule, wie etwa der Verwaltung und besitzt gleichermaßen eine integrative Wirkung über alle Bereiche der Hochschule entlang eines partizipativen und ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnisses.[7]

Ein nachhaltiger Hochschulbetrieb schließt Lehr- und Forschungsaktivitäten sowie Studierende, Lehrende und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen ein.


Hinzuweisen ist insbesondere auf die Vorbild- und Multiplikatorwirkung, die von einem nachhaltig organisierten Betrieb auch in Lehr- und Forschungsumgebungen wirkt. Positive Erfahrungen von Studierenden während eines Nachhaltigkeits-fokussierten Campuslebens sowie eines Lehr- und Forschungsalltags, in dem Nachhaltigkeitsprinzipien integriert sind, können ebenso bedeutsam für die Stärkung nachhaltigen Denkens und Handelns über das Studium hinaus sein.[8]

So gilt es bei der Umsetzung eines ganzheitlichen, institutionellen Ansatzes (Whole Institution Approach – WIA) eine Beteiligung von externen Anspruchsgruppen und Hochschulpartner*innen wie Studierendenwerk, Stadt, Kommune, Lieferanten und Dienstleistern zu berücksichtigen. Gemeinsam müssen Hochschulangehörige und externe Partner*innen die Betriebsbereiche ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig gestalten und kontinuierlich entwickeln.[9]

Sehr bedeutsam für einen nachhaltigen WIA und wirkungsvoller als individuelle Einzelaktionen oder -projekte sind der grundlegende strategische Wille und die Unterstützung der Hochschulleitung durch geeignete „Governance-Strukturen“ (siehe Leitfaden Governance), um eine Verankerung von hochschulspezifischen, betrieblichen Nachhaltigkeitsthemen etwa im Leitbild einer Hochschule, derer Strategien und Ziele zu ermöglichen. Der Nachhaltigkeitsberichterstattung (NHB) kommt dabei die Aufgabe zu, die betriebliche Nachhaltigkeitsleitung einer Hochschule in einem transparenten Format an eine interessierte Öffentlichkeit zu kommunizieren (siehe Leitfaden NHB). Die systematische Erfassung und Aufbereitung betriebsrelevanter Daten im Rahmen eines Berichtswesens ermöglicht es Optimierungspotentiale zu identifizieren und schafft damit die Grundlage für Entscheidungsträger steuernd auf den Nachhaltigkeitsprozess einzuwirken.

Die nachfolgende Tabelle fasst die wesentlichen Aspekte und Maßnahmen, die zur Nachhaltigkeit im Betrieb von Hochschulen einen entscheidenden Beitrag leisten und gleichsam als „Treiber“ angesehen werden können, zusammen. Dem gegenüber werden Hemmnisse gestellt, die grundsätzlich auch als Herausforderungen und Chancen für Optimierungen angesehen werden können. Die nachstehende Aufzählung bietet dabei einen groben Überblick über potentielle Chancen und Risiken für eine Umsetzung eines nachhaltigen Hochschulbetriebs. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Besonderheiten der individuellen Hochschulkontexte, die fördernd oder hindernd auf den Nachhaltigkeitsprozess wirken können. Eine wesentliche Aufgabe ist es, diese Faktoren zu identifizieren und zu nutzen, um geeignete Lösungen für die eigene Hochschule zu finden. Eine einheitliche Vorgehensweise, die gleichermaßen für alle Hochschulen Geltung besitzt, kann und soll es nicht geben. Die nachfolgend dargestellten Hemmnisse und Treiber verhalten sich nicht zwangsläufig komplementär: Nicht jeder Erfolgsfaktor bietet Strategien zur Überwindung von Barrieren. Jede Strategie zur Überwindung von Barrieren stellt jedoch einen Erfolgsfaktor dar.

Nachhaltiger Hochschulbetrieb – Hemmnisse und Treiber

Hemmnisse[10] Treiber[11]
  • fehlende Unterstützung durch Regierung/Behörden
  • fehlende und/oder nicht adäquate rechtliche Vorgaben von Bund, Land sowie hochschulintern
  • fehlende oder nicht ausreichende Unterstützung durch Leitungs- und Verwaltungsebene(n) der Hochschule
  • Defizite bei Zusammenarbeit/Einigkeit
  • ungenügende personelle und finanzielle Kapazitäten/Ressourcen
  • mangelnde Kontinuität, fehlendes oder nicht ausreichendes Bewusstsein und (Vor-) Wissen
  • unzureichende(s) Engagement, Bemühungen und Akzeptanz
  • mangelnde oder fehlende Kommunikation intern und extern
  • fehlende Kontrollen (-systeme) und Anreize (-systeme)
  • Nichtbeachtung von Energieeffizienz-Technologien (z. B. in Gebäuden)
  • unzureichendes Energieeffizienz-Verhalten (Licht-/Geräte-AUS, Beheizen/Belüften von Räumen)
  • unzureichende(s) Abfallvermeidung bzw. Recycling
  • Unterstützung und Verpflichtung durch die Hochschulleitung
  • Positionierung und Formulierungen zur nachhaltigen betrieblichen Ausrichtung im Leitbild sowie in Strategien, Programmen, Zielen und Maßnahmen
  • klare Verantwortlichkeiten, Institutionalisierung
  • Umsetzung von Normen und Leitfäden (ISO, EMAS)
  • Schaffung personeller Kapazitäten/Ressourcen zur Umsetzung
  • Weiterbildungen zu betrieblichen Nachhaltigkeitsthemen
  • Hochschulangehörige und externe Partner*innen regelmäßig informieren und partizipativ in den Nachhaltigkeitsprozess einbinden
  • Beschaffung/Ausschreibung von Produkten/Dienstleistungen über (rechtskonforme) Nachhaltigkeitskriterien
  • Nutzung und Etablierung nachhaltiger Mobilität
  • Material-, Energie- und Wassereffizienz, Treibhausgas-, Abwasser- und Abfallvermeidung
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft
  • Sensibilisierung und Motivation zum nachhaltigen Verhalten (Abfall vermeiden und trennen, Licht und Technik ausschalten, Beheizen/Belüften von Räumen)
  • Messung/Erfassung der Nachhaltigkeitsleistung (quantitativ über Verbräuche, technische Messung und qualitativ über Zufriedenheit, Umfrage, Befragung)
  • Kennzahlenbildung, Datenerhebung, Bilanzierung von Inputs und Outputs
  • Durchführung von Erfolgskontrollen (z. B. interne Audits)
  • Berücksichtigung von Rückkoppelungen und Vorschlägen in- und externer Partner*innen
  • Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die folgenden Kapitel geben den Leser*innen einen tieferen Einstieg, wie Nachhaltigkeit im Betrieb von Hochschulen realisiert werden kann. Auf die einleitend angesprochenen Themenfelder

wird Bezug genommen hinsichtlich

  • betroffenem Personenkreis/Anspruchsgruppen,
  • Relevanz,
  • Ziele,
  • Hemmnisse und Treiber,
  • Maßnahmen und Implementierung (Checklisten),
  • Good Practice sowie
  • weiterführenden Informationen und Links.

Quellen

Bayerisches Staatministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. (2005). Umweltmanangement an Hochschulen. Abgerufen am 27. April 2018 von http://netzwerk-n.org/wp-content/uploads/2017/04/StMUV-2005-Umweltmanagement-an-Hochschulen.pdf

Delakowitz, B. et. al. (2005). Vom operativen Umweltmanagement zum Leitmotiv „nachhaltige Entwicklung“. Das Beispiel der Hochschule Zittau/Görlitz. In Umweltmanagement an Hochschulen: Nachhaltigkeitsperspektiven, Leal Filho, W. & Delakowitz, B. (Hrsg.). Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH.

Institut für Hochschulentwicklung. (2018). Hochschulen in Deutschland mit EMAS oder ISO 14001. Abgerufen am 30. April 2018 von https://his-he.de/portale/nachhaltige-entwicklung/emasiso/

Kummert, K. et al. (Hrsg.). (2013). Nachhaltiges Facility Management I, Springer-Verlag Berlin Heidelberg.

Leal Filho, W. et al. (2017). Identifying and overcoming obstacles to the implementation of sustainable development at universities. Journal of IntegratIve envIronmental ScIences. Vol 14, No. 1, 93-108. Abgerufen am 15. Januar 2018 von http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1080/1943815X.2017.1362007?needAccess=true

Michelsen, G. (2000). Nachhaltigkeit als Herausforderung für die Hochschulen. In Michelsen, G. (Hrsg.). Sustainable University, Auf dem Weg zu einem universitären Agendaprozess (Bd. 1). Frankfurt/Main, S. 13-39: VAS – Verlag für akademische Schriften.

Müller, J. (2000). Umweltmanagement in Hochschulen Chancen und Grenzen eines Umweltaudits. Abgerufen am 26. April 2018 von https://his-he.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Projektberichte_alte_Website/kib200003.pdf

Paeger, J. (2010). Umweltmanagementsysteme. Abgerufen am 03. Mai 2018 von http://www.yeenet.eu/images/stories/documets/Publications/General_Publications/EMS_DE_online.pdf. Neuer Link: https://paeger-consulting.de/html/pdf/EMS_DE_online.pdf abgerufen am 08.02.2024

Schön, E. (2018). Status Quo Erhebung zur Nachhaltigkeit im Betrieb von Hochschulen. Masterarbeit. Hochschule Zittau/Görlitz. Zittau.

Viebahn, P. & Matthies, M. (2000). Ökobilanzierung und Umweltmanagement an Hochschulen. Konzept und Umsetzung an der Universität Osnabrück. Bochum: Projekt Verlag.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Müller, J., 2000, S. 1
  2. Vgl. Michelsen, G., 2000, S. 21
  3. Vgl. Müller, J., 2000, S. 3
  4. Siehe Institut für Hochschulentwicklung, 2018
  5. Vgl. Paeger, J., 2010, S. 12
  6. Vgl. Bayerisches Staatministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, 2005, S. 3, S. 18 ff
  7. Vgl. Delakowitz, B. et. al., 2005, S. 22-23
  8. Vgl. Viebahn, P. & Matthies, M., 2000, S. 3-4
  9. Vgl. Kummert, K. et al., 2013
  10. Siehe Leal Filho, W. et al., 2017, S. 93-99; Hemmnisse aus dem Englischen übersetzt, sinngemäß zusammengefasst, ergänzt und angepasst nach den Gegebenheiten an Hochschulen in Deutschland
  11. Schön, E., 2018, S. 23
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